Simon Kolhoff aus Wildeshausen absolvierte Freiwilligendienst in Peru / „Ich wollte etwas zurückgeben“

Eigener Fußballplatz für das Kinderdorf

+
Auch in Peru gilt Fußball als Volkssport Nummer eins.

Wildeshausen - Von Simon BokernEin Jahr lang war Simon Kolhoff in Peru, leistete dort in einem Kinderdorf in Cieneguilla – eineinhalb Autostunden von Lima entfernt – seinen Zivildienst. Eine Herausforderung für den 21-jährigen Wildeshauser, denn Peru gehört trotz seiner reichhaltigen Bodenschätze zu den armen Ländern Lateinamerikas: Etwa 54 Prozent der Peruaner leben am Rande des Existenzminimums, nahezu 20 Prozent in absoluter Armut.

Seit August ist der Zivildienst beendet und Simon Kolhoff zurück in seiner Heimatstadt. Doch die Rückkehr hat dem sozialen Engagement des jungen Wildeshausers kein Abbruch getan. Aktuell setzt er sich für den Bau eines Fußballplatzes für das Kinderdorf ein – ein Projekt, das Kolhoff seiner Zeit selbst initiiert hat.

Rückblende: Simon Kolhoff ist dankbar dafür, dass er in Deutschland aufwachsen konnte. Ein „Privileg“, denn sein Vater stammt aus dem afrikanischen Togo. „Ich bin mir sicher, dass meine Verwandten in Afrika nicht so ein unbeschwertes Leben führen können. Ich fühlte mich verpflichtet und wollte deshalb etwas zurückgeben“, sagt der 21-Jährige. Anstatt wie andere junge Männer eine Zivildienststelle in der Region zu suchen, fasste der Wildeshauser den Entschluss, sich im Ausland sozial zu engagieren. Bewusst habe er sich für Projekte in Lateinamerika beworben. Und so ging es im August 2010, unmittelbar nach dem Abitur, nach Cieneguilla in ein Kinderdorf des Internationalen Verbandes Westfälischer Kinderdörfer (IVWK).

Dort betreute der Wildeshauser täglich rund 100 Jungen und Mädchen in dem kleinen Dorf, half bei den Schularbeiten oder unterstützte das Lehrpersonal beim Unterrichten. Doch für die Kids ebenso wichtig wie das Lernen ist der Sport. Fußball spielt dabei

Fußball ist Volkssport

Nummer eins

eine ganz besondere Rolle.

Simon Kolhoff übernahm schnell die Leitung einer Mädchen- und Jungenfußballmannschaft. Fußball ist in Peru, wie in vielen anderen Ländern Südamerikas, Volkssport Nummer eins. Die Peruaner selbst sind fanatische Fans, Bundesliga-Legionäre wie Claudio Pizarro (Werder Bremen) oder Paolo Guerrero (Hamburger SV) wahre Volkshelden.

Kolhoff ist selbst aktiver Fußballer. Von klein auf kickte er für den VfL Wildeshausen und hielt seinem Verein bis zu seinem Auslandsaufenthalt die Treue. Zuletzt spielte er in der ersten Herren-Mannschaft. „Simon ist ein vorbildlicher Sportsmann, auf den immer Verlass war. Ein echter Defensiv-Allrounder, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Für den VfL war sein Weggang schon ein herber Verlust“, sagt Peter Görke, Co-Trainer des VfL Wildeshausen.

Aller Anfang war nun auch in Peru schwer: Zwei mal in der Woche sollte trainiert werden, etwa 30 Kinder wollten mitmachen – zu viele für den kleinen Platz, der zu dem Gelände des Kinderdorfes gehört. Grundlegende Dinge wie Bälle oder Leibchen fehlten gänzlich. Als provisorische Tore dienten Steine, Torwarthandschuhe oder gar Fußballschuhe gab es nicht.

Über das Internet berichtete der Wildeshauser von den Verhältnissen und warb um finanzielle Unterstützung aus der Heimat. Hilfe kam prompt: Der Gildeclub „La Schickeria“ verzichtete als Sieger eines Hallenfußballturniers auf sein Preisgeld und spendete dieses. Andere Kicker schlossen sich der Aktion an. Am Ende kamen 200 Euro zusammen, die Kolhoff für sein Projekt erhielt. Von dem Geld konnten in Peru sechs Fußbälle, drei Volleybälle, zwei Paar Torwarthandschuhe, Leibchen, Trainingsmaterialien sowie eine Tasche gekauft werden.

Trainiert wurden Übungen, die dem Wildeshauser aus dem VfL-Training bekannt waren: Aufwärmen, Dehnen, technische Fertigkeiten. Nicht immer stieß das Vorhaben des Trainers auf die Gegenliebe der Kinder. „Wenn es nach den Kids gegangen wäre, hätte wir wohl nur Fußball gespielt“, so der Wildeshauser. Die Disziplin der Kinder zahlte sich aber schnell aus. Auf dem „Lima-Kids-Turnier“ kamen die Jungen bis ins Viertelfinale, die Mädchenmannschaft holte sich sogar den Titel.

Doch mit dem Erreichten gab sich Simon Kolhoff nicht zufrieden – ein hauseigener Fußballplatz sollte gebaut werden. „Das Gelände, auf dem die Kids trainieren sollten, befand sich in einem schlechten Zustand. Der Platz war uneben und staubig, überall standen Bäume herum“, erzählt der 21-Jährige. 500 Euro Start-

Weiter Weg bis zur

Fertigstellung

kapital finanzierte Kolhoff aus eigener Tasche. Genug Geld, um Bäume umzupflanzen und die Fläche für den Sportplatz zu ebnen. Steine und Unrat wurden beseitigt, notdürftige Tore gebaut. Bis zur Fertigstellung des Bolzplatzes ist es noch ein weiter Weg. Aus diesem Grund engagiert sich Simon Kolhoff auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland weiterhin für sein Projekt. Auf dem 100. Geburtstag der Grundschule am Markt in Twistringen verkaufte er peruanisches Kunsthandwerk, das die Kinderdorf-Bewohner selbst gebastelt haben. Die Aktion brachte rund 550 Euro ein – Geld, das für Simons Projekt dringend benötigt wird.

Mittlerweile studiert der 21-Jährige an der Leuphana Universität Lüneburg Betriebswirtschaftslehre und Nachhaltigkeits-Humanwissenschaften. Eine Rückkehr in die erste Herren-Mannschaft des VfL ist daher unwahrscheinlich. „Mein Studium bindet mich an Lüneburg – zu weit, um zum Training nach Wildeshausen zu kommen“, sagt Kolhoff. Doch seinen Spielerpass will der 21-Jährige beim VfL lassen: „Ich hoffe, dass ich an den Wochenenden in der zweiten Mannschaft mitspielen kann.“

Wer mehr über das Projekt erfahren oder das Vorhaben unterstützen möchte, kann sich bei Simon Kolhoff unter der Rufnummer 04431/4162 melden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Frankreichs Regierung verteidigt Rentenpläne

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Richtungskampf beim SPD-Parteitag

Was bringt Ridepooling wirklich?

Was bringt Ridepooling wirklich?

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Streiks in Frankreich gehen in neue Runde

Meistgelesene Artikel

„Vier Punkte müssen drin sein“

„Vier Punkte müssen drin sein“

Pech bleibt Müller-Rautenberg treu

Pech bleibt Müller-Rautenberg treu

TV Brettorf strapaziert Helmut Koletzeks Nervenkostüm

TV Brettorf strapaziert Helmut Koletzeks Nervenkostüm

Andreas Müller nimmt die Favoritenrolle an

Andreas Müller nimmt die Favoritenrolle an

Kommentare