Mannschaftskassen geplündert

Teams des VfL Wildeshausen spenden für einen Kunstrasenplatz im Krandel

Mittelfeldspieler Christoph Stolle vom Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen hat eine Geldtasche und ein Glas mit Münzen unter den Armen.
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Alles im Griff: Mittelfeldspieler Christoph Stolle wacht über die Mannschaftskasse des Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen.

Wildeshausen – Als Bankkaufmann kennt sich Christoph Stolle mit Geld aus. Deshalb war der Mittelfeldspieler die Idealbesetzung, als Lennart Flege beim Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen die Aufsicht über die Teamfinanzen abgegeben hatte. „Schon in Ganderkesee war ich für die Mannschaftskasse verantwortlich“, berichtet Stolle. Nun wacht der 25-Jährige bei den Krandel-Kickern gemeinsam mit Thorben Schütte darüber, dass seine Mitspieler ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen.

Nach knapp vier Jahren im Verein kennt Stolle seine Pappenheimer. „Ole Lehmkuhl und Maxi Seidel kommen gern mal in den falschen Klamotten“, verrät er grinsend: „Wenn sich einer nicht an den Dresscode hält, freut sich die Kasse!“ Im teaminternen Strafenkatalog sind diverse Verstöße verankert. Gezahlt werden muss bei Gelben und Roten Karten für Unsportlichkeiten. Wer beim Training seine Schienbeinschoner vergisst, wird zur Kasse gebeten. Handyklingeln während der Mannschaftsbesprechung wird ebenfalls teuer. „Das ist ein absolutes No-Go!“, bestätigt Stolle.

Da nicht nur Strafgelder in die Kasse fließen, sondern auch alle Teammitglieder einen monatlichen Grundbetrag einzahlen, kommt im Laufe der Saison ein schönes Sümmchen zusammen. „Normalerweise bezahlen wir davon Unternehmungen, um das Teamgefühl zu stärken, so dass jeder davon profitiert“, erläutert Stolle. Doch wegen der Pandemie gab es diesmal trotz prall gefüllter Kasse weder eine Mannschaftsfahrt noch Mannschaftsabende. „Aufgrund von Corona hatten wir in diesem Jahr so gut wie keine Ausgaben“, bestätigt Stolle. „Deshalb haben wir uns entschieden, das Geld für einen guten Zweck zu verwenden.“ Satte 1000 Euro spendete die Crew von Chefcoach Marcel Bragula für das vereinseigene Projekt „Viele Schultern“, das den VfL Wildeshausen dem Traum von einem Kunstrasenplatz im Krandel näher bringen soll.

Doch nicht nur das Landesliga-Team unterstützt das mit insgesamt 750 .000 Euro veranschlagte Bauvorhaben. „Auch die U 23, die dritte und vierte Herren, die erste und zweite Damen sowie die A- und B-Junioren haben jeweils einen guten Griff in ihre Mannschaftskassen getan“, freut sich VfL-Fußballabteilungsleiter Matthias Ruhle über die Spendenbereitschaft der Teams. Vielfach hätten Spielerinnen und Spieler noch individuelle Beträge aus der eigenen Tasche oben draufgelegt. „Das gilt im Übrigen auch für die Trainer der jüngeren Jahrgänge und nicht zu vergessen die Ü 40 und die Alten Herren, die richtig Geld in die Hand genommen haben“, erzählt Ruhle, der sich in dieser Woche zudem noch über zwei Einzelspenden in Höhe von 600 Euro freuen durfte.

Der VfL-Fußballboss war selbst auch nicht untätig. So nutzte Ruhle seine persönlichen Verbindungen, um fünf Quadratmeter des virtuellen Kunstrasenplatzes zum Stückpreis von je 20 Euro „an zwei Staatsbürger des Sultanats Oman zu verkaufen“. Laura Divay, ehemalige Betreiberin des Dötlinger Heuerhauscafés, und Kamran Awan leben seit einigen Jahren auf der Arabischen Halbinsel. Auf Nachfrage ließen sie sich nicht lumpen, einen Hunderter für die gute Sache in der alten Heimat springen zu lassen.

Das angepeilte Spendenziel von 25 .000 Euro sollte auf dem steinigen Weg zum witterungsunabhängigen Geläuf eine der kleineren Hürden sein. „Die Spendenbereitschaft ist super! Wir sind auf einem guten Weg, die gesetzten Ziele zu erreichen und unsere Hausaufgaben zu erfüllen“, strahlt Ruhle. Laut Kalkulation plant der VfL Wildeshausen bei dem Projekt zusätzlich mit einem Eigenanteil in Höhe von 75. 000 Euro. Der Landkreis Oldenburg und der Landessportbund würden demnach je 100. 000 Euro zuschießen. Großzügige Unternehmer haben 150 .000 Euro zugesagt. Zudem hofft der Verein auf eine 300. 000-Euro-Spritze von der Stadt Wildeshausen.

Mehr Licht

Der VfL Wildeshausen investiert weiter in die Infrastruktur der Sportanlagen. Ende des Monats Mai wird die Firma Elektro Bellut aus Neu Wulmstorf erneut im Krandel anrücken und drei zusätzliche Flutlichtmasten installieren. „Damit kann auch Platz 1 künftig voll ausgeleuchtet werden“, erläutert Matthias Ruhle. Die Kosten in Höhe von 70 000 Euro „trägt komplett der VfL und nicht die Stadt“, betont der Fußballabteilungsleiter, der zugleich zweiter Vorsitzender des Gesamtvereins ist.

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