Wildeshauser soll Trainer des Oberligisten werden

SV Atlas buhlt um Bragula

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Arm in Arm betraten Jürgen Hahn (l.) und Marcel Bragula im Mai 2015 beim legendären Bezirksliga-Finale das Krandelstadion. Nun könnte der Wildeshauser Hahns Nachfolger als Atlas-Coach werden.

Wildeshausen - Von Sven Marquart. Also doch! Seitdem sich Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst vor knapp zwei Wochen von Trainer Jürgen Hahn getrennt hat, wird in den sozialen Netzwerken munter über dessen Nachfolge diskutiert. Dabei ploppte auch der Name Marcel Bragula auf. Tatsächlich liegt dem Coach des Bezirksliga-Spitzenreiters VfL Wildeshausen nun ein Angebot der Blau-Gelben vor.

„Wunschkandidat hört sich immer blöd an. Aber wenn ein Trainer so lange so erfolgreich in Wildeshausen arbeitet, ist er für den SV Atlas natürlich interessant“, bestätigt Bastian Fuhrken, der zweite Vorsitzende und sportliche Leiter des SV Atlas, die Offerte. „Marcel passt sehr gut in unser Anforderungsprofil: Er kennt das Umfeld, weiß was bei uns los ist und hat bewiesen, dass er junge Spieler auf das nächste Level führen kann – das sieht man beispielsweise an Tom Schmidt, der jetzt bei uns spielt“, begründet Fuhrken.

Bragula darf sich geehrt fühlen, denn er ist die erste Wahl für einen der begehrtesten Trainerjobs in der Region. Mehr als ein Dutzend schriftliche Bewerbungen interessierter Übungsleiter gingen beim SV Atlas ein. „Das ist sehr, sehr viel, und damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet“, berichtet Fuhrken. Trotz namhafter Mitbewerber ist Bragula die Eins-a-Lösung. Der 44-Jährige ist als Oberstabsfeldwebel in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne stationiert. „Und wir wollen einen Trainer, der einen Bezug zu Delmenhorst hat und unsere Spieler kennt“, erläutert Fuhrken. Nicht zuletzt verbindet ihn und Bragula eine Männerfreundschaft.

„Atlas ist ein geiler Verein! Die leben Fußball und geben alle mächtig Gas. Atlas ist neben dem VfB Oldenburg das sportliche Zugpferd in der Region – und damit für jeden Trainier hier interessant“, freut sich Bragula über das Interesse des Oberliga-Dritten. Die Aufgabe sei „sportlich reizvoll und lukrativ“. Zugleich steckt der Umworbene in einem „Gewissenskonflikt“ – und das nicht nur wegen seines gültigen Vertrags.

Denn wer Bragula auch nur halbwegs kennt, der weiß, dass der VfL für ihn nicht nur irgendein Club oder eine x-beliebige Trainerstation ist. „Der VfL ist mein Heimatverein, in dem ich mich zuhause fühle und sehr viele Freunde habe“, betont er. Auch deshalb hat er in der Vergangenheit bereits einem Ober- und zwei Landesligisten abgesagt. Wer Bragula kennt, der weiß aber auch um dessen Ehrgeiz, immer das maximal Mögliche erreichen zu wollen.

Im Jahr 2010 übernahm Bragula bei der zweiten Wildeshauser Herrenmannschaft den Trainerposten von Ulrich Bohrer. 2012 stieg er mit der VfL-Reserve als Meister der 1. Kreisklasse in die Kreisliga auf und etablierte sie dort. Im Juli 2014 trat er dann gemeinsam mit seinem damaligen Kompagnon Marco Elia, der inzwischen den Regionalligisten VfB Oldenburg trainiert, die Nachfolge von Klaus Ebel und Jörg Peuker beim Wildeshauser Bezirksliga-Team an. Mit dem denkwürdigen 1:1 gegen den SV Atlas vor 4.000 Zuschauern holten sie auf Anhieb den Titel und feierten in der Saison darauf den Klassenerhalt in der Landesliga.

Aktuell mit dem VfL auf Meisterkurs

Zwar ging es 2017 wieder runter in die Bezirksliga, doch nach der Vizemeisterschaft 2018 steuert Bragula mit den Krandel-Kickern aktuell wieder auf Meisterkurs. „Er hat aus der Mannschaft in Wildeshausen über einen langen Zeitraum sehr viel rausgeholt“, lobt Fuhrken.

Auch nach viereinhalb Jahren als VfL-Coach habe er bei der Arbeit mit der Mannschaft und Abteilungsleiter Ottmar Jöckel „nicht ein Prozent an Motivation verloren“, erklärt Bragula. Außerdem fühle er sich in seinem Trainerteam mit Co-Trainer Patrick Meyer und Torwarttrainer Eike Bothe sehr wohl: „Das läuft hervorragend!“

Als Fuhrken zum Telefon griff, um den VfL Wildeshausen vom Delmenhorster Interesse zu informieren, war Jöckel natürlich „nicht begeistert“. Der VfL-Fußballboss pocht auf das bis zum 30. Juni 2019 datierte Vertragsverhältnis mit seinem Übungsleiter. „Das möchte ich respektiert wissen“, bekräftigt Jöckel: „Für mich ist ein gegebenes Wort etwas Unbezahlbares.“ Zudem sei er sowohl bei Spielern als auch bei Trainern grundsätzlich Gegner von Wechseln nach der Halbserie. „Aber jetzt muss Marcel erstmal für sich selbst eine Entscheidung treffen.“

Genau das hat Bragula vor. Er will in den nächsten Tagen „die Lage sauber beurteilen und zu einem Entschluss kommen“. Dabei sei der VfL sein erster Ansprechpartner. Der SV Atlas hat ihm zwar keine Frist gesetzt, doch Fuhrken möchte „die Trainerfrage bis Ende des Jahres geklärt“ wissen. So lange will sich Bragula aber auf keinen Fall Zeit lassen. Dass der Wildeshauser nur im Besitz der Uefa-B-Lizenz ist, sei laut Fuhrken kein Problem für den SV Atlas, der spätestens 2022 in der Regionalliga angekommen sein will. „Marcel ist Mitte 40 – da muss er den Anspruch haben, die A-Lizenz zu machen“, sagt der 33-Jährige. Außerdem gebe es in der ersten Saison für einen Aufsteiger eine Ausnahmegenehmigung, sollte der erforderliche Schein fehlen.

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