„Der Charme geht verloren“

Oldie-Landesmeisterschaften: Reformpläne des NFV stoßen im Kreis auf Kritik

Netzwerk: Die „dritte Halbzeit“ bei den Oldie-Landesmeisterschaften wird gerne genutzt, um alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.
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Netzwerk: Die „dritte Halbzeit“ bei den Oldie-Landesmeisterschaften wird gerne genutzt, um alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen.

Landkreis – Der ganz große Aufschrei ist bislang ausgeblieben. Die Reformpläne des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) für die Oldie-Landesmeisterschaften lösen im Fußballkreis Oldenburg-Land/Delmenhorst aber auch keine Begeisterung aus. Friedel Gehrke, einer der „Väter“ der niedersächsischen Seniorenmeisterschaften, hatte kürzlich Alarm geschlagen. Der Achimer befürchtet, dass die NFV-Titelkämpfe ihr ganz besonderes Flair verlieren und zu x-beliebigen Pokalturnieren verkommen.

Neben einer Reduzierung der Teilnehmerfelder plant der Verband, künftig auf Startgelder und Siegprämien zu verzichten. Außerdem soll die Teilnahme an der Players Night künftig nicht mehr verpflichtend sein. Gerade die „dritte Halbzeit“ macht für viele Oldie-Kicker den Reiz der Landesmeisterschaften aus.

Werner Bruns vom VfL Stenum hat bei den NFV-Finalrunden selbst schon „unvergessliche Momente“ erlebt. „Was Friedel Gehrke mit seinem Team auf die Beine gestellt hat, ist eine ganz tolle Sache“, schwärmt der 66-jährige Rethorner. Bei der Abendveranstaltung im Zelt oder Festsaal könnten alte Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden. „Das macht den Fußball im fortgeschrittenen Alter doch aus“, betont Bruns. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens seines Vereins hätte er die Ü 60-Endrunde 2022 gerne nach Stenum geholt. Aufgrund der Pandemie sei das Vorhaben aber „leider zum Erliegen gekommen“.

Durch eine Verkleinerung der Starterfelder, befürchten Kritiker, steige das finanzielle Risiko für den Ausrichter. „Für ein 1000-Mann-Zelt und eine fünfköpfige Band braucht man schon eine verlässliche Teilnehmerzahl“, bestätigt Erich Meenken mit Blick auf vergangene Endrunden. Geselligkeit sei wichtig, betont der Vorsitzende des Fußballkreises Oldenburg-Land/Delmenhorst. „Aber man muss gucken, ob es auch ohne Verpflichtung geht.“

Was die Dimensionen der Wettbewerbe betrifft, ist der Delmenhorster jedoch der Auffassung, dass sich „ein bisschen was ändern“ sollte. „In der Vergangenheit waren immer wieder Mannschaften vergrätzt, weil die Felder so groß waren, dass sie zwischen den Spielen vier Stunden warten mussten“, sagt Meenken. Deshalb plädiert er dafür, „die Endrunden auf ein gesundes Maß zurückzuschrauben“. Diese Ansicht hätten im übrigen auch die Vertreter der anderen NFV-Kreise während der jüngsten Beiratssitzung des Fußballbezirks Weser-Ems vertreten.

Als einziger Verein seines Kreises habe sich bislang der Harpstedter TB bei ihm zum Thema gemeldet, erzählt Meenken: „Der HTB würde alles gern so aufrechterhalten wie bisher und den Wettbewerb nicht großartig verändern.“ Bevor bei der NFV-Obleutetagung im Mai über den künftigen Modus der Oldie-Meisterschaften entschieden wird, werde der Spielausschussvorsitzende Thomas Luthardt bei den Vereinen des Kreises aber noch eine entsprechende Abfrage starten, erklärt Meenken.

Eine klare Meinung dazu hat Hannes Theile. „Wir würden eine Beibehaltung in der jetzigen Form begrüßen“, bekräftigt der Fußballabteilungsleiter des TSV Großenkneten. „Gerade die Players Night ist eine Supersache! Wenn man anfängt zu sparen, steigt das Risiko, dass kein Verein mehr bereit ist, eine Endrunde auszurichten. Außerdem gehen der Charme und das Netzwerk verloren, die über viele Jahre entstanden sind“, gibt Theile zu bedenken.

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