Harpstedts Ex-Coach Jörg Peuker fühlt sich bei Bezirksligist Goldenstedt pudelwohl – und bleibt

„Beim Abschlussspiel bekomme ich Angst“

Seit einem halben Jahr gibt er in Goldenstedt die Richtung vor – und seinen Wechsel vom Kreisligisten Harpstedter TB zum Vechtaer Bezirksligisten hat der Trainer nicht bereut.
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Seit einem halben Jahr gibt er in Goldenstedt die Richtung vor – und seinen Wechsel vom Kreisligisten Harpstedter TB zum Vechtaer Bezirksligisten hat der Trainer nicht bereut.

Harpstedt/Goldenstedt – Ein „mulmiges Gefühl“ hatte er damals schon, gesteht Jörg Peuker. Denn der Fußballtrainer verdeutlicht, dass er nach fünf Jahren beim Harpstedter TB „eine echt schöne Zeit“ und eine „wirklich tolle Truppe“ zurückließ, „die mir sehr ans Herz gewachsen ist“. Andererseits wusste der A-Lizenz-Inhaber auch: „Wenn ich überhaupt schwach werden würde, dann bei der Nachfrage nur eines einzigen Vereins.“ Das war Frisia Goldenstedt, und der in Visbek wohnende Familienvater bereut den Wechsel zum Bezirksligisten keinesfalls, wie der 48-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung verrät.

Herr Peuker, zunächst mal ein frohes neues Jahr! Wie geht’s bei Frisia?

Gut! Wir sind alle gesund, und im Verein hat sich auch in der fußballfreien Zeit einiges getan. Schon Ende Oktober bekamen wir neues LED-Flutlicht auf zwei Plätzen, jetzt ist die neue Laufbahn fast fertig – es fehlt nur noch der Kunststoffbelag obendrauf. Jetzt warten wir alle sehnlichst drauf, Ende Februar mit dem ersten Heimspiel ins neue Jahr zu starten.

Nach der ersten Hälfte und 15 Spielen steht Goldenstedt auf Platz sechs. Sind Sie zufrieden?

Sehr sogar. Angesichts unserer langen Verletztenliste war das eine Wahnsinns-Hinserie. Ein bisschen vermisse ich noch die Konstanz, aber da haben auch andere Mannschaften in unserer Liga so ihre Lücken.

Und diese Bezirksliga 4 ist eine besondere – mit vielen Teams aus dem Kreis Vechta und dementsprechend vielen Derbys.

Ja, das ist toll! Da gibt es richtig starke Mannschaften wie den SV Holdorf und Gegner aus der Nähe wie den VfL Oythe II. Das Niveau hatte ich mir zwar ein bisschen höher vorgestellt, aber das ist ganz klar auch der langen Corona-Pause geschuldet.

Wie haben Sie sonst die Umstellung von der Kreisliga Oldenburg-Land/Delmenhorst in den Bezirk gemeistert?

Es fiel mir komischerweise überhaupt nicht schwer. Anfangs hatte ich schon ein bissschen Bammel – denn ich wusste ja, was ich am Harpstedter TB hatte. Da habe ich mich schon gefragt: Wie komme ich bei den Jungs so an, wenn ich vor meiner neuen Mannschaft stehe? Aber einige kannte ich bereits, sonst wäre ich diesen Schritt auch nicht gegangen.

Was ist der größte Unterschied innerhalb der beiden Mannschaften?

In Harpstedt hatte ich viele jüngere Spieler, hier in Goldenstedt sind auch ein paar ältere dabei. Aber die legen großen Wert auf die Kameradschaft. Da kann es passieren, dass wir eineinhalb Stunden nach dem Spiel oder Training noch zusammensitzen. Und so ein Zusammenhalt ist einem aus meiner Generation ebenfalls sehr wichtig.

Und wie unterscheidet sich Ihr Trainingsalltag?

Es ist schon ein Luxus, dass ich mich hier fast ausschließlich um das Fußballerische kümmern kann. In Harpstedt habe ich vorher teilweise noch die Bälle aufgepumpt, das war auch nicht weiter schlimm. Wenn ich hier zum Training komme, liegen alle Materialien schon auf dem Platz, und es kann direkt losgehen. Und das ist dann intensiver. Beim Abschlussspiel geht es dermaßen zur Sache, dass ich von außen manchmal Angst bekomme. In Harpstedt war das anders, da kannten sich die Jungs teilweise seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit. Und sie wussten, dass es spielerisch in dieser Kreisliga für sie reicht. Da musste ich sie manchmal aus ihrer Komfortzone locken.

Zurzeit steht Ihr Ex-Club auf Platz eins der Kreisliga und hat beste Aufstiegschancen. Sie waren mit Harpstedt ebenfalls oft oben dran. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Ich bin natürlich erleichtert, dass es so gekommen ist und die Mannschaft nicht in der Versenkung verschwunden ist. Es war mir eminent wichtig, weil man so etwas nach fünf Jahren Arbeit ja nicht verlieren will. Bis auf einige Verletzungen oder den längeren Auslandsaufenthalt von Ole Volkmer, der jetzt wieder zurück ist, sind die Jungs gut durchgekommen.

Ist das auch ein Ergebnis der schlauchenden Vorbereitung Ihres Nachfolgers Marcus Metschulat?

Kann schon sein! Ich stehe ja noch mit vielen in Kontakt, und die haben mir von einem vollen Programm berichtet.

Wie geht es für Sie weiter?

Ich habe für die nächste Saison in Goldenstedt zugesagt. Es war aber eine komische Situation. Nach unserem letzten Hinrundenspiel hat mich Abteilungsleiter Bernd Feldhaus angeschrieben und gefragt, ob wir mal zusammen sprechen könnten. Da denkt man sich natürlich: Hoppla, was kommt denn jetzt?

Zumal dieses letzte Spiel mit einer 0:3-Niederlage gegen Brockdorf endete. . .

Ja, doch das Gespräch lief anders. Er fragte vorsichtig, ob ich mir vorstellen könnte zu bleiben. Aber nichts anderes hatte ich vor! Bei meiner Zusage hatten wir über eine konkrete Laufzeit gar nicht gesprochen, das lief eher so per Handschlag ab. Aber ich hatte damals schon durchblicken lassen, dass ich mir hier ein langfristiges Engagement vorstelle.

Gibt es schon Planungen für die neue Saison? Wie sieht es aus mit Nachwuchs aus eigenen Reihen? In Harpstedt haben Sie ja jedes Jahr einige A-Jugendliche in die „Erste“ eingebaut.

Das ist hier nicht ganz so einfach, weil Frisia eine Spielgemeinschaft mit Rechterfeld hat. Aber es kommen ein paar Jungs von außerhalb zurück – zum Beispiel Ole Siemer vom JFV Rehden aus der Regionalliga, der schon jetzt bei uns ist. Der ist auf der linken Seite überall einsetzbar. Hinzu könnten noch zwei Rückkehrer aus der Bezirksliga-A-Jugend vom VfL Oythe kommen. Ich denke, das läuft schon.

Apropos „Laufen“: Wann kann die Saison angesichts der fortdauernden Corona-Krise weiterlaufen?

Das ist eine gute Frage! Ich hoffe, es ist wie geplant möglich. Aber wenn ich in dieser Pandemie eines gelernt habe, dann, dass ich mich mit Prognosen lieber zurückhalte.

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