391 Runden durch den eigenen Garten

Der Wildeshauser Fritz Rietkötter ist auf seinem Grundstück einen Marathon gelaufen

Fritz Rietkötter zeigt auf eine Strichliste, mit der er die Runden seines Gartenmarathons gezählt hat.
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Immer den Überblick behalten: Um die vielen Runden korrekt zu zählen, führte Fritz Rietkötter bei seinem Gartenmarathon eine Strichliste.

Der Wildeshauser Fritz Rietkötter hat in seinem Garten einen Marathon absolviert. Dazu musste der 54-Jährige nicht weniger als 391 jeweils 107,9 Meter lange Runden laufen.

  • Fritz Rietkötter hat in seinem Garten einen Marathon absolviert.
  • Wildeshauser läuft 391 jeweils 107,9 Meter lange Runden.
  • Die Idee kam dem 54-Jährigen während des Lockdowns im Frühjahr.

Wildeshausen – „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Aktionen“, sagt Fritz Rietkötter und lacht. Der Wildeshauser Ausdauersportler hat während seiner langen Laufkarriere bereits mehr als 140 (Ultra-)Marathons absolviert. Einige davon waren ziemlich skurril. So lief Rietkötter bei minus 20 Grad Celsius 69-mal um ein im Abriss befindliches Hotel oder umkreiste 46-mal die alte Hamburger Mülldeponie. In einer ostdeutschen Leichtathletikhalle lief er bis nachts um 2.30 Uhr erst einen Marathon und direkt im Anschluss einen Halbmarathon. Außerdem drehte er für die magische Distanz von 42,195 Kilometern 138 Runden in einem Tiefbunker. Als wäre dies nicht schon ausgefallen genug, inspirierte die Coronapandemie den 54-Jährigen nun zu einer ganz verrückten Idee: ein Marathon im heimischen Garten.

Der Einfall, auf seinem Grundstück an der Hermannstraße einen Marathon zu laufen, war Rietkötter bereits während des Lockdowns im Frühjahr gekommen. Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung des „Wildeshauser Gartenmarathons“ sollte aber noch rund ein Dreivierteljahr vergehen. „Corona ist heute Normalität. Damit müssen wir alle leben. Aber man muss noch lange nicht den Kopf in den Sand stecken. Trotz Corona sind viele tolle Sachen machbar – man muss nur mal die Augen aufmachen“, betonte Rietkötter.

Geeichtes Messrad von der Polizei

Um die Strecke korrekt zu bestimmen, bekam Rietkötter Unterstützung von der Polizei, die ihm ein geeichtes Messrad zur Verfügung stellte. Danach stand fest: Für einen Marathon würde er 391 jeweils 107,9 Meter lange Gartenrunden plus eine 6,10 Meter lange Pendelstrecke zurücklegen müssen. Die fragenden Blicke seiner Nachbarn sollten ihm gewiss sein.

Gewächshaus und Hochbeete werden zu üppigen Feldern

Um bei den körperlichen Strapazen angesichts dieser Eintönigkeit nicht mental einzuknicken, braucht es schon eine stabile Psyche – und auch ein gewisses Maß an Fantasie. So wurde in Rietkötters Gedankenwelt aus den beiden laubbedeckten Gartenliegen „eine leere Publikumstribüne“, der Gartenteich erinnerte ihn „irgendwann an einen Seeblick“. Die Passage am Gewächshaus und den Hochbeeten vorbei assoziierte er „mit den üppigen Feldern bei einem Landschaftslauf“, und der Kirschbaum wurde glatt zu einem ganzen „Obstanbaugebiet“. Das holprige Kopfsteinpflaster verglich er innerlich mit „historischen Wegstrecken durch irgendwelche Altstädte“. Für moralischen Beistand sorgte außerdem Maria Schmitt, die ihren Lebensgefährten vom Fenster des Arbeitszimmers unterstützte.

Auch wenn die Zeiten unnormal erscheinen, gilt es, das Beste daraus zu machen und positiv zu denken.

Dauer(b)renner Fritz Rietkötter

Bei einem Hausumbau hatte Rietkötter in seinem Garten einst ein Gefälle von 0,60 Metern gemessen. „Das addierte sich im Laufe der 391 Runden zur gigantischen Höhe von 234,6 Metern, was so mancher Steigung in normalen Marathons alle Ehre machen würde. Zum Glück ging es auf der anderen Seite des Rundweges auch wieder runter“, scherzte der Huntestädter. Seine Verpflegungsstation unter dem Carport blieb – ganz im Sinne der geltenden Coronabeschränkungen – natürlich unbesetzt. „Abstand muss schließlich sein, und die Anzahl der Fremdhaushalte bei Menschenansammlungen will auch berücksichtigt werden“, meinte Rietkötter augenzwinkernd.

Belastung für Füße und Sprunggelenke

Pro Runde musste der Solist zehn Kurven nehmen. „Bei 107,9 Metern Streckenlänge sind zwischen zwei Kurven durchschnittlich nur 10,79 Metern an gerader Strecke zu absolvieren. Das wiederum führt dazu, dass ein normaler Laufrhythmus nicht aufkommt und man von Tempomachen gar nicht reden kann“, erläuterte Rietkötter. Zudem wurden seine Füße und Sprunggelenke durch das ständige Abbremsen und wieder Durchstarten extrem belastet. „Das Ergebnis ist eine Zeit, die gut eine Stunde über der sonst anvisierten Zielzeit liegt“, erklärte der Prokurist eines Vechtaer Holzhandels. Peilt Rietkötter bei „normalen“ Marathons für gewöhnlich ein Resultat um 4:15 Stunden an, war er im „Homeoffice“ 5:09 Stunden unterwegs. Allerdings hatte er die Strecke auch absichtlich etwas verlängert, „um meinen Wildeshauser Gullydeckel in das Event zu integrieren“.

Wiederholung als Nachtausgabe?

Rietkötters Fazit nach dem Gartenmarathon fiel ausgesprochen positiv aus. „Das war ein sehr familiärer Lauf, der top organisiert war. Die Verpflegung war genau auf den Bedarf des Läufers ausgerichtet und der Streckenverlauf vorbildlich gekennzeichnet. Verlaufen konnte sich nun wirklich niemand. Sogar eine warme Dusche gab es nach dem Lauf, toll! Ich werde bestimmt nochmal wiederkommen, dann aber vielleicht zu einer Nachtausgabe“, sagte der Dauer(b)renner grinsend.

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