Schwimm-Asse Mikkel und Fynn Grotelüschen müssen improvisieren

Gartenteich und „Wintergarten-Muckibude“

Der Wintergarten als „Muckibude“: Hier „pumpen“ Mikkel Grotelüschen (links) und sein Bruder Fynn (r.) für den Wiederbeginn der Wettkämpfe im Schwimmen und Triathlon. Während Mikkel (15) weiter dem Schwimm-Landesstützpunkt angehört, hat sich Fynn (18) mittlerweile dem Triathlon verschrieben. Er startet für „Die Bären“ Oldenburg.
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Der Wintergarten als „Muckibude“: Hier „pumpen“ Mikkel Grotelüschen (links) und sein Bruder Fynn (r.) für den Wiederbeginn der Wettkämpfe im Schwimmen und Triathlon. Während Mikkel (15) weiter dem Schwimm-Landesstützpunkt angehört, hat sich Fynn (18) mittlerweile dem Triathlon verschrieben. Er startet für „Die Bären“ Oldenburg.

Wildeshausen – Manchmal, am Abendbrot-Tisch, ist bei Familie Grotelüschen Nervenstärke gefragt. Dann ziehen sich Mikkel Grotelüschen (15) und sein drei Jahre älterer Bruder Fynn gegenseitig auf, wer nun wie trainieren kann. Oder Mikkel Grotelüschen unterbricht die Mahlzeit, um nebenan zu „pumpen“, wie Vater Wolfgang Grotelüschen dessen Ausflüge in den Wintergarten beschreibt.

Den haben die Wildeshauser längst zur „Muckibude“ umgerüstet – gemäß der Tipps des früheren Schwimm-Bundestrainers Henning Lambertz. Denn in „ihr“ Element, das Wasser, dürfen die langjährigen Titelsammler des Schwimmvereins Wildeshausen längst nicht so oft, wie ihnen lieb wäre. Und das schon seit 13 Monaten, als Corona alles auf den Kopf stellte.

Das Geschwister-Duo steht in diesem Text symbolisch für alle Schwimmer, die unter der Krise angesichts geschlossener Hallenbäder und lange gesperrter Freibäder besonders zu leiden hatten. Papa Grotelüschen, der seine Söhne beim SV seit Jahren trainiert und fördert, sah sich zusammen mit seinem Trainerkollegen Marcus Schwoll in einer teils neuen Rolle: „Training und Trainingswissenschaften sind das Eine, inzwischen sind wir aber auch als Entertainer und Motivator gefragt. Ich habe mal zu ,Schwolli‘ gesagt, dass wir irgendwie den Spaß an der Bewegung aufrecht erhalten müssen.“

Stützpunkt-Trainings in Wardenburg und Quakenbrück

Mikkel genießt dabei immerhin noch das Privileg, wenigstens dreimal pro Woche im Becken seine Bahnen ziehen zu dürfen – weil er dem Landesstützpunkt der Schwimmregion Oldenburg/Delmenhorst angehört und dessen Aktive wie alle Sportler aus Olympia-, Landes- und Perspektivkadern in der Corona-Schutzverordnung zu den „Ausnahmen“ der Profi- und Spitzensportler zählen. Das wiederum birgt seit Beginn der Pandemie Konfliktpotenzial mit Bruder Fynn (18), wie Mikkel über Jahre hinweg äußerst erfolgreich auf verschiedenen Distanzen. Weil sich der 18-Jährige schon vor einiger Zeit mehr dem Triathlon verschrieben und den Stützpunkt verlassen hat, „foppen sich die beiden schon von Zeit zu Zeit: Mikkel zieht Fynn dann damit auf, dass er schwimmen darf und der Große nicht“, verrät ihr Papa Wolfgang.

Mikkels Einheiten laufen in Wardenburg ab, dem neuen Zentrum des frisch aus sieben Vereinen gegründeten Landesstützpunkts. Nachdem sich der SV Wildeshausen, der Oldenburger Schwimmverein, der Bürgerfelder TB, der Wardenburger Schwimm-Club, der VfL Rastede, die TSG Westerstede und der Delmenhorster SV 05 zu dieser Region zusammengeschlossen hatten, zog der Stützpunkt von Oldenburg in die Gemeinde vor den Toren der Stadt um.

„Die Jungs trainieren in einer Blase – immer in derselben Besetzung, die nicht verändert werden darf“, nennt Grotelüschen eine der vielen Sicherheitsvorkehrungen. Auch die zusätzlichen Zeiten, die die Nachwuchs-Asse während der Osterferien in einem Quakenbrücker Hallenbad dank ihres Trainers ergattern konnten, gingen nur mit einem strengen Hygienekonzept über die Bühne. Ungetrübter Spaß am Lieblingssport sieht anders aus. Aber die Grotelüschens sind seit 13 Monaten Improvisation gewohnt.

Corona stoppt fast alle Wettbewerbe

Als das Virus im März 2020 plötzlich alles lahm legte, ging auch für die Schwimmer so gut wie nichts mehr. Jedenfalls nicht in öffentlichen Bädern. Dies trieb teils kuriose Blüten. „Da wurden rund um Ostern Neopren-Anzüge ohne Ende gekauft“, berichtet Wolfgang Grotelüschen aus der Szene. Sohn Fynn als Triathlet besaß bereits eine solche „zweite Haut“, Mikkel bekam nun ebenfalls ein Exemplar. Damit ging‘s in den eigenen Gartenteich – zum Schwimmen gegen die Kraft der Gummibänder, die sie immer wieder zurückzogen. „Länger als eine Viertelstunde bei solchen Temperaturen hält man das aber nicht aus“, verdeutlicht ihr Vater und Coach. Also stillten die Brüder ihren Bewegungsdrang mit Krafttraining in der „Wintergarten-Muckibude“ und Laufeinheiten. „Das macht auf Dauer aber keinem Schwimmer Spaß“, schildert Grotelüschen. Doch im Mai hellte sich die Stimmung auf – die Verordnungen ließen das Benutzen des Wildeshauser Freibads zu. „Für uns im Verein waren das natürlich herrliche Bedingungen: Teils stand unseren Jugendlichen das Becken komplett zur Verfügung – und der untergehenden Sonne entgegen zu schwimmen – das hatte schon was.“

Aber dann, im Oktober, mit Beginn der zweiten Corona-Welle, war wieder ziemlich abrupt Schluss. Nur eine Bezirksmeisterschaft war im schmalen Korridor der Lockerungen zustande gekommen – Landesentscheide und Norddeutsche Meisterschaften fielen flach. Das galt ebenso für die Wettbewerbe von Triathlet Fynn Grotelüschen, inzwischen aktiv im Triathlon-Club Oldenburg „Die Bären“. Vater Wolfgang scheint angesichts des „Branchenwechsels“ seines Ältesten aber nicht betrübt. Denn wie sagte er noch: Die Hauptsache ist der Spaß an der Bewegung.

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