UNVERGESSEN Als Kai Schmale den VfL Wildeshausen in die Landesliga köpfte

„Das war etwas ganz Spezielles“

Pures Glück: Matchwinner Kai Schmale freute sich nach dem Abpfiff mit seiner Ehefrau Sarah. Archivfoto: Dejo

Wildeshausen - Von Sven Marquart. Pfingsten. In Wildeshausen herrscht Ausnahmezustand. Wie immer während des Gildefestes. Doch diesmal elektrisiert zusätzlich ein weiteres Großereignis die Kreisstadt. „Wenn du mir nur das Datum gesagt hättest, ich hätte keine Ahnung gehabt“, sagt jener Mann, dessen Name untrennbar mit dem 29. Mai 2015 verbunden ist. Vor exakt fünf Jahren köpfte Kai Schmale den VfL Wildeshausen im letzten Saisonspiel der Fußball-Bezirksliga gegen den SV Atlas Delmenhorst vor 4000 Zuschauern im Krandelstadion zur Meisterschaft und zum Landesliga-Aufstieg. Abgesehen vom Datum sind die Erinnerungen an diesen Freitagabend beim Matchwinner immer noch sehr präsent.

„Das war die wohl geilste Saison, die ich je gespielt habe. Die einzelnen Charaktere in der Mannschaft waren klasse. Alle waren superehrgeizig – das war etwas ganz Spezielles“, schwärmt Schmale auch heute noch. Sein VfL und Atlas hatten sich während der gesamten Spielzeit ein spannendes Duell um den Titel geliefert, mit dem packenden Finale als Krönung.

Aufgrund anhaltender Knieprobleme war Schmale in der Saison 2013/2014 für die zweite Wildeshauser Mannschaft in der Kreisliga aufgelaufen. „Ich wollte wieder richtig fit werden und Spielpraxis sammeln“, erläutert der Torjäger. Zur folgenden Serie holten ihn die VfL-Coaches Marcel Bragula und Marco Elia dann wieder in die Erste.

Vor dem Saisonauftakt sollten alle Spieler des Kaders auf einem Zettel ihr Ziel notieren. „Ich kenne das Ergebnis nicht, aber ich bin überzeugt, dass mindestens die Hälfte der Mannschaft das Gleiche aufgeschrieben hat wie ich: Meisterschaft“, erzählt Schmale. Spätestens nach dem Last-Minute-Sieg in Obenstrohe (1:0) am 26. Spieltag, war er endgültig davon überzeugt, dass die Krandel-Kicker ihr Vorhaben auch in die Tat umsetzen würden.

Um die alles entscheidende Begegnung entwickelte sich ein riesiger Hype. Die 4000 Eintrittskarten waren binnen zwei Tagen vergriffen. Nie zuvor hatte ein Siebtligaspiel in Deutschland mehr Zuschauer angezogen. Einige der regulär 3,50 Euro kostenden Tickets wurden für den sechsfachen Preis im Internet gehandelt. Außerdem akkreditierten sich mehr als 40 Pressevertreter für die Partie.

Um bestmöglich vorbereitet zu sein, hielten sich die Wildeshauser beim Gildefest mit dem Feiern zurück. „Allein das zeigt unseren unbedingten Willen“, unterstreicht Schmale. Trotz der ungewohnt großen Kulisse verspürte der damals 32-Jährige keine Nervosität, sondern einfach nur „eine tierische Vorfreude“. Dabei saß der Angreifer mit der Trikotnummer 15 beim Anpfiff zunächst nur auf der Ersatzbank. „Es war schon Tage vorher klar, dass ich nicht von Anfang an spielen würde, weil unsere schnellen Leute vorne Nadelstiche setzen sollten – ich hätte nicht anders aufgestellt“, erklärt Schmale. Trotzdem habe er sich an der Seitenlinie „aufgeregt-hilflos“ gefühlt: „Es war schlimm, nichts machen zu können.“

Die erste Halbzeit verlief relativ ereignisarm und endete torlos. „Uns war klar, dass Atlas nach der Pause Gas geben würde“, sagt Schmale. Denn die Gäste, die einen Punkt weniger auf dem Konto hatten als die Wittekind-Crew, mussten unbedingt gewinnen. Und tatsächlich zirkelte Musa Karli einen Freistoß zum 1:0 für Atlas ins Tor (74.). Schon währendessen hatten Kai Schmale und Kai Meyer zur Einwechslung bereit gestanden.

Schmale ersetzte Ole Lehmkuhl. Und der Joker stach: In der 80. Minute bekamen die Gastgeber einen Eckstoß von der linken Seite. Mittelfeldmotor Storven Bockhorn zirkelte den Ball an den Fünfmeterraum. „Die Variante haben wir im Training einstudiert. Sie hat bei 1000 Versuchen aber nur zwei- oder dreimal funktioniert“, schildert Schmale. Diesmal klappte sie perfekt: „Als ich den Ball mit dem Kopf erwischt hatte, wusste ich: Der könnte passen.“ Und wie der passte! Der Krandel bebte. Alle VfL-Anhänger waren im kollektiven Glücksrausch. „Ich habe später Videos gesehen, wie die Leute durchgedreht sind – sensationell!“, ist der in Fußballerkreisen nur „Schmedes“ genannte Torschütze beeindruckt.

Mit letztem Einsatz verteidigte der VfL Wildeshausen das 1:1, und als Schiedsrichter Henrik Bramlage abpfiff, gab es nur noch rot-weiße Glückseligkeit. „Ich fand es aber auch cool, wie Atlas damit umgegangen ist. Sie haben sich als sehr, sehr gute Verlierer präsentiert“, lobt Schmale den Rivalen. Der Torjäger und seine Teamkollegen feierten im Vereinsheim und in der Gaststätte Peter Sander. „Ich bin im Hellen nach Hause, aber ich war nicht der Letzte“, sagt Schmale. Auf Einladung der Schützengilde durften die frischgekürten Meister am Folgetag im Umzug zum Kinderschützenfest mitmarschieren.

Es war der perfekte Abschied vom Leistungsfußball, denn bereits vor dem Bezirksliga-Finale hatte Schmale angekündigt, sich aus der ersten Herren zurückziehen zu wollen. Seitdem spielt der inzwischen 37-Jährige mit dem dritten Wildeshauser Team in der 3. Kreisklasse. Allerdings wurde Schmale rückfällig, wenn auch nur kurz: Gegen Ende der Serie 2015/2016 reaktivierte Bragula seinen Aufstiegshelden. Im (letztlich erfolgreichen) Abstiegskampf kam Schmale zu drei Kurzeinsätzen. „Einmal war ich sogar Innenverteidiger – allein dafür hat es sich gelohnt, in der Landesliga zu spielen“, meint der Vollblutstürmer schmunzelnd.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

So funktioniert das Indoor-Surfen

So funktioniert das Indoor-Surfen

Alltagsmasken und die Materialfrage

Alltagsmasken und die Materialfrage

Eistee eiskalt selbst gemacht

Eistee eiskalt selbst gemacht

Dinosaurier auf Zukunftskurs: Der Ford Explorer im Test

Dinosaurier auf Zukunftskurs: Der Ford Explorer im Test

Meistgelesene Artikel

Eze: Aus Chicago zum FC Hude

Eze: Aus Chicago zum FC Hude

Schindler setzt auf Bordmittel

Schindler setzt auf Bordmittel

Brinker will Landesliga splitten

Brinker will Landesliga splitten

Für Seibel schließt sich der Kreis

Für Seibel schließt sich der Kreis

Kommentare