Klares Stimmungsbild: Handball soll noch bis mindestens Ende Februar ruhen

HRO-Vereine gegen Fortsetzung des Spielbetriebs

Tim Gersner
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Tim Gersner, Vorsitzender des TV Neerstedt, hatte die Vereine der Handballregion Oldenburg (HRO) zu einer Videokonferenz eingeladen.

Landkreis – Die Vereine in der Handballregion Oldenburg (HRO) gehen auf die Barrikaden. Weil der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) trotz explodierender Coronafallzahlen an diesem Wochenende in seinen Ligen zum geregelten Spielbetrieb zurückkehren will, wachsen in der HRO Unmut und Widerstand.

„Mehr und mehr wird an mich herangetragen, dass viele Eltern, Spielerinnen und Spieler und Ehrenamtliche ein mulmiges Gefühl beschleicht, jetzt wieder mit dem Spielbetrieb zu beginnen. In Anbetracht der unübersichtlichen Lage kann ich die Ängste und Sorgen aller Beteiligten sehr gut nachvollziehen“, schrieb Tim Gersner in einer E-Mail an den Vorstand der HRO und die ihr angeschlossenen Vereine. Um ein Stimmungsbild einzuholen, hatte der Vorsitzende des TV Neerstedt für Mittwochabend zu einer Videokonferenz eingeladen.

Einhellig sprachen sich die Vereinsvertreter dafür aus, den Spielbetrieb auf Regionsebene bis auf Weiteres ruhen zu lassen „Alle Anwesenden haben zudem klar geäußert, dass wir als Vereine vom HVN eine Aussetzung des Spielbetriebs bis mindestens Ende Februar als sinnvoll erachten“, schrieb Gersner nach der Schalte in einer E-Mail, die auch an HVN-Präsident Stefan Hüdepohl ging. Gersner forderte den Verband auf, „die Interessen der Basis und nicht einzelner Personen oder Gruppen zu verfolgen“. Ein Großteil der HRO-Vereine, darunter auch auf Verbandsebene spielende Teams, sehe die Fortführung des Spielbetriebs als unverantwortlich an.

„Ich meine, dass es fahrlässig wäre, am Wochenende durch die Gegend zu fahren und Kinder zu vermischen, die anschließend in acht verschiedene Schulen gehen“, sagte Gersner zur Eröffnung der Videokonferenz, an der sich neben gut einem Dutzend Vereinsvertreter auch der HRO-Vorsitzende Wolfgang Sasse, Spieltechniker Dieter Popken und Senioren-Spielwart Detlef Teubner beteiligten. So wie sich die Coronafallzahlen derzeit entwickeln, sei er davon ausgegangen, dass der HVN die Pause verlängern würde, sagte Gersner. Er sehe es extrem kritisch, den Spielbetrieb auf Biegen und Brechen aufrechtzuerhalten.

Dirk Maske, der die weibliche A-Jugend der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg trainiert, teilt Gersners Sichtweise. „Ich verstehe nicht, dass wir immer noch Handball spielen, wenn es um die Gesundheit der Menschen geht – das muss ein Ende haben“, forderte er. Im Training, wenn zehn oder 15 Personen beteiligt seien, sei die Situation vielleicht zu kontrollieren. „Aber das geht nicht mehr, wenn Schiedsrichter, Zeitnehmer, Sekretäre und Zuschauer dazukommen.“

Marcel Hellmann vom SV Eintracht Wiefelstede erklärte, dass 80 Prozent der Spieler aus dem ersten Herrenteam seines Vereins aktuell nicht in der Landesklasse antreten wollen: „Wir haben viele Familienväter dabei, die kein Risiko eingehen wollen, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen können.“ SVE-Handballabteilungsleiter Dennis Behlen plädierte dafür, frühestens Mitte oder Ende Februar über einen Re-Start nachzudenken. „Und wenn wir dann bis in den Sommer spielen – das juckt doch keinen Menschen“, meinte er. Jetzt weiterzumachen sei „ein schlechtes Zeichen an die Eltern und Kinder“.

Werner Lingenau, Vorsitzender der HSG Hude/Falkenburg, berichtete, sich zuvor schon auf eigene Faust an den HVN gewandt zu haben, dieser möge den Spielbetrieb bis Ende Februar aussetzen. Erst beim Nachhaken habe er überhaupt eine (unbefriedigende) Antwort bekommen.

Ann-Christin Arnold vom SV Brake arbeitet an einer Grundschule. Daher weiß sie: „Die Einschläge kommen näher! Wir können so nicht am Spielbetrieb teilnehmen.“

Sasse versprach, dass die HRO „weiter auf Sicht fahren“ werde und jederzeit in der Lage sei, „den Spielbetrieb schnell zu aktivieren“. Bevor es wieder losgehe, bekämen die Mannschaften eine Vorbereitungsphase.

 HVN führt allgemeine Testpflicht ein

Zum „bestmöglichen Schutz der Gesundheit aller Spielbeteiligten“ hat der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) „ab sofort eine allgemeine Testpflicht sowohl im Erwachsenen- als auch im Jugendspielbetrieb auf Verbandsebene“ eingeführt. Das teilte der HVN am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. Künftig wird unter einer verschärften „2G-plus-Regelung“ gespielt. Diese gelte auch für Spieler und Offizielle, die bereits eine Auffrischungsimpfung („Booster“) erhalten haben oder einen Genesenennachweis nach der vollständigen Schutzimpfung („Impfdurchbruch“) vorweisen können. Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind von der Anwendung der 2G-Regelung ausgeschlossen, müssen jedoch ebenfalls einen negativen Testnachweis vorlegen. Gültig seien hier PCR-Tests (maximal 48 Stunden alt) und PoC-Antigen-Tests (maximal 24 Stunden alt) mit gültigem Zertifikat sowie geeignete Selbsttests (sind mitzubringen) unter Aufsicht des gastgebenden Vereins. Damit sei die Testung im Rahmen des Testkonzeptes für Schulen in den Bundesländern Niedersachsen und Bremen alleine nicht mehr ausreichend. 

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