Fabio und die Gladiatoren

Volleyball-Herren des TV Baden starten in das Abenteuer 2. Bundesliga

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Diesem Team trauen Neu-Coach Fabio Bartolone (vorn, 2.v.r.) und Neu-Manager Peter-Michael Sagajewski (links) den Zweitliga-Klassenerhalt zu. J Foto: tvbaden

Baden - Von Frank von Staden. Fabio Bartolone mag es gern etwas martialisch. Wenn der neue Trainer des TV Baden über das spricht, was sein Team als Aufsteiger in die 2. Volleyball-Bundesliga erwartet, und was er von seiner Mannschaft in der am 16. September startenden Saison einfordert, dann verwendet er Worte wie „Überlebenskampf“.

Oder dass seine Jungs „an und über die Schmerzgrenze“ werden gehen müssen. Und als dramaturgischer Höhepunkt folgt schließlich: „Wir sind neu in der Liga. Für uns wird jedes Spiel ein Finale sein. Die Jungs müssen sich deshalb wie Gladiatoren in der Arena benehmen. Bereit für den Kampf. Bereit, alles zu geben!“ Nun, dass die Badener Panther bereit sein werden, steht außer Zweifel. „Denn diese Mannschaft hat sicher über Jahre ein Sieger-Gen erarbeitet“, ist Peter-Michael Sagajewski überzeugt. Der Vorgänger vom 53-jährigen Bartolone und neuer Manager des TVB muss es wissen. Immerhin begleitet er einen Großteil der Crew bereits seit 13 Jahren. Hat sie geformt. Hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein Vorzeige-Team mit einer absoluten Erfolgsstory, die im großen Abenteuer 2. Bundesliga gipfelt. Gipfelt?

„Das erste Jahr ist das schwerste“

Geht es nach Sagajewski, dann ist das Bundesliga-Unterhaus noch nicht das Ende der Fahnenstange. Das klingt im ersten Moment völlig vermessen. Doch Stillstand wäre für den 58-Jährigen gleichzusetzen mit Rückschritt: „Also müssen wir zusehen, dass wir jetzt erst einmal die erste Saison in dieser Liga überstehen. Denn das erste Jahr ist das schwerste, da das Umfeld noch nicht zu 100 Prozent steht. Doch wenn es uns gelingt Fuß zu fassen, dann ist es doch erlaubt, sich an den Teams zu orientieren, die in dieser Liga die Musik spielen und spielten!“

Wie zum Beispiel Erstliga-Aufsteiger Helios Grizzlys Giesen. Oder der FC Schüttorf 09, der SV Lindow-Gransee, der VC Bitterfeld-Wolfen oder auch der CV Mitteldeutschland. Alle Klubs verfügen über viel Erfahrung – internationale Erfahrung.

Auch Sagajewski erhielt bereits kurz nach dem feststehenden Aufstieg erste Anfragen von Spielern, die sich durchaus vorstellen konnten, zukünftig für den TV Baden aufzulaufen. Es war ja bekannt, dass die Badener noch einen Außenangreifer suchten. Doch die, die gut genug

Geld gibt es beim TVB nicht zu verdienen

waren, stammten vornehmlich aus Tschechien oder Polen und wollten allesamt Geld. „Das aber gibt es bei uns nicht. Allerdings könnte ich mir durchaus vorstellen, dass wir irgendwann einmal Internatsabsolventen zu uns holen, die noch nicht die große Hand aufhalten.“

Bild mit Symbolcharakter: Artem Tscherwinski und Stefan Baum wollen den Abstieg abblocken.

Mannschaften wie Schüttorf & Co. müssen gegenüber dem Aufsteiger schon tiefer in die Tasche greifen. Denn dort baggern, schmettern und pritschen die meisten Akteure nur für eine ausgehandelte Summe X, die schon mal ein Monatssalär von rund 2500 Euro betragen kann. „Wir sind stolz, dass wir diese Liga mit selbst ausgebildeten Spielern erreicht haben. Doch natürlich entstehen auch uns noch erhebliche Kosten“, sagt der TVB-Manager. Allein an Gebühren fielen rund 8 000 Euro an, dieselbe Summe verschlangen Ausrüstung sowie Spielfeldveränderungen. Und die Reisekosten zu den Auswärtsspielen taxiert Sagajewski auf gut 18 000 Euro. Um diese Gelder aufbringen zu können, mussten die Badener schon eine Vielzahl an Klinken putzen.

Klar, dass da für erfahrene Neuzugänge oder gar internationale Spieler kein Cent übrig war und ist. Dennoch konnte das Badener Team personell etwas aufgestockt werden. Zwar zog sich Luca Ahrendt zurück und wird Li-

Spieler unterschreiben „Treuevertrag“

bero Leander Schulz wie bereits berichtet für ein halbes Jahr ins Ausland gehen. Dafür setzten aber in Jannik Haats, Björn Hagestedt (beide Mittelblocker) und Nils Mallon (Libero) die drei Leistungsträger vom Nachbarn Bremen 1860 ihren Namen unter den Lizenzvertrag (O-Ton Sagajewski: „Ich nenne ihn Treuevertrag“), der für eine Saison bindend ist und nicht gekündigt werden kann. „Die drei passen wie die Faust aufs Auge zu uns. Da ist keine Primadonna dabei. Das ist ganz wichtig“, urteilt Fabio Bartolone, der dreimal pro Woche (hinzu sollen demnächst noch zusätzlich zwei Tage im Kraftraum kommen) im Training daran arbeitet, dass der bereits eingeschworene Badener Volleyball-Haufen noch enger zueinanderfindet. „Denn nur mit Begeisterung, unbändigem Willen und Teamwork haben wir in der 2. Bundesliga eine Chance zu überleben!“

Bartolone als auch Sagajewski setzen zudem auf den Fan-Faktor, sagen: „Die enge Lahofhalle ist wie gemalt für einen Hexenkessel, in dem wir ein Feuer entfachen können, das auch noch gestandene Gegner beeindrucken und sogar etwas einschüchtern kann!“

Damit das große Ziel Klassenerhalt auch Realität werden kann, muss sich zudem noch im jungen Badener Team einiges verändern – sagt zumindest der Trainer: „Alle müssen absolut verinnerlichen, dass jedes Spiel nur noch mit Vollgas angegangen werden darf. Die Jungs müssen einen noch größeren Hunger auf Siege und ein noch größeres Selbstvertrauen entwickeln. Damit wir auch dann noch schlagkräftig sind, sollte es einmal nicht nach Plan laufen!“ Sagajewski unterstreicht das und setzt noch einen drauf: „Volleyball muss in der Freizeit jetzt die absolute Nummer 1 sein.“

Denn wie gesagt: Der 58-Jährige hat noch Visionen. Damit die sich erfüllen können, soll die 2. Volleyball-Bundesliga unbedingt gehalten werden. Egal wie. Geht es nach Motivator und Gladiatoren-Trainer Bartolone, dann bitte schön auch auf martialische Art.

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