Die Leiden des Lieblingsschülers

Steven Müller-Rautenberg war beim Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen bisher vom Verletzungspech verfolgt

Steven Müller-Rautenberg (links) vom Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen holt mit dem rechten Bein zum Volleyschuss aus.
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Voll fokussiert: Steven Müller-Rautenberg (l.) möchte endlich seinen ersten Treffer für den Landesligisten VfL Wildeshausen erzielen und nicht immer nur in der Reha an seinem Comeback arbeiten.

Steven Müller-Rautenberg wechselte im August 2019 vom damaligen Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst zum VfL Wildeshausen. Seitdem absolvierte der Flügelstürmer aber nur sieben Landesliga-Einsätze, weil er immer wieder verletzt war.

  • Seit seinem Wechsel zum VfL Wildeshausen im August 2019 war Steven Müller-Rautenberg bereits dreimal schwerer verletzt.
  • Der Flügelstürmer hat noch keinen Treffer erzielt und kommt bisher lediglich auf sieben Landesliga-Einsätze, dafür aber auf zwei doppelte Außenbandrisse und eine Entzündung des Schienbeinkopfes.
  • Nun ist der 27-Jährige wieder fit und brennt auf sein Comeback.

Wildeshausen – Am Nikolaustag hat die Fußballabteilung des VfL Oldenburg ein Video auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Der gut zwölf Minuten lange Clip ist mit den Worten „Nette Erinnerung an ein legendäres Spiel!“ überschrieben. Inzwischen wurde er mehr als 4000-mal angeklickt. Die Aufzeichnung zeigt einen Zusammenschnitt des Relegationsrückspiels zwischen den Oldenburger A-Junioren und Carl Zeiss Jena vor 1000 Zuschauern auf dem altehrwürdigen Ernst-Abbe-Sportfeld. Nach dem 2:2 im Hinspiel qualifizierten sich die Huntestädter durch ihren 2:1 (1:0)-Erfolg am 26. Juni 2011 für die Bundesliga.

Die Bildqualität des knapp zehn Jahre alten Streifens lässt zu wünschen übrig. Jedes Smartphone macht heute bessere Aufnahmen. Trotzdem schaffte es der unbekannte Kameramann, den Hauptdarsteller entsprechend in Szene zu setzen. Nach einem Eckstoß köpfte Steven Müller-Rautenberg das 1:0 für die Gäste (28.). Mit einem tollen Heber erzielte der VfL-Angreifer schließlich auch den 2:1-Siegtreffer (58.), nachdem Oliver Rauh (heute SV Atlas Delmenhorst) gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit ein Eigentor zum 1:1 unterlaufen war (49.). „Das war schon cool!“, erinnert sich Steven Müller-Rautenberg. Da Oldenburgs Matchwinner damals dem jüngeren A-Junioren-Jahrgang angehörte, kam er anschließend in den Genuss, selbst eine Saison in der Bundesliga spielen zu dürfen. „Damit hat sich ein Traum für mich erfüllt. Und ich habe uns hochgeschossen“, schwärmt der gelernte Rechtsaußen. Bei 23 Einsätzen in der höchsten deutschen Nachwuchsspielklasse gelangen ihm acht Treffer.

Bisher kaum Akzente gesetzt

Inzwischen ist Steven Müller-Rautenberg längst ein gestandener Herrenspieler. Nach seinen Anfängen beim FSV Warfleth und der Jugendzeit beim VfL Oldenburg folgten Stationen beim VfB Oldenburg, VfL Oldenburg und SV Atlas Delmenhorst. Seit August 2019 läuft der gebürtige Nordbremer für den VfL Wildeshausen auf. Doch anders als damals in Jena konnte sich der 27-Jährige beim Landesligisten bislang nicht in den Vordergrund spielen. Stattdessen machte der 1,86 Meter große Flügelstürmer durch sein schier unglaubliches Verletzungspech von sich reden.

Gleich bei seiner Premiere im Krandel erlitt Müller-Rautenberg während des 3:1-Erfolgs über Mitaufsteiger Union Lohne einen doppelten Außenbandriss im rechten Sprunggelenk. Die identische Verletzung hatte er sich in seiner Laufbahn zuvor schon zweimal zugezogen. Gerade erst wieder fit, folgte bereits im November 2019 beim 0:1 gegen den BV Essen Außenbandriss Nummer vier. Wieder doppelt, wieder im rechten Fuß. Unfassbar! Dadurch absolvierte „Stevo“ in der coronabedingt abgebrochenen Saison 2019/2020 lediglich sieben von 16 möglichen Landesliga-Partien. „Das war natürlich nicht das, was ich mir erhofft hatte“, gibt Müller-Rautenberg zu.

In dieser Saison noch ohne Landesliga-Minute

In der aktuellen Serie, die momentan auf Eis liegt, sollte alles besser werden. Tatsächlich weist die Statistik für Müller-Rautenberg bislang aber keine einzige Landesliga-Minute aus. Lediglich ein 24-minütiger Pokaleinsatz steht für ihn zu Buche. Beim 4:0 gegen den TV Dötlingen musste der „Dauerpatient“ nach einem Pressschlag mit Verdacht auf Innenbandriss im linken Knie vom Feld. „Ich kann darüber eigentlich nur noch lachen“, flüchtete sich Müller-Rautenberg nach der Partie in Galgenhumor.

Zwar brachte eine MRT-Untersuchung leichte Entwarnung, die diagnostizierte Entzündung des Schienbeinkopfes bereitete ihm aber trotzdem so starke Schmerzen, dass bis zur Aussetzung des Spielbetriebs Mitte Oktober nicht an ein Comeback zu denken war. „Es nervt, immer wieder von Neuem anzufangen“, gesteht Müller-Rautenberg.

Warten aufs erste Tor im Wildeshauser Trikot

Nun, ein Vierteljahr später, soll seine Leidenszeit aber vorüber sein. „Ich spiele ab und zu Tennis. Das funktioniert ganz gut. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass ich gleich richtig einsteigen kann, wenn es wieder losgeht“, sehnt der Blondschopf die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs herbei. „Ich will mich einbringen und im Training beweisen“, unterstreicht er. Außerdem wartet er immer noch auf seinen ersten Treffer für den VfL Wildeshausen. „Daran werde ich nach dem Lockdown arbeiten“, kündigt Müller-Rautenberg an. Obwohl er eher einer sei, „der das Spiel aufbaut, vorbereitet und lieber nochmal querlegt“, werden Stürmer letztlich doch an Toren gemessen.

„Über ,Stevos‘ fußballerische Qualitäten müssen wir nicht diskutieren. Leider ziehen sich die Verletzungen wie ein roter Faden durch seine Karriere. Wäre das nicht gewesen, würde er jetzt sicher ein, zwei Ligen höher spielen“, meint VfL-Coach Marcel Bragula. Auch die Umsetzung seines Planes, den Offensivmann als Fixpunkt im zentralen Mittelfeld zu installieren, musste bislang warten. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben.

Schon für die nächste Spielzeit zugesagt

Denn sehr zu Bragulas Freude hat Müller-Rautenberg bereits für die kommende Spielzeit zugesagt. „Ich fühle mich beim VfL Wildeshausen sehr gut aufgehoben. Wir haben ein tolles Team und versuchen bei allem Spaß, trotzdem Leistung zu zeigen und Ziele zu erreichen“, lobt Müller-Rautenberg Trainer und Mitspieler. Wäre dem nicht so, würde er den vergleichsweise großen Aufwand wahrscheinlich nicht auf sich nehmen: Von seinem Wohnort Berne-Ganspe in der Wesermarsch benötigt er stets gut 30 Minuten bis nach Wildeshausen. Trainiert wird beim VfL normalerweise dreimal pro Woche. „,Stevo‘ ist der typische Lieblingsschüler: immer dabei, immer pünktlich, immer engagiert“, sagt Bragula.

Abgesehen von seinen fußballerischen Fähigkeiten („Technisch stark, gute Physis“) sei der Mann mit der Rückennummer neun bodenständig „und ein absolut feiner Kerl“ noch dazu, findet der Trainer. Darüber hinaus lebe Müller-Rautenberg für den Sport. „Er ist bei uns der Spieler, der am meisten für den Fußball investiert. Er trinkt keinen Alkohol und lebt absolut diszipliniert“, verrät der B-Lizenzinhaber. Die Sache hat jedoch einen ernsten Hintergrund: „Als ich 16 war, wurde festgestellt, dass ich nur eine Niere habe“, erzählt Müller-Rautenberg. In seinem Beruf als Kundenberater einer Krankenkasse kommt der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte immer wieder mit Dialysepatienten in Kontakt. Daher weiß er: „Ich will auf keinen Fall selbst an die Dialyse!“

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