VfL-Coach Bragula ist aus Afghanistan zurück

„Es gibt wichtigere Dinge als Fußball“

Kann es ruhig angehen lassen: VfL-Coach Marcel Bragula ist aus Afghanistan zurück. Doch wegen der Coronapandemie ist der Spielbetrieb zunächst bis zum 19. April ausgesetzt. Foto: Marquart

Wildeshausen – Das Wiedersehen mit der Familie verzögerte sich. Als Marcel Bragula am vergangenen Freitag nach seinem viermonatigen Bundeswehreinsatz in Afghanistan wieder deutschen Boden betrat, wartete niemand auf ihn. Wegen der Coronapandemie hatte der Oberstabsfeldwebel seine Frau Manuela, Tochter Carolin und Sohn Ben-Erik gebeten, ihn nicht vom Luftwaffenstützpunkt in Köln-Wahn abzuholen. Stattdessen ließ sich der Trainer des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen mit einem Dienstwagen heimbringen –  quasi von einem Krisengebiet ins nächste.

Trotz der aktuell auch in der Kreisstadt herrschenden Einschränkungen ist Bragula „zuerst einmal froh, gesund und munter wieder zuhause zu sein“. Denn die 127 Tage am Hindukusch waren „körperlich und mental fordernd“. Viel mehr möchte der Soldat nicht erzählen. „Einerseits ist es nicht erlaubt, andererseits habe ich mich dazu entschlossen es nicht breitzutreten.“ Neben der ständigen Gefahr für Leib und Leben musste er mit diversen Entbehrungen klarkommen. Die klimatischen Bedingungen mit Temperaturen zwischen minus zehn und plus 25 Grad Celsius machten den Dienst nicht einfacher.

Keine Hände schütteln, Abstand halten, Menschenansammlungen vermeiden – bereits im Februar galten im Feldlager von Masar-e Scharif weitreichende Maßnahmen zum Schutz vor Corona. „Wir waren immer gut informiert und sind zuletzt jeden Morgen zur aktuellen Entwicklung gebrieft worden“, berichtet Bragula. Zurück in der Heimat, war er deshalb „überrascht, wie locker hier noch damit umgegangen wurde“. Erst zwei Tage nach seiner Ankunft wurden die Bedingungen verschärft. „Ich mache einfach weiter wie in den letzten viereinhalb Monaten und befolge Regeln – das ist keine große Umgewöhnung“, erklärt Bragula.

So meldet sich der 45-Jährige nun morgens bei seiner Dienststelle in Delmenhorst zur Bereitschaft, widmet sich dem Haushalt und bewegt sich an der frischen Luft. Neben Laufeinheiten stehen Fahrradtouren auf seinem Programm. „Ich bin froh, in Deutschland zu leben. Anderen geht’s wesentlich schlechter als uns. Afghanistan hat so gut wie gar kein Gesundheitssystem“, sagt Bragula.

Dass der Welcome-back-Abend mit seiner Mannschaft noch warten muss, sei zwar schade, „hat aber keine Priorität“. Aktuell gebe es „weitaus wichtigere Dinge als Fußball“. Trotzdem ist der Coach des Tabellenachten über das Landesliga-Geschehen natürlich bestens informiert, „auch wenn die Kommunikation im Einsatz schwierig war“. Durch die witterungs- und coronabedingten Absagen verpasste Bragula während seiner Abwesenheit lediglich das 0:1 gegen den BV Essen und das 1:1 bei Germania Leer. „Mir wäre es aber lieber, es wären sieben Spiele gewesen und dafür wäre alles normal“, betont Bragula. Stattdessen herrscht Ausnahmezustand.

„Patrick Meyer hat tolle Arbeit geleistet und das Vertrauen zu 110 Prozent gerechtfertigt“, lobt Bragula seinen Co-Trainer, der den Krandel-Kickern individuelle Pläne mitgegeben hat. „Damit kann man mal zwei bis drei Wochen überbrücken –  dann wird es aus fußballspezifischer Sicht schwierig“, findet Bragula. Aktuell ist der Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt. „Aber ein bisschen Ruhe tut ganz gut“, sagt Bragula. Verständlich nach den anstrengenden Monaten, die hinter ihm liegen.  mar

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