Saisonabbruch ist nur noch „Formsache“ / „Die einzige vernünftige Lösung“

HVN-Präsidium zieht Schlussstrich

Das wird nichts mehr in dieser Saison: Der Handballverband Niedersachsen bricht den Spielbetrieb in seinen Ligen ab.
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Das wird nichts mehr in dieser Saison: Der Handballverband Niedersachsen bricht den Spielbetrieb in seinen Ligen ab.

Wildeshausen – Überraschend kommt die Nachricht nicht – eher mit langem Anlauf: Nach der erneuten Verlängerung des Corona-Lockdown und der nicht absehbaren Perspektive – gerade für die Mannschaftssportarten – hat sich der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) am Montagabend während seiner Präsidiumssitzung dazu entschlossen, die Saison in seinen Ligen abzubrechen.

Zuvor hatte die Verbandsspitze mit den Vertretern seiner Gliederungen die Lage erörtert. Damit fällt die zweite Saison in Folge der Pandemie zum Opfer.

In einer Presseerklärung teilt der HVN mit, dass ihn die Beschlüsse der Bundes- und Landesregierungen zwingen würden, „die Saison für die Mannschaften der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären“. Der Abbruch erfolge ohne Wertung aller bisher ausgetragenen Spiele. Den offiziellen Beschluss des Präsidiums kündigen Präsident Stefan Hüdepohl und Vizepräsident Jens Schoof noch für diese Woche an. Dies sei „reine Formsache“. Zuvor müsse aber Rechtssicherheit geschaffen werden.

Die Gliederungen des Verbandes wollen sich einvernehmlich dem anvisierten Präsidiumsbeschluss anschließen, heißt es vom HVN. „Das wird so kommen“, bestätigt Wolfgang Sasse, der Vorsitzende der Handballregion Oldenburg (HRO). „Es geht darum, dass im gesamten Verbandsgebiet einheitlich verfahren wird“, erläutert der Wildeshauser. Zum Saisonabbruch gibt es seiner Ansicht nach „überhaupt keine Alternative“.

Bereits im Dezember hatte Cordula Schröder-Brockshus, Trainerin des Frauen-Oberligisten TV Neerstedt, schon nicht mehr daran geglaubt, „dass wir noch eine verwertbare Saison spielen werden“. Nun sieht sich die 27-Jährige bestätigt. „Die Entscheidung war vorhersehbar. Die Saison abzubrechen, ist die einzige vernünftige Lösung. Dadurch haben die Vereine und ich als Trainerin Planungssicherheit“, meint die B-Lizenzinhaberin.

Ähnlich sieht es ihr Vereinskollege Thomas Schuetzmann, der die zweite Neersteder Männermannschaft in der Landesklasse trainiert. „Es hatte sich angebahnt. Die Versuche, immer wieder den Zeitplan anzupassen, waren gut gemeint, wie sich jetzt gezeigt hat aber nicht realistisch. So haben wir Planungssicherheit und können uns hoffentlich vernünftig auf die neue Saison vorbereiten. Es ist schade für die Entwicklung der Jungs, aber es gibt wichtigere Dinge auf der Welt als Handball“, findet der 35-Jährige

Laut HVN-Vizepräsident Schoof halte der Deutsche Handballbund (DHB) daran fest, in den 3. Ligen Aufsteiger aus den Oberligen aufzunehmen. Deshalb werde der HVN in den nächsten Wochen eine Abfrage bei den Oberligisten starten und die Bereitschaft zur Teilnahme an einer Aufstiegsrunde abklopfen. Zudem muss geklärt werden, wie die Spiele ausgetragen werden können, wenn Mannschaftssport auf Amateurebene noch länger verboten bleibt.

Präsident Hüdepohl übt deshalb ähnlich wie der Niedersächsische Fußballverband (NFV) Kritik am Stufenplan 2.0 der Landesregierung und den Vorschlägen des Landessportbundes: „Die Sportler in Niedersachsen brauchen eine Perspektive. Das setzt voraus, dass der Amateursport nicht bis in den Sommer verboten bleibt. Die Regelungen, die den Sport betreffen, lassen uns fürchten, nicht vor Juni oder gar erst nach den Ferien in die Hallen zurückzukehren.“

Auch Cordula Schröder-Brockshus hofft, „dass wir schon bald wieder in die Halle dürfen und den Ball in die Hand nehmen können“. Der vom HVN als mögliche Zwischenlösung ins Spiel gebrachten Pokalrunde steht sie positiv gegenüber: „Das wäre eine gute Sache, wenn wir nicht sofort zwei Wochen nach Hallenöffnung spielen müssen.“ Die HRO erwägt derweil Beach- und Kleinfeldhandball als Alternativangebote.

Der Saisonabbruch dürfte gleichzeitig eine Verlängerung mit sich bringen. Die Landesklassen der Frauen und Männer sollten eigentlich nach fünf Jahren zum Saisonende aufgelöst werden, so dass die Regionsoberligen künftig die obersten Spielklassen der Regionen sind. Die Auflösung wird nun voraussichtlich um ein Jahr verschoben. Schuetzmanns Crew ist davon ebenso betroffen wie das zweite Neerstedter Frauenteam.

Gerne würde „Tomek“ Schuetzmann mit seinem bisherigen Kader weiterarbeiten. „Für die älteren Spieler wird es nach fast einjähriger Pause eine große Herausforderung, sich wieder ranzurobben. Außerdem hoffe ich, dass die Jungen dabei bleiben und sich in der Zwischenzeit keine anderen Hobbys gesucht haben“, sagt er. Die Neerstedter Verbandsliga-Reserve lebe von den persönlichen Kontakten: „Das kannst du durch Laufchallenges und Online-Training nicht ersetzen.“

Entgegen seiner Befürchtung bleiben die Handballer in der Region Oldenburg ihrer Sportart treu. „Nach einer ersten Abfrage werden wir in der nächsten Saison sogar mehr Mannschaften haben“, berichtet HRO-Chef Sasse: „Wir sind sehr gut aufgestellt, sehr flexibel und wissen, was wir zu tun haben. Wir warten jetzt auf die Rahmenbedingungen.“

Von Matthias Freese Und Sven Marquart

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