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Rassismus-Eklat in der Kreisliga: TV Jahn verlässt geschlossen den Platz

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Von: Sven Marquart

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 Jahn-Coach Arend Arends verfolgt das Spielgeschehen.
„Ich bin gespannt, wie der Fußballkreis reagiert“: Jahn-Coach Arend Arends war nach dem Spielabbruch schockiert und entsetzt. © Archivfoto: Günther Richter

Landkreis – Ein mutmaßlicher Fall von Rassismus hat den 24. Spieltag der Fußball-Kreisliga überschattet. Nachdem ihr Teamkollege Alioune Badara Youm von einem Zuschauer rassistisch beleidigt worden sein soll, verließ die Mannschaft des TV Jahn Delmenhorst am Freitagabend geschlossen den Platz und weigerte sich, das Heimspiel gegen den VfL Stenum II fortzusetzen. Daraufhin brach Schiedsrichter Kevin Stoyke (TV Munderloh) die Begegnung beim Stand von 2:4 (1:3) nach etwa 75 Minuten ab. Der verdächtige Zuschauer, der beim Stenumer Anhang gestanden haben soll, wurde der Anlage verwiesen. Über die Wertung der Partie muss jetzt das Sportgericht des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst entscheiden.

„Ich war schockiert, als ich davon gehört habe. Dass sowas in der heutigen Zeit immer noch möglich ist, finde ich armselig“, ärgert sich Arend Arends. Der Jahn-Coach, der coronabedingt selbst nicht dabei war, zeigte sich auch zwei Tage später entsetzt. Zumal es „leider nicht der erste Fall dieser Art“ gewesen sei. Youm sei im Saisonverlauf bereits mehrfach rassistisch beleidigt worden. Wie ihm sein Co-Trainer Tobias Stützer berichtet habe, handele es sich diesmal um „genau den gleichen Typen, der schon beim Hinspiel Affenlaute gemacht hat“, erzählt Arends. Youm habe nach dem Vorfall völlig fertig in der Kabine gesessen und sei am Boden zerstört gewesen.

Bereits vorher habe der Angreifer mit dem Fußball spielen aufhören wollen, sagt Arends: „Er kam zu mir und fragte: ,Coach, warum werde ich wegen meiner Hautfarbe nicht gemocht?‘“ Arends konnte den 32-Jährigen schließlich davon überzeugen, weiterzumachen. Mannschaftsintern vereinbarte der Tabellenvierte daraufhin, geschlossen das Spielfeld zu verlassen, wenn so etwas noch einmal vorkommen sollte. Dieser Fall trat nun ein. „Das war genau die richtige Reaktion – die Jungs haben ein Zeichen gesetzt“, unterstreicht Arends.

Gleiches fordert der Ex-Wildeshauser auch von den Funktionären. „Der Fußballkreis muss dem einen klaren Riegel vorschieben“, verlangt Arends. Wie die Sanktionen aussehen könnten, vermag er nicht zu sagen. Der VfL Stenum II habe sich hinterher bei seinem Team entschuldigt. „Willst du die Mannschaft bestrafen für einen Idioten, der draußen steht und was reinruft?“

Sicher ist, dass sich das Sportgericht unter Vorsitz von Torsten Dreesmann mit dem Fall beschäftigen wird. Das bestätigte Staffelleiter Thomas Luthardt auf Nachfrage. Genaueres konnte der Kreisspielausschussvorsitzende Sonntagmittag nicht sagen, da ihm der Schiedsrichterbericht noch nicht vorlag: „Erstmal muss ich sehen, was da drinsteht.“

Derweil stand Arends noch ein wichtiges Gespräch bevor. „Ich muss unbedingt mit Youm telefonieren, ob er Dienstag dabei ist. Ich kann mir vorstellen, dass er jetzt gar nicht mehr spielen will“ , meinte der Jahn-Coach mit Blick auf das Kreispokal-Viertelfinale gegen seinen Ex-Club VfL Wildeshausen II (12. April, 19.30 Uhr).

FC Huntlosen – FC Hude II 2:0 (1:0): Durch den Sieg verbesserte sich der FC Huntlosen auf den elften Tabellenplatz. Kein Wunder also, dass Trainer Jan Schindler hinterher „absolut zufrieden“ war. Erstmals in dieser Saison hatte er die identische Startelf aufbieten können wie in der Partie zuvor. Allerdings war zunächst die Huder Bezirksliga-Reserve am Drücker. „Da hatten wir auch etwas Glück“, bekannte Schindler mit Blick auf einen Lattentreffer der Gäste (10.). Doch nach und nach übernahm Huntlosen das Kommando. Einen Eckstoß von Malte Bolling köpfte Sebastian Merz zum 1:0 ein (32.). „Wenn wir etwas genauer spielen, können wir zur Pause auch höher führen“, meinte Schindler. Doch so verpufften die Chancen von Stefan Merz, Tom Kunst und Kai Harberts. Zu Beginn des zweiten Abschnitts scheiterte Maik Gramberg an Hudes Schlussmann Christopher Schnake (50.). Auch Harberts, Stefan Merz und der eingewechselte Kolja Schrinner konnten den Ball anschließend nicht im Tor unterbringen. Das 2:0 erzielte schließlich Leon Fenslage, der von der Mittellinie allein auf Schnake zusteuerte und für die Entscheidung sorgte (90.+2). „Der Sieg ist verdient. Wir bewegen uns in die richtige Richtung“, erklärte Schindler.

SV Achternmeer – TV Dötlingen 2:1 (2:0): Mit ihren Treffern stellten Leon Kropp (8.) und Tim von Seggern (10.) für den SV Achternmeer früh die Weichen auf Sieg. Für die Gäste reichte es in Abwesenheit ihres privat verhinderten Trainers Markus Welz lediglich zum 1:2 durch Andre Strudthoff (50.).

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