„Eigene Fußabdrücke platzieren“

Sven Flachsenberger freut sich auf seine neue Aufgabe beim VfL Wildeshausen

Sven Flachsenberger gibt an der Seitenlinie Anweisungen.
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Perspektivwechsel: Frauencoach Sven Flachsenberger wird Co-Trainer der ersten Herrenmannschaft.

Wildeshausen – Als kurz vor Weihnachten der Anruf kam, vermutete Sven Flachsenberger zunächst einen Scherz. Zweifellos besitzt Marcel Bragula einen guten Humor. Doch der Coach des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen meinte es ernst, als er dem 32-Jährigen zur kommenden Saison den Posten des Co-Trainers anbot und Flachsenberger damit „über die Feiertage ein paar schlaflose Nächte“ bescherte, bevor der schließlich zugriff. „Diese Chance hätte ich so schnell nicht wieder bekommen“, sagt Flachsenberger.

Dass ihm die „emotionale Entscheidung“ trotzdem nicht leicht fiel, liegt an seiner bisherigen Aufgabe. Seit 2015 trainiert der Großenkneter mit viel Herzblut die Wildeshauser Frauen. Gleich in der ersten Saison führte Flachsenberger die Krandel-Kickerinnen zum Double aus Kreisliga-Meisterschaft und Kreispokalsieg. In den folgenden Jahren etablierte er seine Crew in der Bezirksliga. Den Erfolg will der Übungsleiter aber nicht nur an den Ergebnissen messen. „Als ich angefangen bin, hatten wir gerade so viele Spielerinnen, dass wir eine Elfermannschaft melden konnten. Jetzt haben wir zwei Teams jeweils mit 24er-Kadern“, verweist Flachsenberger auf den regen Zulauf.

Dass er gute Arbeit abliefert, ist im Verein registriert worden. „Durch das, was Sven bei den Damen geleistet hat, hat er sich in den Fokus gebracht“, bestätigt VfL-Fußballabteilungsleiter Hartmut Schwolow.

Der neue Posten ist für Flachsenberger nicht nur „eine Art Weihnachtsgeschenk“, sondern auch „ein Zeichen von hoher Wertschätzung“. Schließlich hat der gebürtige Vareler, der beim TuS Obenstrohe das Fußballeinmaleins lernte, bislang keine Trainererfahrung im Herrenbereich. Dennoch hat sich Bragula seinen künftigen Kompagnon ganz gezielt ausgesucht. „Es war mein ausdrücklicher Wunsch, einen Co-Trainer aus dem Verein zu bekommen, denn wir müssen nicht nur Spieler, sondern auch Trainer fördern“, betont der 47-Jährige. Das gelte auch für die A-Junioren-Coaches Selcuk Keyik und Kai Schmale, die im Sommer die U 23 übernehmen werden. „Ich schätze Sven. Er ist eher der ruhige Typ, ich bin emotional. Wir werden uns gut ergänzen“, sagt Bragula. Davon ist auch Flachsenberger überzeugt, der aktuell an seiner B-Lizenz schraubt und im März die Prüfung ablegen wird. „Marcel und ich sind ähnlich fußballverrückt und denken beide offensiv.“

„Flachsi“ wird nach den A-Lizenzinhabern Marco Elia (2014 bis 2016) und Sven Apostel (2016 bis 2018) sowie Patrick Meyer (seit 2018) Bragulas vierter Co-Trainer sein, seitdem dieser am 1. Juli 2014 die erste Wildeshauser Herrenmannschaft übernommen hat. „Marco und Sven sind fachlich überragend, und auch ,Paddy‘ ist ein mega Trainer“, lobt Flachsenberger seine Vorgänger. „Trotzdem will ich mich nicht in ihrem Schatten bewegen, sondern eigene Fußabdrücke platzieren, auch wenn das eine große Herausforderung ist“, meint er selbstbewusst. Dass er Führungsqualitäten hat, beweist Flachsenberger in seinem Beruf als Teamleiter der Ersatzteillogistik bei einem Cloppenburger Fahrradhersteller.

Auch nach dem Wechsel zu den Männern will sich Flachsenberger treu bleiben. „Wenn du dich verstellen musst, bist du als Trainer nicht mehr authentisch“, sagt er. Wichtig ist ihm, dass das Frauenteam in gute Hände kommt. „Ich habe mit den Mädels einiges erreicht und erlebt und bin ihnen dankbar, dass sie immer so gut mitgezogen haben“, erklärt Flachsenberger.

Steigt aus: Patrick Meyer beendet seine Tätigkeit beim VfL Wildeshausen am Saisonende.

Wenn an diesem Donnerstag die Landesliga-Mannschaft im Ahlhorner LaOla in die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte startet, wird noch Patrick Meyer an der Seite von Marcel Bragula sein. Dass am Ende der Spielzeit für ihn in der Kreisstadt Schluss sein wird, habe bereits im Herbst festgestanden, auch wenn ihm die Entscheidung, den VfL Wildeshausen zu verlassen, „nicht ganz leicht gefallen ist“, berichtet Meyer.

Als frischgebackener Anteilseigner will sich der 32-Jährige künftig verstärkt in der Superkicker-Fußballschule engagieren, was sich nicht mit der Tätigkeit als Co-Trainer bei einem Sechstligisten in Einklang bringen lasse. Außerdem kann sich der Grundschullehrer so intensiver um seinen neun Monate alten Sohn Eddie kümmern. „Das ist eine echt coole Chance, die es mir ermöglicht, viel Zeit mit der Familie zu haben und trotzdem im Fußball weiterzumachen“, erläutert der Wüstinger. Lediglich der Wettkampfcharakter werde ihm fehlen. Als Ausgleich, „um die überschüssige Energie loszuwerden“, hat Meyer während der Coronazeit Tennis für sich entdeckt.

„Ich wäre auch zu keinem anderen Verein gegangen“, unterstreicht Meyer seine Verbundenheit mit dem VfL Wildeshausen. „Ich bin ,Paddy‘ total dankbar. Taktisch ist er mir sogar eine Nasenlänge voraus“, sagt Bragula. Bis zu Meyers Abschied im Sommer will sich Flachsenberger „noch einige Tipps von ihm holen“.

 VfL Wildeshausen droht Verlust von Marco Nakelski und Jan Stubbmann

An diesem Donnerstag startet Landesligist VfL Wildeshausen mit der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Vor dem Trainingsauftakt ereilte Marcel Bragula eine Hiobsbotschaft. „Marco Nakelski wird unter Umständen nie wieder Fußball spielen – es sieht schlecht aus“, berichtet der VfL-Coach. Mittelfeldmann Nakelski, im Sommer vom Ligarivalen SC BW Papenburg gekommen und seither absolute Stammkraft im Zentrum, muss wegen eines Leistenbruchs operiert werden. Den Eingriff nach seinem Sprunggelenkbruch hat Kapitän Marius Krumland bereits hinter sich. „Allerdings hat Marius erst am Mittwoch die Krücken weggelegt“, plant Bragula bis auf Weiteres ohne seinen Abwehrchef. Angreifer Maximilian Seidel (Bragula: „,Maxi‘ kann nicht laufen“) ist ebenfalls nicht einsatzfähig. Sein Offensivkollege Jan Stubbmann, vor der Saison vom TSV Ottersberg in den Krandel gewechselt, hat zu Jahresbeginn eine neue Arbeitsstelle angetreten. „Es kann sein, dass ,Stubbi‘ ganz bei uns aussteigt“, erläutert Bragula. Defensivmann Mattes Hehr hat seinen Außenbandriss zwar auskuriert, wird im Rahmen seiner Ausbildung zum Fluglotsen aber künftig vermehrt Wochenenddienste schieben müssen und dadurch Spiele verpassen. „Die Probleme ziehen sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison“, ächzt Bragula. Für Timo Goldner (Innenband-, Kreuzband- und Meniskusriss) und Daniel Wollenberg (Kreuzbandriss) ist die Serie bereits gelaufen.

Um die verbleibenden Akteure für die beiden noch nicht terminierten Qualirunden-Begegnungen gegen Hansa Friesoythe und Sparta Werlte sowie die sich voraussichtlich anschließende Abstiegsrunde fit zu machen, hat Bragula sechs Testspiele und eine Turnierteilnahme vereinbart. Jeweils auswärts geht es gegen den Bremen-Ligisten Bremer SV (Dienstag, 25. Januar, 19 Uhr), den Oberligisten VfL Oldenburg (Sonnabend, 29. Januar, 13 Uhr), den Kreisligisten Ahlhorner SV (Sonnabend, 5. Februar, 16 Uhr) sowie die Bezirksligisten FC Hude (Sonnabend, 19. Februar, 14 Uhr), SV Wilhelmshaven (Sonnabend, 26. Februar, 14 Uhr) und TuS Sudweyhe (Sonnabend, 5. März, 14 Uhr). Beim Blitzturnier des TuS Neuenkirchen treffen die Krandel-Kicker am Sonnabend, 12. Februar, 14 Uhr, auf den Gastgeber aus der Kreisliga Vechta. Das zweite Halbfinale bestreiten Bezirksligist SFN Vechta und Landesligist SV GW Mühlen.

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