Gersner verlangt von Wolken den direkten Wiederaufstieg

TV Neerstedt muss in der Verbandsliga ohne Linkshänder Kyan Petersen auskommen

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Linkshänder Kyan Petersen (Trikotnummer 29) wird den TV Neerstedt nach nur einer Saison wieder verlassen.

Neerstedt - Es ist knapp drei Monate her, dass Tim Gersner zum Vorsitzenden des TV Neerstedt gewählt worden ist. Doch in diesem knappen Vierteljahr hat der neue Mann an der Vereinsspitze bereits ein Wechselbad der Gefühle durchlebt, das seinesgleichen sucht. Nur einen Tag, nachdem die erste Männermannschaft aus der Handball-Oberliga abgestiegen war, feierten die Frauen die Landesliga-Meisterschaft.

„Das war ein krasses Wochenende!“, erinnert sich Gersner. Auch mit einigen Tagen Abstand weiß der 34-Jährige immer noch nicht, ob die Freude oder die Enttäuschung überwiegt. „Das hält sich in etwa die Waage“, meint Gersner. Doch inzwischen gibt es zusätzliches Frustpotenzial: Wie befürchtet, reichte der zehnte Platz des zweiten Männerteams nicht zum Verbleib in der Landesklasse. Die Crew von Trainer Ninos Chabo muss den bitteren Gang in die Regionsoberliga antreten – der gleitenden Skala sei Dank. „Das kann immer mal passieren. Die Jungs haben keine schlechte Saison gespielt, aber leider zu wenig Punkte geholt, weil sie viele Spiele knapp verloren haben“, erläutert Gersner.

Wesentlich bitterer findet der TVN-Chef, dass sich das Neerstedter Aushängeschild aus der Oberliga verabschieden musste. Das Team von Trainer Björn Wolken habe beim 39:28 über die SG HC Bremen/Hastedt sein wohl bestes Saisonspiel gemacht. „Und anschließend hängst du am Liveticker und kriegst die Krise, weil die anderen nicht mitspielen – aber das hatte sich in dieser verrückten Liga ja angedeutet“, schildert Gersner die quälenden Minuten zwischen Hoffen und Bangen.

„Dafür war die Freude am nächsten Tag umso größer“, erzählt Gersner. Mit Pizza, Bier und Sprechchören bereitete der TV Neerstedt den Frauen nach dem 23:20 beim ASC GW Itterbeck am Vereinsheim einen triumphalen Empfang. Trotz der künftigen Herausforderung in der vierthöchsten deutschen Spielklasse sieht Gersner die Lage relativ entspannt: „Mit Maik Haverkamp und Michael Kolpack sind wir gut aufgestellt und brauchen nicht viel zu verändern. Ich hoffe, dass die Mannschaft die Klasse hält.“

Frust, Freude, Frust: Der neue Vereinsvorsitzende Tim Gersner durchlebte in den vergangenen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. - Foto: Marquart

Ganz anders stellt sich die Situation bei den Männern dar. „Wir haben die klare Erwartung, dass die Mannschaft gleich wieder aufsteigt“, betont Gersner. Aus diesem Grund werde der Verein „am Budget nichts verändern“ und in der Verbandsliga mit dem gleichen Etat arbeiten wie eine Etage höher. Dabei sprechen Gersner und Handballabteilungsleiter Fabian Kahler dem bisherigen Coach Björn Wolken weiter das Vertrauen aus. „Wir werden den eingeschlagenen Weg ligaunabhängig weitergehen“, bekräftigt Gersner. Der Trainernovize habe sich nicht viel vorzuwerfen: „Für seine erste Saison hat Björn das hervorragend gemacht. Er hat mit der Mannschaft nur einen Punkt weniger geholt als Jörg Rademacher im Jahr davor.“

Durch den Abstieg sind die Personalplanungen, die eigentlich schon weit fortgeschritten waren, jedoch ziemlich über den Haufen geworfen worden. So vermeldete der TV Neerstedt am Dienstag in Kyan Petersen einen weiteren Weggang. Hendrik Legler (TV Cloppenburg), Paul Schröder und Jan Ole Harting (beide SG HC Bremen/Hastedt) hätten den Verein auch im Falle des Klassenerhalts verlassen.

„Kyans Vorstellungen passten wohl nicht mit unseren überein. Wahrscheinlich hat er sich mehr Spielzeit gewünscht“, mutmaßt Wolken. Dabei wäre Petersen durch Hartings Wechsel im rechten Rückraum nahezu konkurrenzlos gewesen. Petersen war erst vor der gerade beendeten Saison vom Landesligisten TS Hoykenkamp zu den Grün-Weißen gestoßen und hatte auf Anhieb auch zwei Klassen höher funktioniert. Insgesamt erzielte der Linkshänder 62 Treffer im Neerstedter Dress. „Kyan hat meine Vorstellungen nicht enttäuscht. Es ist schade, dass er geht. Aber Reisende soll man nicht aufhalten“, sagt Wolken.

Petersens Beispiel könnten noch weitere Spieler folgen. Denn ganz gewiss haben Linksaußen Mario Reiser (128 Saisontreffer) und Shooter Eike Kolpack (88) andere Angebote vorliegen. Gleichwohl hofft Wolken, dass sich die beiden Leistungsträger „zum Verein bekennen und den schwierigen Weg mitgehen“. Die Torhüter Julius Timm und Kevin Pecht sowie Kreisläufer Philipp Hollmann haben bereits fest zugesagt. Der Coach geht davon aus, „dass das Gros der Mannschaft zusammenbleibt“.

Die Suche nach Verstärkungen gestaltet sich allerdings schwierig. „Vor allem halbrechts müssen wir was tun. Außerdem hätte ich gerne noch jemanden für die Mitte und halblinks“, erläutert Wolken. Im eigenen Nachwuchs hat er in Paul Logemann (halbrechts) und Stjorven Schröder (halblinks) jedenfalls schon mal zwei Akteure gefunden, denen er die Verbandsliga zutraut. 

mar

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