Wildeshauser Ruderer und Kanuten trotzen der Coronakrise – unter Auflagen

Auf der Hunte dem Virus davonrudern

Sein Boot: Der passionierte Ruderer Uwe Spalthoff, Sportwart des Wassersportvereins Wildeshausen, ist mit seinem eigenen Einer stets startklar. „Zoe-Marie“ heißt der schlanke Flitzer, benannt nach einer seiner Enkelinnen.
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Sein Boot: Der passionierte Ruderer Uwe Spalthoff, Sportwart des Wassersportvereins Wildeshausen, ist mit seinem eigenen Einer stets startklar. „Zoe-Marie“ heißt der schlanke Flitzer, benannt nach einer seiner Enkelinnen.

Sport im Verein trotz Corona ‒ davon träumen viele Aktive seit Wochen. Die Ruderer und Kanuten vom Wassersportverein Wildeshausen dürfen hingegen auf ihr Vereinsgelände und in die Boote ‒ allerdings unter strengen Auflagen.

Wildeshausen – Auf und nieder – erst mit der Sprühflasche, dann mit dem Einwegtuch über meterweise Kohlefaser: Uwe Spalthoff wischt akribisch die Skulls, also die Ruder, im Bootshaus an der Hunte gegenüber der Wildeshauser Burgwiese trocken. Wieviel Desinfektionsmittel und Reinigungsmaterial er und die gut 150 anderen Aktiven des Wassersportvereins Wildeshausen (WSW) seit Beginn der Corona-Pandemie verbraucht haben, kann der Sportwart des Clubs nicht mehr nachvollziehen. „So sauber waren unsere Boote noch nie“, sagt Spalthoff und lächelt. „Aber wir sind froh, dass wir hier überhaupt noch weitermachen dürfen“, verdeutlicht der 68-Jährige. Denn er weiß: Das war nicht selbstverständlich.

Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem, und weit weg genug voneinander sind wir in den Booten auf jeden Fall.

Uwe Spalthoff, Sportwart des Wassersportvereins Wildeshausen

Wer den muskulösen Mann an diesem kalten Dezemberabend in seinem dünnen T-Shirt zwischen den hohen Regalen für die sündhaft teuren Einer, Zweier und Vierer sieht, merkt ihm an, dass er am liebsten sofort wieder ablegen will. „Im Grunde genommen bin ich aber froh, dass jetzt Winter ist“, gesteht der Wildeshauser. Denn die letzten Monate mit allen Vorschriften und Vorkehrungen hatten schon am Verein gezehrt. „Dabei ist das genau das Richtige in Coronazeiten“, verdeutlicht Spalthoff: „Bewegung an der frischen Luft stärkt das Immunsystem, und weit weg genug voneinander sind wir in den Booten auf jeden Fall.“

Einiges an Überzeugungsarbeit musste er zu Beginn der Kontaktbeschränkungen bei der Mitarbeiterin des Gesundheitsamts leisten, damit „seine“ Kanuten und Ruderer aufs Wasser durften: „Erst sollten wir nicht fahren dürfen, aber dann habe ich ihr die Abmessungen der Boote genauer erklärt: Mit den Auslegern und Skulls auf jeder Seite kommt so ein Ruderboot auf sechs Meter Gesamtbreite, und unsere Kanuten brauchen mit ihren Paddeln etwa 1,20 Meter zu jeder Seite. Begegnen sich also zwei Boote, ist der Mindestabstand auf jeden Fall gegeben.“ Die Behörde war beruhigt, fortan ging’s los. „Aber nur in den Einern und Zweiern“, erklärt Spalthoff. In den Vierern sei der Mindestabstand innerhalb der Besatzung nicht gegeben. Fährt ein Steuermann im Zweier mit, muss der einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auf dem Weg vom Bootshaus zum Anleger gelten ebenfalls strikte Vorgaben: „Erst eine Mannschaft raus, dann eine andere rein“, beschreibt Spalthoff den eingeschränkten Begegnungsverkehr. Auch auf der Hunte selbst sei manchmal Improvisation nötig: „Wenn zwei nicht so geübte Ruderer im Zweier ohne Steuerleute sitzen, fahre ich im Einer vorweg oder hinterher und sage ein bisschen die Richtung an.“

Zahlen und Fakten

Dem Wassersportverein Wildeshausen (WSW) gehören zurzeit etwa 200 Mitglieder an, nur knapp 50 davon sind passiv. Der Monatsbeitrag für Erwachsene beläuft sich auf 11 Euro, Kinder und Jugendliche zahlen 7 Euro. Paare sind mit 16 Euro, Familien mit 21 Euro monatlich dabei. Die einmalige Aufnahmegebühr liegt zwischen 11 Euro (Jugendliche) und 27 Euro (Familien). Weitere Informationen im Internet: www.wswildeshausen.de

Nach der Rückkehr müssen die Aktiven mit weiteren Kompromissen leben: Nur eine Person gleichzeitig darf die Umkleide nutzen, die Duschen bleiben gesperrt. „Nur bei Notfällen darf man mal unter die Brause – zum Beispiel nach einem Kentern“, schildert der Sportwart, „das passiert schon mal.“

Die penibel zu führende Kontaktliste im Eingangsbereich des Vereinsgebäudes weist nun häufiger den Namen der Reinigungskraft aus: „Früher putzte sie einmal in der Woche, jetzt ist sie zur Sicherheit an drei Tagen da – obwohl auch unser Aufenthaltsraum gesperrt ist“, schildert Spalthoff. Dass das Miteinander im WSW unter der Pandemie arg gelitten hat, tut dem Mann, der seit 1998 hier Mitglied ist und seit 2004 als Sportwart Verantwortung übernimmt, sichtlich weh: „Sonst haben wir nach dem Training noch eine Weile bei Kaffee oder einem Bier zusammengesessen. Jetzt ist das alles erst mal auf Eis. Auch unsere Seniorengruppe setzt bis auf Weiteres aus.“

Die Nachwuchsarbeit liefe ebenfalls auf Sparflamme: „In anderen Jahren haben wir so um die 15 Anfänger ausgebildet, diesmal waren es fünf oder sechs“, verdeutlicht das Vorstandsmitglied. Die übrigen Sportler hätten sich aus Vorsicht teils ebenfalls rar gemacht: In den bisherigen Saisons kamen die 74 Ruderer und 69 Paddler auf rund 39 000 Gesamtkilometer, „in diesem Jahr schaffen wir höchstens 25 000“, schätzt Spalthoff nach einem Blick in den Computer. Die kleineren Boote dürfen die Hunte aufwärts bis nach Pestrup fahren, größere bis nach Hölingen. „Das ist aber wegen einer recht engen Stelle nur etwas für geübte Steuerleute“, verdeutlicht der Routinier.

Desinfizieren nach der Rückkehr: Das Reinigen der Skulls mit Sprühflasche und Einwegtüchern gehört seit Corona zur Routine für Spalthoff und die Vereinskollegen.

Auswärtige Touren seien in diesem Sommer praktisch gar nicht möglich gewesen. „Wanderfahrten auf anderen Gewässern hätten wir schon allein wegen der Beschränkungen für Fahrgemeinschaften in den Autos nicht realiseren können“, unterstreicht Spalthoff. Er selbst wäre in dieser Saison nach längerer Pause gern mal wieder zu einer Regatta an den Start gegangen, doch Corona durchkreuzte seine Comeback-Pläne.

Immerhin haben er und die anderen WSW-Akteure ja noch die Hunte – und von der gerät der mehrfache Großvater selbst nach all den Jahren noch ins Schwärmen: „Meine absolute Lieblingsstelle ist in Höhe des Rosengartens“, sagt er über den Abschnitt, der sich ungefähr in Höhe des Pestruper Moores befindet. Da lässt er dann schon mal die Blätter der Skulls flach aufs Wasser fallen und sich treiben. „Wenn ich dann wiederkomme, fragen mich einige im Bootshaus schon mal, warum ich denn für nur 20 Kilometer so lange gebraucht habe.“ Doch diese kleine Auszeit – auch von Corona – muss erlaubt sein.

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