„Die Schuhe passen noch“

Der Wildeshauser Tom Schmidt darf mit dem Fußball-Regionalligisten SV Atlas Delmenhorst wieder trainieren

Atlas-Spieler Tom Schmidt (links) im Laufduell mit Werder Bremens Marin Pudic.
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Auf Augenhöhe: Atlas Delmenhorst mit Tom Schmidt (l.) und Werder Bremen II um Marin Pudic teilten sich beim 0:0 die Punkte.

Dank einer Sondergenehmigung der Stadt Delmenhorst darf Fußball-Regionalligist SV Atlas wieder in Mannschaftsstärke trainieren. Das freut auch Mittelfeldspieler Tom Schmidt. Der gebürtige Wildeshauser gehört bei den Blau-Gelben auch nach dem Aufstieg zum Stammpersonal.

  • Mittelfeldspieler Tom Schmidt hat mit dem Fußball-Regionalligisten SV Atlas Delmenhorst vor einigen Tagen das Mannschaftstraining wieder aufgenommen.
  • Regelmäßige Coronatests sind Pflicht.
  • Die viermonatige Zwangspause hat der 22-Jährige genutzt, um sein Start-up-Unternehmen „Reternity“ weiterzuentwickeln.

Delmenhorst/Wildeshausen – Für Tom Schmidt war es fast so etwas wie ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk: Einen Tag, bevor er sein 22. Lebensjahr vollendete, durfte der Mittelfeldspieler des SV Atlas Delmenhorst erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit wieder auf den Fußballplatz. „Die Schuhe passen noch“, scherzte der gebürtige Wildeshauser nach der Einheit am Montag. Dank einer Ausnahmegenehmigung der Stadt Delmenhorst darf der Regionalligist seit vergangenem Sonnabend unter strengen Auflagen und mit regelmäßigen Coronatests wieder zum gemeinsamen Training auf den Rasen. Den Auftakt hatte Schmidt jedoch verpasst, weil er geschäftlich für sein Modelabel „Reternity“ bei einem Fotoshooting in Düsseldorf war.

Spaß und Ballgewöhnung stehen zunächst im Vordergrund

„Es macht Spaß, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen und die Jungs wiederzusehen“, strahlt Schmidt. Während der Ball in den Regionalligen West und Südwest längst wieder rollt und viele andere Nord-Viertligisten zumindest seit geraumer Zeit wieder in Teamstärke üben dürfen, hatten die Blau-Gelben seit Oktober kein Grün mehr unter den Sohlen. „Der erste Ball ging dann auch weit neben das Ziel“, sagt Schmidt und lacht. Insgesamt hat Atlas-Coach Key Riebau für diese Woche vier Einheiten auf der Anlage des Delmenhorster TB angesetzt. „Um uns wieder an den Ball zu gewöhnen, machen wir viele Passstafetten. Der Spaß steht im Vordergrund. Aber sobald es einen Termin gibt, ab wann wieder gespielt wird, wird das sicher schnell anders“, berichtet Schmidt.

Rückblende: In der pandemiebedingt abgebrochenen Saison 2019/2020 war Atlas Oberliga-Vizemeister geworden. Schmidt absolvierte 18 von 23 Spielen und steuerte fünf Treffer zum Aufstieg in die Regionalliga bei. Hinzu kam das DFB-Pokal-Highlight gegen Werder Bremen im ausverkauften Weserstadion. Beim 1:6 hatte Schmidt das Ehrentor für den Niedersachsenpokalsieger erzielt und sprach hinterher vom „Spiel meines Lebens“.

Atlas ist konkurrenzfähig, wartet aber immer noch auf den ersten Sieg

Auch in der Südstaffel der nun zweigeteilten Regionalliga Nord gehört Schmidt zum Stammpersonal, bestritt fünf der sieben Partien, drei davon mit der Startelf. „In der Regionalliga ist der Druck nochmal ganz anders. Die individuelle Qualität und das Tempo sind höher. Auch im Training geht es intensiver zur Sache“, erzählt Schmidt. „Trotzdem können wir mithalten“, ist er überzeugt. Mithalten ja, allerdings wartet Atlas immer noch auf den ersten Sieg. „Wir haben in vielen Spielen Pech gehabt“, erinnert sich Schmidt. Auch deshalb hat der Neuling bislang erst zwei Punkte auf der Habenseite. Den ersten Zähler holten die Delmenhorster bei Werder Bremen II (0:0), den zweiten gegen den BSV Rehden (1:1). Atlas’ Ausgleich vor 800 Zuschauern im Stadion an der Düsternortstraße besorgte Schmidt per Abstauber. „Ein geiles Gefühl! Wenn man viel investiert, wird man irgendwann belohnt“, findet der Torschütze.

Es folgten bittere Niederlagen bei Mitaufsteiger VfV Borussia 06 Hildesheim (2:3) und gegen den HSC Hannover (0:2). Nach dem 0:1 beim FC Oberneuland mit einem 90-Minuten-Einsatz von Schmidt als Rechtsaußen wurde der Spielbetrieb eingestellt. Seitdem bat Riebau seine Crew zweimal pro Woche zum Online-Training. Außerdem mussten die Spieler wöchentlich zwei Acht-Kilometer-Läufe absolvieren. „Wir haben eine solide Grundfitness. Aber Fußball spielen ist noch mal was ganz anderes. 90 Minuten würde keiner von uns gesund überstehen. Wir brauchen mindestens vier bis sechs Wochen, um wieder auf ein vernünftiges Leistungsniveau zu kommen“, glaubt Schmidt.

Gründer und Geschäftsführer Schmidt peilt siebenstelligen Umsatz an

Die mehr als viermonatige Zwangspause hatte für den 1,83 Meter großen Mittelfeldmann aber auch etwas Positives. In der Zwischenzeit konnte er sich verstärkt um sein Start-up kümmern, das er 2018 zusammen mit seinem Kumpel Lauren Riedel, dem Ex-Torhüter des Landesligisten VfL Wildeshausen, gegründet hatte. Zum Unternehmen, das aktuell sieben Beschäftigte hat, zählt nun auch noch eine Online-Marketing-Agentur. „Wir wollen einen siebenstelligen Umsatz erreichen“, sagt Schmidt, der mittlerweile in Oldenburg wohnt. Dort ist auch der Firmensitz. Bei der Volksbank Oldenburg Land, wo er seine Lehre zum Bankkaufmann abgeschlossen hatte, arbeitet er nur noch in Teilzeit. Ende März ist im Kreditinstitut ganz für ihn Schluss, so dass er sich voll auf „Reternity“ konzentrieren kann. „Da ist es schön, mit Fußball einen Ausgleich zu haben“, sagt Schmidt.

Allerdings ist noch immer nicht klar, wann und wie es in der Regionalliga Nord weitergeht. Der Norddeutsche Fußball-Verband will sich in den kommenden Tagen mit den Vereinen beraten, ob der Plan, die Hinserie in den Staffeln zu beenden und dann die Meister- und Abstiegsrunde auszutragen, noch realistisch ist. Atlas muss noch drei Hinrundenspiele absolvieren. Gegner sind der VfB Oldenburg, der SSV Jeddeloh und der VfL Wolfsburg II. Für die Partien gibt es noch keine Termine. „Das steht noch in den Sternen. Ich bin gespannt, wann die Info kommt“, sagt Schmidt. Für ihn ist aber fraglich, ob die Saison überhaupt fortgesetzt wird: „Wir wissen doch alle, dass es schnell vorbei sein kann, wenn es in einer Mannschaft Coronafälle gibt oder ein Bundesland die Beschränkungen anzieht.“

Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel

Sollte die Serie jedoch sportlich zu Ende gebracht werden, weiß Schmidt, worum es geht. „Der Klassenerhalt ist das oberste Ziel! Wir müssen schnellstmöglich zusammenfinden und unser Potenzial auf dem Platz abrufen. Wenn wir das Glück erzwingen, werden wir die nötigen Punkte holen“, unterstreicht der 22-Jährige. Die Ausgangslage sei nicht perfekt. Allerdings würden die Karten neu gemischt.

Apropos Karten: Vertragspoker steht für Tom Schmidt in diesem Jahr nicht an. Der Kontrakt des laufstarken Akteurs, der beim VfL Wildeshausen mit dem Kicken begann und 2018 vom BV Cloppenburg nach Delmenhorst wechselte, läuft noch bis zum 30. Juni 2022. Außerdem verschwendet Schmidt, dessen Marktwert vom Branchenportal „Transfermarkt.de“ auf 50 000 Euro taxiert wird, keinen Gedanken daran, Atlas zu verlassen. „Wenn ich Fußball spiele, dann nur für Atlas. Ich bin ein ehrgeiziger Typ und habe den Anspruch, Leistung zu bringen und Erfolg mit der Mannschaft zu haben. Außerdem ist der ganze Verein besonders, mit seiner Historie und dem Clubleben. Die Trainer sind super, das Team ist geil, und die Fans sind überragend – das feiere ich total!“, schwärmt Schmidt.

Prießner und Plendiskis vorerst raus

Atlas-Coach Key Riebau muss in den kommenden Wochen auf Angreifer Marco Prießner (28) und Innenverteidiger Karlis Plendiskis (26) verzichten. Prießner ist beruflich stark eingespannt. Deshalb haben Torjäger und Verein ihren Vertrag einvernehmlich auf Eis gelegt. Plendiskis absolviert im Rahmen seines Studiums bis Ende April ein Auslandssemester in Finnland. Ganz weg sind Innenverteidiger Kostadin Velkov (zurück nach Bulgarien), Torhüter Malte Seemann (Bremer SV) und Offensivmann Marvin Osei (Brinkumer SV). Ihren Verlust hat das Schlusslicht der Südstaffel mit Keeper Rico Sygo (Austria Klagenfurt), Innenverteidiger Kristian Taag (TuS RW Koblenz) und Linksaußen Mattia Trianni (zuletzt vereinslos, davor SV Babelsberg 03) kompensiert.

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