Corona setzt der Ära von Trainer Maik Haverkamp beim TV Neerstedt ein jähes Ende

„Ich hätte es gerne durchgezogen“

Das war’s für ihn: Durch den Saisonabbruch ist Maik Haverkamps Aufgabe als Trainer des Frauen-Oberligisten TV Neerstedt vorzeitig beendet. Foto: Büttner

Neerstedt - Von Sven Marquart. Zu Beginn der Coronakrise hatte Maik Haverkamp mit dem Schlimmsten gerechnet. Die Befürchtungen des selbstständigen Garten- und Landschaftsbaumeisters bestätigten sich bislang aber nicht. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen kann sich sein Betrieb nicht über Arbeitsmangel beklagen. „Die Kunden halten an ihren Aufträgen fest, so dass wir vernünftig weitermachen können. Toi, toi, toi!“, berichtet der 33-Jährige. Damit das so bleibt, achtet er verstärkt darauf, dass seine sechs Angestellten möglichst immer in denselben Kolonnen arbeiten. „Das ist ein bisschen tricky, aber dann müssen nicht gleich alle in Quarantäne, wenn doch mal einer positiv auf das Virus getestet werden sollte“, erläutert Haverkamp.

Inmitten des brummenden Frühjahrsgeschäfts findet der Firmenchef trotzdem die Zeit, um über Handball zu plaudern. „Das ist eine ganz gute Ablenkung“, findet der Trainer des Frauen-Oberligisten TV Neerstedt. Oder besser gesagt: Ex-Trainer. Denn der in der vergangenen Woche vom Handball-Verband Niedersachsen (HVN) verfügte Saisonabbruch setzte Haverkamps Ära beim Tabellenschlusslicht ein jähes Ende. Sieben Jahre lang hatte der C-Lizenzinhaber die Geschicke der Grün-Weißen geprägt.

„Schade, dass es so vorbeigegangen ist. Ich hätte es gern bis zum Ende durchgezogen“, bedauert Haverkamp. Trotzdem sei das vorzeitige Saisonaus die richtige Entscheidung: „Alles andere wäre unvernünftig gewesen.“ Außerdem hat der Abbruch einen positiven Nebeneffekt: Obwohl der TV Neerstedt abgeschlagen am Tabellenende rangierte, bleibt ihm der Abstieg erspart, und er darf auch in der nächsten Saison unter dem künftigen Trainertandem Cordula Schröder-Brockshus/Andrej Kunz in der vierthöchsten deutschen Spielklasse starten.

Verbunden mit dem „Ziel, in der Oberliga zu spielen“, hatte Haverkamp Mitte 2013 die Nachfolge von Jan-Bernd Schwepe angetreten. „Wir wollen versuchen, eine langfristige Perspektive aufzubauen“, erklärte der damalige Vereinsvorsitzende Jens Schachtschneider –  und ging damit durchaus ins Risiko. Denn für den damals erst 26 Jahre jungen Haverkamp war es die erste Trainerstation im Damenbereich. Zuvor hatte er lediglich in der Jugendabteilung seines Heimatvereins als Übungsleiter gearbeitet. Dafür verfügte Haverkamp aber über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz als Aktiver: Mit den Neerstedter Herren spielte der ehemalige Torhüter in der Ober- und Regionalliga, mit der HSG Varel sogar in der zweiten und dem VfL Edewecht in der dritten Liga. Zwei Kreuzbandrisse zwangen ihn zum Aufhören.

In seiner ersten Saison als Trainer führte Haverkamp seine Crew in der Landesliga auf Platz sieben. „Maik ist ein Glücksfall für den TV Neerstedt“, sagte Vereinsboss Schachtschneider. Doch der ganz große Erfolg ließ auf sich warten. „Ich habe nicht gedacht, dass es so schwierig wird“, meint Haverkamp rückblickend.

Nach den Plätzen sieben, drei und vier in den folgenden Spielzeiten gelang den Neerstedterinnen 2018 der ersehnte Sprung in die Oberliga. „Dabei waren wir ganz schlecht gestartet“, erinnert sich Haverkamp. Sein Team verlor zwei der ersten drei Saisonspiele, legte dann aber eine tolle Siegesserie hin. Den ersten „Matchball“ vergaben die Grün-Weißen mit dem 26:31 gegen Vorwärts Nordhorn, machten die Meisterschaft mit dem 23:20 in der abschließenden Partie beim ASC GW Itterbeck dann aber doch perfekt. „Das war schon toll!“, schwärmt Haverkamp heute noch.

Als Aufsteiger schaffte der TVN in seiner ersten Oberliga-Spielzeit bereits frühzeitig den Klassenerhalt. In der jetzt abgebrochenen Serie liefen die Neerstedterinnen der Musik aber völlig hinterher und bezogen 18 zum Teil heftige Niederlagen. Auf der Habenseite standen lediglich zwei Pünktchen von den Unentschieden gegen die SG Findorff (20:20) und den VfL Horneburg (22:22). „Es wurmt mich, dass wir leistungsmäßig so weit von den anderen Mannschaften weg waren. Aber wir konnten die Abgänge nicht kompensieren“, erklärt Haverkamp, der im vergangenen Sommer in Wiebke Kieler, Kirsten Kurok und Laura Huntemann drei erfahrene Rückraumsäulen ziehen lassen musste. Trotz der Misserfolge schaffte er es aber, „das Team bei Laune zu halten“. Abgesehen von Agnieszka Blachas Wechsel zum Oberliga-Rivalen SG Friedrichsfehn/Petersfehn bleibt der Kader beisammen. „Auch darauf bin ich ein Stück weit stolz“, bekräftigt Haverkamp.

Mit dem Coach hört auch dessen Co-Trainer Michael Kolpack auf. Beide bildeten seit 2016 ein Gespann. „Wir haben die gleiche Handballphilosophie. Deshalb passte das mit uns wie die Faust aufs Auge“, schildert Haverkamp. Während sein Kompagnon Kolpack „jetzt in Handballrente gehen“ wolle, wird er nur pausieren – trotz zahlreicher Anfragen zunächst mindestens für ein Jahr. Denn zuletzt sei bei ihm „ein bisschen die Luft raus“ gewesen, gesteht Haverkamp. Dennoch lässt er keine Zweifel daran, dass er die Saison mit vollem Einsatz zu Ende gebracht hätte.

Aber dazu kommt es nun nicht mehr. „Das ist schade. Aber wir werden Maik gebührend verabschieden und uns für die erfolgreiche Zeit bedanken, wenn es weitergeht“, sagt der aktuelle Vereinsvorsitzende Tim Gersner. Haverkamp sei „ein absoluter Handballexperte“, der eine Mannschaft „emotional packen“ und ihre jeweilige „Situation sehr gut einschätzen“ könne. Deshalb betrachte er dessen Ausstieg auch „mit anderthalb weinenden Augen“. Froh stimmt den TVN-Chef jedoch, dass Haverkamp seinem Verein erhalten bleiben wird. In welcher Funktion, ist noch offen. „Wir wären blöd, wenn wir einen Mann mit seinem Fachwissen nicht einbinden würden. Ich denke, dass wir beispielsweise im organisatorischen Bereich eine Aufgabe finden, bei der Maik nicht drei- oder viermal pro Woche in der Halle stehen muss“, erläutert Gersner.

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