Siebter Abgang beim VfL Wildeshausen hat es in sich

Auch der Käpt"n geht: Görke nimmt Abschied

Immer voran ging Sascha Görke (rechts) beim VfL Wildeshausen – ob mit oder ohne Kapitänsbinde. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der VfL-Ersten nimmt der Mittelfeldmotor nun Abschied vom Landesliga-Team. Dem Verein bleibt das Eigengewächs aber treu – als Spieler der Dritten.
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Immer voran ging Sascha Görke (rechts) beim VfL Wildeshausen – ob mit oder ohne Kapitänsbinde. Nach mehr als einem Jahrzehnt in der VfL-Ersten nimmt der Mittelfeldmotor nun Abschied vom Landesliga-Team. Dem Verein bleibt das Eigengewächs aber treu – als Spieler der Dritten.

Wildeshausen – Diesen Blick, den Sascha Görke ihm damals zuwarf, wird Marcel Bragula nie vergessen: Einige Positionen hatte Görke in seinem Fußballer-Leben schon bekleidet. Doch im Spiel des Jahrhunderts für den VfL Wildeshausen, an jenem 29. Mai 2015 vor 4 000 Zuschauern im Bezirksliga-Finale gegen Atlas Delmenhorst, beorderte Trainer Bragula seinen kongenialen Mann aus dem Zentrum fünf Minuten vor Schluss ins linke Mittelfeld, um diese Seite abzusichern und Wildeshausens 1:1 samt Landesliga-Aufstieg zu retten. „Wenn ich daran denke, wie Sascha mich damals angesehen hat, könnte ich mich heute noch beömmeln“, gesteht Bragula grinsend, „denn dieser Mann war alles – nur kein Flügelspieler.“ Der Rest ist bekannt, Görke & Co. hielten das Unentschieden und stiegen auf. Momente, die es so nicht mehr geben wird. Jedenfalls nicht mit Sascha Görke auf dem Platz. Am Mittwochnachmittag vermeldete der Landesligist den Abschied seines Kapitäns als siebten und prominentesten Abgang dieser Serie.

  • Der siebte Abgang des VfL Wildeshausen ist einer der heftigeren Schläge ins Kontor: Sascha Görke hört auf!
  • Der Kapitän des Landesligisten, vor kurzem Vater geworden, lässt es in der dritten Mannschaft ruhiger angehen.
  • Sein Trainer Marcel Bragula würde sich noch eine andere Rolle seines bisherigen Führungsspielers wünschen.

Bragula durfte sich bereits länger auf die Zeit ohne seinen verlängerten Arm auf dem Feld vorbereiten, denn schon zu Saisonbeginn hatte ihn der 30-Jährige von seinem Entschluss unterrichtet. Jetzt, wenige Tage nach der Geburt von Stammhalter Mats Görke, machte der Papa den Abschied offiziell.

Trainer Bragula: „Tiefe Freundschaft“

Doch trotz aller Vorbereitung – „es schmerzt noch immer“, gesteht Bragula: „Uns verbindet weit mehr als ein Trainer-Spieler- oder Trainer-Kapitän-Verhältnis“, gibt der 46-Jährige Einblick in sein Seelenleben: Eine „ganz tiefe Freundschaft“ sei da seit Sommer 2014 entstanden, als der B-Lizenz-Inhaber die „Erste“ übernahm.

Görke selbst, Wildeshauser durch und durch, zählte da schon längst zum Inventar des VfL-Flaggschiffs. Anfragen anderer Clubs gab es zwar, doch sie beschäftigten ihn weder davor noch danach. Als A-Junior, zum Ende seiner kompletten Jugendzeit im Dress der Krandel-Kicker, hatte er 2009 im Männerteam debütiert – unter Trainer Jürgen Gaden und „Co“ Peter Görke. Richtig, Saschas Vater. Noch in der Saison 2009/10 feierte er die Kreisliga-Meisterschaft samt Bezirksliga-Aufstieg. 2015 ging"s nach einer bärenstarken Rückrunde mit der Krönung im besagten Atlas-Spiel in die Landesliga, nach dem zwischenzeitlichen Abstieg hatte er 2019 maßgeblichen Anteil an der Rückkehr in die sechsthöchste deutsche Klasse. Im Anschluss an diese Meistersaison übernahm er von Torhüter Sebastian Pundsack die Kapitänsbinde und führte dieses Amt auf seine eigene Weise aus. „Sascha war als Kapitän nie der große Lautsprecher“, bringt es Bragula auf den Punkt. Sein Vorgänger Pundsack, heute Teammanager, ergänzt: „Wir alle sind Sascha zu großem Dank verpflichtet! Innerhalb des Teams und des Vereins genießt er allerhöchstes Ansehen“, sagt er über den Kopf des Mannschaftsrats: „Er vertritt stets eine klare Meinung und ist ein wichtiger Faktor für Mannschaft, Trainer- und Funktionsteam. Auch neben dem Platz hat er sich stets für das Wohl der Kollegen eingesetzt und viel Organisatorisches geleistet.“

Torgefährlich bis zuletzt - trotz hartnäckiger Beschwerden

Auf dem Platz sei Görke „mit den Jahren ruhiger geworden“, sagt Bragula über den 30-Jährigen, der in jener Zeit vom „lupenreinen Zehner“ (Bragula) im offensiven Mittelfeld stückweise nach hinten rückte – auf die Achter- und Sechserposition im defensiven Mittelfeld. Wie das eben so ist im Laufe einer langen Fußballkarriere. „Dabei hat er aber nichts von seiner Torgefahr eingebüßt – und das, obwohl er sich in den letzten zwei Jahren echt gequält hat“, erinnert der 46-Jährige an Görkes hartnäckige Hüftprobleme.

Qualen, die ihn jetzt zum Kürzertreten veranlassten. Die Zeit, die seine kleine Familie und der Beruf als leitender Angestellter einer Wildeshauser Werbeagentur in Anspruch nehmen, tat ihr Übriges bei der Entscheidungsfindung.

Bragula würde sich jedoch wünschen, wenn sein scheidender Kapitän – ähnlich wie zurzeit Teammanager Pundsack – eine Funktion im Verein übernehme. „Auf jeden Fall ist er ja nicht weg vom VfL“, weiß er über die Identifikationsfigur. Denn für „seinen“ Club will der 30-Jährige nach wie spielen – in der dritten Mannschaft. Vier Ligen tiefer in der 2. Kreisklasse, mit einigen seiner besten Freunde, aber ohne Leistungsdruck. Kein schlechter Karriere-Ausklang für ein VfL-Urgestein wie Sascha Görke.

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