Oberliga-Spitzenreiter HSG Barnstorf/Diepholz zerlegt Neerstedt – 39:22

Gnadenloser Klassenprimus

Neerstedts Trainer Dag Rieken fasst sich schon an den Kopf, doch Andrius Gervé (am Ball) hängt Bastian Carsten-Frerichs gnadenlos ab: Gervé traf für Barnstorf zwölfmal. ·

Neerstedt - Von Cord KrügerOlaf Sawicki drehte sich sorgenvoll zur Anzeigetafel hinter seinem Kasten um. Andrius Gervé hatte den Torwart des TV Neerstedt gerade zum 9:3 überwunden – und die Uhr zeigte erst 13 absolvierte Minuten an.

Mehr als zwei Paraden blieben dem Keeper gegen seine Ex-Teamkollegen der HSG Barnstorf/Diepholz am Freitagabend nicht vergönnt – auch, weil Barnstorfs Rückraum-Riese Denis Maksimovich (acht Treffer) im ersten Durchgang fehlerfrei blieb und Sawicki die zweite Hälfte von der Bank aus verfolgte. Doch die heftige 22:39 (12:19)-Klatsche gegen den neuen Primus der Handball-Oberliga hatten weder er noch Torhüter-Kollege André Hoffmann zu verantworten.

„Olaf ist heute natürlich besonders enttäuscht“, wusste TVN-Trainer Dag Rieken. Doch auch er wirkte nach dieser eindrucksvollen Vorstellung der Gäste vor 300 Zuschauern in der Neerstedter Sporthalle ziemlich mitgenommen: „Ich hatte mir deutlich mehr erhofft. Aber unser Konzept ging überhaupt nicht auf. Wir brauchen den Gegenstoß – davon gab's in der zweiten Halbzeit keinen einzigen.“

Und in der ersten Hälfte nur zwei – ansonsten bissen sich die Hausherren am starken Abwehrriegel die Zähne aus. Rieken wusste um die gute Deckungsarbeit der HSG, die deren Trainer Heiner Thiemann stets einfordert. „Deshalb wollten wir uns auch im Spiel ohne Ball schnell nach vorn bewegen, um nicht so in die Zweikämpfe zu geraten – doch das hat gar nicht geklappt.“

Immerhin: Das 1:1 (2.) durch Thomas Schützmann im direkten Gegenzug nach Andrius Gervés Führung fiel im direkten Gegenzug dank Neerstedts gefürchteter Schnelligkeit. Aber das rüttelte die Gäste wach: „Wir sind gleich körperbetont in die Zweikämpfe gegangen. Unsere Deckung stand sehr gut“, lobte Thiemann.

So gut, dass sich HSG-Torwart Donatas Biras seltener als sonst auszeichnen konnte, weil er wenig auf den Kasten bekam. Aber gleich den ersten Siebenmeter von Tim Schulenberg, mit 7/5 Toren bester TVN-Werfer, parierte er (3.). Mit seiner zweiten „Marke“ zum 2:3 (6.) zeigte Schulenberg zwar, dass er es kann, doch dann begann die Maksimovich-Show mit drei Toren in Folge zum 6:2 (10.). Ebenfalls kaum zu bändigen: Andrius Gervé, den Rieken noch am Freitag zum „stärksten Kreisläufer der ganzen Liga“ kürte. Der Litauer steuerte allein zwölf Treffer zu diesem Schützenfest bei. Achtmal davon traf er zwar mit Siebenmetern, doch einige holte der gierige Mann mit der Rückennummer 44 selbst heraus.

Nach der Pause blieb Gervé weitgehend draußen, kam nur noch für Siebenmeter aufs Feld. Und davon gab's einige – insgesamt 17. Dies und die zusammen 16 Zeitstrafen verdeutlichen einerseits den Körpereinsatz, andererseits griffen die Schiedsrichter Markus Richter und Thomas Determann phasenweise zu übertrieben durch. So kassierte Neerstedts Marcel Kasper nach 58 Minuten die dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte – wegen Kommentierens seiner gerade eben erst verhängten zweiten zwei Minuten.

„An den Schiris will ich die Niederlage natürlich nicht festmachen“, stellte Rieken klar. Zu komfortabel hatte die HSG ihren Vorsprung ausgebaut – fast zu blamabel für den TVN, dessen Fans sich auf der Tribüne fragten, ob es schon mal eine ähnlich hohe Heimpleite gab. Barnstorfs Spielfluss wie aus einem Guss riss nämlich bis zuletzt nicht ab. Maksimovich sorgte mit dem 25:15 für den ersten Zehn-Tore-Vorsprung (41.), Tobias Meyer per Sahne-Heber für einen 15-Treffer-Abstand (55.). Zu diesem Zeitpunkt hatte Thiemann bereits seine Leistungsträger wie den Ex-Sandkruger Nils Mosel, Maksimovich und Biras zur Schonung aus der Partie genommen.

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