Zwischen den Stühlen

Für den Fußball-Chef des FC Verden 04, Andreas Höttler, der gleichzeitig Geschäftsführer des Bauunternehmens Matthäi ist, ist ein Mannschaftssportverbot für seine Arbeitnehmer in der Corona-Zeit kein Thema.
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Für den Fußball-Chef des FC Verden 04, Andreas Höttler, der gleichzeitig Geschäftsführer des Bauunternehmens Matthäi ist, ist ein Mannschaftssportverbot für seine Arbeitnehmer in der Corona-Zeit kein Thema.

Sie sind Führungskräfte in ihren Firmen, leiten ein eigenes Geschäft, sind oftmals verantwortlich für hunderte von Mitarbeitern. Aber sie sind oft auch dem Sport verbunden, treiben ihn selbst, sind gar auch in den Vereinen in leitender Funktion. Wie gelingt den Firmen-Chefs in dieser Pandemie der Spagat zwischen Verantwortung und Leidenschaft? Wir haben nachgefragt.

Verden/Rotenburg – Momentan verbietet die Corona-Verordnung den Mannschaftssport im Amateurbereich. Aber kann ein Arbeitgeber seinem Angestellten untersagen, in der Zeit der Pandemie Fußball oder Handball zu betreiben – wenn das wieder erlaubt ist? „Nein“, sagt Heiko Müller, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Rotenburg. „Sport gehört zur privaten Freizeitgestaltung. Da kann einem keiner Vorgaben machen, welche Sportart er zu machen hat. Da hat ein Arbeitgeber keinerlei Weisungsrecht.“ Problematisch ist die Situation trotzdem für viele Unternehmen, wenn Mitarbeiter ausfallen, weil sie sich infiziert haben oder sich in Quarantäne begeben müssen. Und das Risiko, davon betroffen zu sein, lauert auch beim Teamsport. Die Folgen sind mögliche wirtschaftliche Schäden für die Firma.

Einer, der quasi zwischen den Stühlen sitzt, ist Andreas Höttler, Geschäftsführer der Matthäi-Gruppe, ein Bauunternehmen aus Verden. Denn zum einen ist der 61-Jährige für über 2500 Beschäftige in seinem Unternehmen verantwortlich, zum anderen ist er auch Vorsitzender des FC Verden 04. Matthäi gehört dabei zu den Firmen, die einen hohen Anteil an Sportlern beschäftigt. „Nicht nur Fußballer arbeiten bei uns, auch Handballer, Volleyballer, und, und, und. Wir legen in unserem Betrieb viel Wert auf Teamarbeit. Sie ist Teil unserer Philosophie. Und gerade Mannschaftssportler haben das verinnerlicht, sind Teamplayer. Das können wir jetzt ja nicht plötzlich alles infrage stellen“, sagt Höttler.

Schon deshalb reagierte die Matthäi-Geschäftsleitung Anfang Oktober auch eher gelassen, als der FC Verden 04, in dem ein Teil der Angestellten aktiv ist, gleich zehn Corona-Fälle im Landesliga-Team vermelden musste. Andreas Höttler: „Das haben wir aber nicht am Sport festgemacht. Und mal ehrlich, die Jungs hätten sich doch auch beim Einkaufen infizieren können!“ Allerdings wurde im Verdener Betrieb sofort reagiert. „Wenn es bei uns auch nur einen Verdachtsfall gibt, wird dieser sofort schon von uns aus in Quarantäne geschickt. Viele unsere Mitarbeiter können dann auch aus dem Homeoffice weiterarbeiten. Und wenn nicht, dann ist das eben auch so. Wichtig ist, dass wir uns strikt an die vorgegebenen Regeln halten. Aber noch einmal: Wir bekommen keine Bauchschmerzen, weil unsere Mitarbeiter in der Pandemie Sport treiben. Ganz im Gegenteil. Er hält sie gesund, der Sport prägt unsere Firmenphilosophie!“

Arbeitgeber können Sport nicht verbieten

Wird Quarantäne oder Isolierung vom Gesundheitsamt angeordnet, werden dem Arbeitgeber die Lohnkosten zwar erstattet – doch die dadurch verursachten geringeren Umsätze eben nicht. Das kann dann schon mal schnell in den fünfstelligen Bereich gehen. „Das Problem ist doch, dass du die Termine nicht einhalten kannst, aber die Kosten trägst“, verdeutlicht Peter Grewe, der langjährige Firmenchef der Grewe-Gruppe, die im Garten- und Landschaftsbau ihr Haupttätigkeitsfeld hat und rund 600 Mitarbeiter beschäftigt. Grewe ist inzwischen in die Rolle des Beraters gerückt und steht – wie Höttler dem FC Verden 04 – gleichzeitig dem Rotenburger SV als Präsident vor. Er betont: „Das Wichtigste ist die Gesundheit, dann kommen Familie und Beruf und dann irgendwann der Sport.“

Der 68-Jährige bringt in diesen Zeiten deshalb großes Verständnis für jeden Arbeitgeber auf, der sagt, „dass er es nicht gerne sieht, wenn der Arbeitnehmer zum Fußball geht und er danach womöglich auch noch mit einem größeren Mitarbeiterkreis in Berührung kommt. Das geht erst, wenn die Infektionskurve wieder nach unten geht.“

Auch in der Grewe-Gruppe gab es bereits positive Fälle, wie Henning Schwardt, einer der Geschäftsführer und gleichzeitig Fußballer beim RSV II, berichtet. Im Bürogebäude selbst trage jeder eine Maske, sobald er seinen Arbeitsplatz verlasse, viele Angestellte wären ohnehin schon ins Homeoffice gewechselt.

Ein grundsätzliches Verbot von Mannschaftssport könne und wolle auch dieses Unternehmen nicht aussprechen. „Eigentlich ist man ja froh, wenn die Leute Sport machen. Deshalb sollte man auch versuchen, einen Konsenz mit dem Mitarbeiter hinzukriegen. Ich denke, es ist nur fair, wenn der Sport momentan zurücksteht. Draußen kann man das Risiko auch noch eher mittragen, in geschlossenen Räumen sollte man es momentan aber besser unterlassen“, findet der Geschäftsführer, der diese Meinung auch als Vorstandsmitglied im Rotenburger SV mitträgt. Insofern ist ihm die Absage des Fußballspielbetriebs bis Jahresende durchaus recht.

In dieselbe Kerbe schlägt übrigens auch Andreas Höttler. Auch er begrüßt ausdrücklich den Entschluss des NFV, denkt dann aber auch schon einen Schritt weiter und malt dabei eine eher düsteres Bild: „Ich denke, die Saison wird im Fußball nicht beendet werden können. Mein Gefühl sagt mir, dass letztlich alle Anstrengungen für die Katz waren und wir erneut bei Null starten müssen. Aber zum Glück werde ich ja nicht für Gefühle bezahlt!“

Von Frank Von Staden Und Matthias Freese

Doppelte Zusammenarbeit: Peter Grewe (l.) und Henning Schwardt sind beide für den Rotenburger SV aktiv – und auch für die Grewe-Gruppe.

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