A-Junioren entgeht durch abgebrochene Saison Rüstzeug für Männerfußball

Das verlorene letzte Jugendjahr

Vor gut einem Monat waren sie sich einig: Da wussten Harpstedts Trainer Jörg Peuker und sein Co-Trainer Matthias Kaiser (von links), dass die Saison nicht mehr angepfiffen werden würde.
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Vor gut einem Monat waren sie sich einig: Da wussten Harpstedts Trainer Jörg Peuker und sein Co-Trainer Matthias Kaiser (von links), dass die Saison nicht mehr angepfiffen werden würde.

Harpstedt – Jörg Peuker muss nicht lange überlegen, um die besonders „Gekniffenen“ dieses verkorksten Fußball-Jahres zu benennen. „Für die Jungs aus der A-Jugend tut es mir bitterlich leid“, gesteht der Trainer des Kreisligisten Harpstedter TB: „So eine letzte Saison im Juniorenbereich ist immer unheimlich wichtig. Der Sprung vom Jugend- in den Herrenfußball ist ohnehin enorm, aber in einem weiteren Jahr wie bei unseren Jungs in der A-Jugend-Bezirksliga konnte man sich noch einiges an Qualität und Rüstzeug für unsere Kreisliga holen – in der ja doch etwas körperbetonter gespielt wird.“

  • Fußball-Kreisligist Harpstedter TB baute in den letzten Jahren viele Eigengewächse in seinen Kader ein.
  • Durch die früh abgebrochene Saison befürchtet HTB-Trainer Jörg Peuker Defizite bei den A-Jugendlichen.
  • Mindestens einen Akteur der A-Junioren will er befördern ‒ und er verrät, welchen.

In Harpstedt schaffen es viele Eigengewächse

Peuker weiß, wovon er redet, denn in den vergangenen Serien baute der A-Lizenz-Inhaber traditionell mindestens einen oder zwei Nachwuchsakteure aus den eigenen Reihen in sein Team ein. Die Liste der daraus gewonnenen, gestandenen Kreisliga-Kicker ist lang, eine Aufzählung birgt die Gefahr, hier den Rahmen zu sprengen oder einen Schlüsselspieler zu vergessen. Daher erwähnt Peuker nur den zuletzt „beförderten“ Ole Volkmer, der – sehr zur Freude des Übungsleiters – auch für die kommende Saison zugesagt hat. Und das trotz anderer Anfragen aus höheren Ligen. Doch Volkmer soll eine große Lücke schließen, die Mittelfeldregisseur Nils Klaassen durch seinen möglichen Abschied aus beruflichen Gründen hinterlassen könnte. „Es wäre ein herber Verlust für uns, aber ich traue Ole zu, dass er das spielen kann“, schätzt Peuker.

Aus der aktuellen A-Jugend der SG DHI (Dünsen-Harpstedt-Ippener) hatte er unter anderem Torhüter David Wehrenberg auf dem Zettel. Die ersten Eindrücke waren überaus positiv. „Das Dumme ist nur: Ich hatte keine Chance, ihn und seine Kollegen aus der Mannschaft noch öfter zu beobachten“, erinnert der Erstherren-Coach an den Corona-bedingten Lockdown Ende Oktober, der lückenlos in den am Mittwoch offiziell verkündeten Saisonabbruch überging.

Kaum Chancen, Talente zu beobachten

Vor allem die Phase der Rückrunde seit Mitte März fehlt dem HTB-Coach, denn in diesen oft Englischen Wochen mit einigen Nachholpartien hatte er früher schon einigen A-Junioren Spielanteile gegeben. „Da konnten wir sie dann behutsam ans Team heranführen und eruieren, ob sie es in der Ersten packen könnten. Und ob sie zur Mannschaft passen“, verdeutlicht Peuker.

Doch „vor etwa drei oder vier Wochen“, gibt der Trainer zu, „habe ich die Hoffnung komplett aufgegeben, dass wir in dieser Saison überhaupt noch mal spielen dürfen“. Der zwischenzeitliche Hoffnungsschimmer wich dem Blick für die Realität, den er bei manchen Offiziellen des Niedersächsischen Fußballverbands in Barsinghausen vermisste: „Nach einer so langen Zwangspause von mehr als fünf Monaten wäre es grob fahrlässig gegenüber der Gesundheit der Spieler gewesen, nur zwei Wochen Vorbereitung zuzulassen, um dann wieder loszulegen.“

Wann immer es auch wieder losgeht: Alle Mannschaften fangen quasi bei Null an. Einige werden ihr Talent natürlich nicht verloren haben, und das Stoppen des Balls müssen wir wohl auch keinem neu beibringen – trotzdem bin ich schon jetzt sehr gespannt auf die ersten Trainingseinheiten.

Jörg Peuker, Trainer des Harpstedter TB, über seine Erwartungen nach dieser langen Fußball-Zwangspause.

Anders hätte sich die Lage für ihn dargestellt, „wenn irgendwie absehbar gewesen wäre, wann wir überhaupt wieder hätten beginnen können“. Dann hätte er seinen Spielern Aufgaben in Sachen Grundlagen- und Ausdauertraining nach Hause geschickt, damit sie nicht völlig unvorbereitet ins zweiwöchige Teamtraining eingestiegen wären. Ohne einen ungefähren Zeitpunkt des Re-Starts habe dies aber keinen Zweck gehabt.

So wenig Peuker den Sinn der Annullierung bestreit – ein bisschen trauert er der verpassten Gelegenheit nach, die sich seiner Meinung nach für den Harpstedter TB in dieser Saison ergab: „Ich glaube, diesmal hätten wir eine Chance gehabt, die Kreisliga in Richtung Bezirksliga zu verlassen“, sagt er über die Qualität im Kader, die er so wohl nicht mehr halten kann: Neben Kapitän Klaassen haben auch Niklas Fortmann sowie die Brüder Magnus und Matthias Ellermann mögliche berufliche Veränderungen und damit eventuelle Abschiede aus der Region angekündigt. Auch Keeper Christoph Mädler deutete an, kürzertreten zu wollen. Ein Nachfolger aus den eigenen Reihen – wie Wehrenberg – könnte dieses Problem lösen.

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