„Die Austritte häufen sich“

1700 Mitglieder weniger: Vereine und Kreissportbund fordern Perspektive

Der KSB-Vorsitzende Jörg Skatulla spricht in ein Handmikrofon.
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Der KSB-Vorsitzende Jörg Skatulla ist alarmiert: Die Sportvereine im Landkreis Oldenburg melden 45 300 Mitglieder – 1700 weniger als im Vorjahr.

Landkreis – Die Mitgliederzahlen im Vereinssport sinken: Die aktuelle Bestandserhebung durch den Landessportbund (LSB) Niedersachsen weist auch für den Landkreis Oldenburg einen Rückgang aus. Zum Stichtag 1. Januar 2021 meldeten die Landkreisvereine knapp 45 300 Mitglieder – und somit 1700 weniger als noch im Vorjahr.

„Auch wenn die 3,7 Prozent Mitgliederrückgang bei uns im Kreissportbund im Landesschnitt liegen – das sind 1700 Mitglieder zu viel“, findet Jörg Skatulla. Der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB) erinnert daran, dass in den vergangenen Jahren durch die gute ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen ein positiver Trend der Mitgliederentwicklung erreicht werden konnte. „Leider sind wir durch das Coronajahr zurückgeworfen worden“, bedauert Skatulla.

Mit Austritten oder fehlenden Neuzugängen haben alle Vereine zu kämpfen – egal ob Einspartenverein, Mehrspartenverein oder Großverein. Die Clubs sind unterschiedlich stark betroffen, einige aber ganz besonders. Das ergibt sich aus einer Auswertung der Daten der Bestandserhebung durch den KSB. Demnach verteilt sich allein die Hälfte des Mitgliederrückgangs auf nur sieben der mehr als 150 Vereine im Landkreis.

Um ein Stimmungsbild innerhalb der Vereine zu erhalten, haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KSB-Geschäftsstelle vermehrt Gespräche mit Vereinsverantwortlichen geführt. „Unser Ziel war und ist es, die Mitgliedsvereine zu unterstützen. Deshalb ist uns gerade in der aktuellen Zeit der Kontakt unheimlich wichtig“, erklärt Inga Marbach, Sportreferentin der Sportregion Delmenhorst/Oldenburg-Land. Dabei sei unter anderem festgestellt worden, dass insbesondere viele Kinder aus den Vereinen ausgetreten seien – ausgerechnet dort, wo die Begeisterung für den Sport entfacht und die Grundlagen gelegt werden sollen.

Immerhin: Finanziell sehen sich viele Vereine dank ihrer Rücklagen derzeit noch nicht in einer Notlage. Allerdings handele es sich nur um eine Momentaufnahme. Je länger der Sportbetrieb fehle, desto schwieriger werde es, die Mitgliederzahlen stabil zu halten. „Die Austritte häufen sich“, sagt auch Birgit Dietrich von der Geschäftsstelle des TSV Ganderkesee. Sie fordert: „Wir brauchen eine Perspektive, um unsere Mitglieder zu halten.“

Eine solche Perspektive könnte die Öffnung der Sportanlagen für den Individualsport sein, wie sie in der Coronaverordnung unter strengen Hygienebedingungen zugelassen ist, vom Landkreis und den Kommunen derzeit aber abgelehnt wird. Nur auf vereinseigenen Anlagen ist ein Sportbetrieb unter den Hygienemaßnahmen möglich. So auch beim TV Hude, der damit gute Erfahrungen gesammelt hat, wie Sportreferent Felix Lingenau bestätigt: „Wir würden es befürworten, wenn unser Modell auch auf kommunale Hallen übertragen wird.“

Auch KSB-Chef Skatulla drängt auf eine Öffnung der kommunalen Sportanlagen. „Uns ist es wichtig, dass wir jetzt den Blick nach vorne richten und gemeinschaftlich eine Lösung für die Durchführung von eigenverantwortlichen Sportangeboten im Rahmen der jeweils geltenden Verordnungen finden“, sagt er. Dazu stehe der KSB auch im Kontakt mit dem Landkreis Oldenburg und Landrat Carsten Harings, der zugesagt hat, an einem virtuellen Austausch mit den Sportvereinen im Landkreis Oldenburg teilzunehmen.

Darüber hinaus will der KSB Landkreis Oldenburg gemeinsam mit den anderen Kreis- und Stadtsportbünden Ideen entwickeln, um mehr Menschen aller Altersstufen wieder für den Sport zu begeistern. „Die Wiederaufnahme des Sportbetriebes für alle Altersklassen und damit die Mitgliedergewinnung muss bei den anstehenden Lockerungsregelungen durch die Politik im Vordergrund stehen. Das Ziel dabei ist klar: den Sport und die Vereine, in denen er angeboten wird, in den Fokus zu rücken!“, betont Skatulla.

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