Mittelfeldspieler schult zum Betreuer um

Sebastian Bröcker hört als Fußballer auf, bleibt dem Landesligisten VfL Wildeshausen aber erhalten

Sein bester VfL-Moment: Sebastian Bröcker (M.) feiert am 29. Mai 2016 seinen Last-Minute-Treffer zum 2:1 gegen Türkgücü Osnabrück.
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Sein bester VfL-Moment: Sebastian Bröcker (M.) feiert am 29. Mai 2016 seinen Last-Minute-Treffer zum 2:1 gegen Türkgücü Osnabrück.

Wegen anhaltender Verletzungsprobleme hat Sebastian Bröcker seine aktive Fußballlaufbahn beendet. Der 30-Jährige bleibt dem Landesligisten VfL Wildeshausen aber als Betreuer erhalten.

  • Sebastian Bröckers Körper ist den Belastungen des Landesliga-Fußballs nicht mehr gewachsen.
  • Der Mittelfeldspieler hat die Konsequenzen gezogen und seine Karriere beendet.
  • Er wird beim VfL Wildeshausen Nachfolger von Betreuer Thomas Kupka, der aufhört.

Wildeshausen – Plötzlich war er wieder da! Fast anderthalb Jahre hatte Sebastian Bröcker dem VfL Wildeshausen wegen hartnäckiger Beschwerden an der Achillessehne gefehlt. Nun sollte der Mittelfeldspieler für den Fußball-Landesligisten die Kohlen aus dem Feuer holen. Mit 0:1 lagen die Krandel-Kicker zum Saisonauftakt gegen Aufsteiger Sparta Werlte zurück, und Marcel Bragula hatte bereits zweimal gewechselt. Obwohl der VfL-Coach in René Tramitzke, Robin Ramke und Daniel Wollenberg durchaus andere Offensivoptionen hatte, schickte er in der 82. Minute Bröcker aufs Feld. „,Sebi‘ ist ein Straßenfußballer. Er macht auf dem Platz viele Dinge, mit denen keiner rechnet“, erläutert Bragula.

Hoffnung auf Comeback bleibt unerfüllt

Auf einen Geniestreich seines Jokers wartete er am 6. September 2020 vergeblich. Am Ende verloren die Wildeshauser mit 0:2. Was blieb, war die Hoffnung, dass Bröcker künftig wieder eine vollwertige Alternative im VfL-Aufgebot sein würde. Doch nun, ein halbes Jahr später, steht fest, dass sich diese Hoffnung nicht erfüllen wird. Bröcker musste einsehen, dass sein Körper den Belastungen der Landesliga nicht mehr gewachsen ist. „Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mit dem Fußball aufzuhören, wenngleich ich diese Entscheidung nicht ganz freiwillig getroffen habe“, erklärt er.

Für Bragula ist dies das Ende einer „traurigen Geschichte“. Bröckers Ausstieg schmerzt den Trainer sowohl sportlich als auch menschlich. Denn der schnelle und wendige Linksfuß war im fitten Zustand fast immer ein heißer Startelfkandidat und obendrein „ein ganz feiner Kerl, den man einfach gern haben muss“.

Last-Minute-Tor ebnet Weg zum Klassenerhalt

Bröcker hatte 2015 den Zwei-Klassen-Sprung von seinem Stammverein TV Dötlingen aus der Kreisliga zum damaligen Landesliga-Aufsteiger gewagt und auch gemeistert. Mit seinem Last-Minute-Tor zum 2:1 gegen den SC Türkgücü Osnabrück am vorletzten Spieltag ebnete der gebürtige Delmenhorster dem VfL 2016 den Weg zum Klassenerhalt. Die 400 Zuschauer tobten. „Für mich der emotionalste Moment“, sagt Bröcker im Rückblick auf seine knapp sechs Krandel-Jahre.

Ein gewohntes Bild: VfL-Coach Marcel Bragula (l.) führt den verletzten Sebastian Bröcker zur Bank.

Während dieser Zeit wurde der gelernte Zimmermann immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Mitte 2019 ging dann gar nichts mehr. „Sportlich hat ,Sebi‘ in den letzten zwei Jahren nicht mehr stattgefunden“, urteilt Bragula. Bröckers Achillessehne streikte komplett, eine Odyssee durch die Praxen der Region begann. „Leider hat ,Sebi‘ keinen Arzt gefunden, der ihm helfen konnte“, bedauert Bragula. Selbst nach kürzeren Joggingrunden zogen die Schmerzen von der Ferse hinauf bis zum Knie. Bröcker versuchte es trotzdem weiter. „In intensiven Trainingseinheiten habe ich gemerkt: Es geht bis zu einem gewissen Grad, aber dann ist Feierabend“, berichtet er. Allmählich reifte in ihm der Entschluss aufzuhören. „Und es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht“, unterstreicht er.

Als Externer im inneren Zirkel

„Das ist ganz bitter! ,Sebi‘ identifiziert sich total mit dem Verein. Er war bei jedem Teamabend dabei und gehört inzwischen zum inneren Zirkel der Mannschaft, obwohl er als Externer dazugekommen ist“, verdeutlicht Bragula den Stellenwert des Lehramtsstudenten (Deutsch/Sport). Deshalb freut sich der Übungsleiter, dass Bröcker dem Landesliga-Team weiterhin erhalten bleibt – wenn auch künftig in anderer Funktion.

Mit den Glückwünschen zu Bröckers 30. Geburtstag „schenkte“ ihm Bragula quasi den Job als Betreuer. Bekanntlich wird Amtsinhaber Thomas Kupka den Posten am Saisonende nach dann sieben Jahren aus persönlichen und beruflichen Gründen abgeben. „Da musste ich nicht lange überlegen“, strahlt Bröcker. Zwar erbat er sich eine Nacht Bedenkzeit, doch schon am nächsten Morgen sagte er Bragula zu, der sich über die „Win-win-Situation“ freut. „Mir ist es wichtig, weiter Teil der Mannschaft zu sein und eine sinnvolle Aufgabe zu haben“, betont Bröcker und hebt die Gemeinschaft und den Teamgeist auf und neben dem Platz hervor: „Das war immer eine Besonderheit des VfL Wildeshausen!“

Es ist nicht damit getan, einen halbleeren Arztkoffer durch die Gegend zu schleppen und eine Kiste Wasser in die Kabine zu stellen.

Trainer Marcel Bragula hebt die Bedeutung des Betreuers beim Fußball-Landesligisten VfL Wildeshausen hervor.

Auch wenn die genaue Einweisung noch bevorsteht, hat Bröcker bereits eine Ahnung, dass seine neue Tätigkeit durchaus anspruchsvoll ist. „Thomas macht einen super Job! Er ist mit Herz und Seele dabei“, lobt er den bisherigen Betreuer. Berühmt ist Kupka vor allem wegen seines vielgepriesenen Kabinenbüfetts mit „Obst, Müsli, isotonischen Getränken und irgendwelchem Zeug, das ich früher als Spieler nicht gebraucht habe“, sagt Bragula und lacht. Er ist Kupka überaus dankbar für das hohe Engagement, mit dem er die Aufgabe erfüllt hat. „Thomas ist mir ans Herz gewachsen. Als Lebensältester ist er in unserem Kreis ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Faktor“, meint der 46-Jährige und ist überzeugt: „,Sebi‘ wird das ähnlich gut machen.“

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