Erst Jockey, dann Trainer: Achim-Bollener gibt alles für den Galopprennsport

Vollblüter sind Toni Potters Leben

2012 in Hamburg im Veteranen-Rennen feierte Toni Potter noch einmal einen Sieg im Sattel.
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2012 in Hamburg im Veteranen-Rennen feierte Toni Potter noch einmal einen Sieg im Sattel.

Achim-Bollen – Der 61-jährige Trainer von Galopprennpferden, Toni Potters aus Achim-Bollen, hat sich in früheren Jahren als Jockey und danach als erfolgreicher Trainer in ganz Deutschland einen Namen gemacht. Die englischen Vollblüter sind dabei sein Leben. Der gebürtige Niederländer hat als Jockey über 300 Rennen gewonnen und seine Bilanz als Trainer sind zur Zeit 140 Siege mit weiter aufsteigender Tendenz. Seit nunmehr 46 Jahren ist Potters dem Rennsport eng verbunden.

„Jetzt in Corona-Zeiten ist der Job als Trainer besonders schwierig. Es fanden in diesem Jahr längst nicht so viele Renntage wie sonst statt. Und was sehr schlimm war, ist, dass fast alle Rennpreise auf die Hälfte reduziert waren. Für kleine Besitzer ist das besonders bitter und teuer, sodass akut die Gefahr besteht, dass einige ihr spannendes Hobby nicht mehr finanzieren können“, befürchtet Toni Potters. Der Turf-Routinier, der in Achim-Bollen wohnt, ist seit November 2019 auf der Anlage in Bremen-Mahndorf zu Hause und trainiert dort mit seinem Team rund 30 Vollblüter. In diesem Jahr hat der 61-Jährige bis heute zehn Rennen gewonnen, eine in Corona-Zeiten durchaus positive Bilanz.

Eigentlich wollte Potters in jungen Jahren eine Lehre als technischer Zeichner machen, um später einmal Architekt zu werden. Doch sein vorgesehener Lehrherr ging schon vor Beginn der Ausbildung pleite und so kam er über das Arbeitsamt zum Rennsport, auch weil er nur 38 Kilo wog und so ein ideales „Jockeygewicht“ besaß. Er absolvierte eine Lehre bei Trainer Reiner Werning in Mühlheim an der Ruhr und ritt 1976 seinen ersten Sieger. Es folgten viele Erfolge für alle möglichen deutschen Trainer. Ob Arthur-Paul Schlaefke, Bruno Schütz, Josef Kappel oder Ferdinand Possberg, um nur einige zu nennen, alle gaben ihm eine Chance im Rennsattel. Der bedeutendste Erfolg gelang ihm 1981 in Italien, als er in Mailand im Gruppe I Rennen „Gran Premio Milano“ auf Navarino Platz drei belegte. Unter den 300 Siegen waren auch zwei Erfolge in Hindernisrennen. So gewann er über Sprünge in Mannheim die bekannte „Badenia“.

2005 beendete er seine Laufbahn als Jockey. Auch weil einige Stürze ihren Tribut gefordert hatten. 24 Monate später begann er auf der Rennbahn in Frankfurt-Niederrad seine Trainerlaufbahn und blieb dort fünf Jahre. Sein größter Erfolg war während dieser Zeit der Sieg mit Sir Oscar in einem mit 70 000 Euro dotierten Gruppe II Rennen in Hannover. „Ich habe danach zwar noch mehrfach Gruppen und Listenrennen gewonnen, aber der Sieg mit Sir Oscar war etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Potters gerne zurück. Weitere bedeutende Erfolge gelangen ihm mit Platz drei im Deutschen St. Leger 2016 mit der Stute Techno Queen oder in jüngster Zeit mit Dreamcatcher und Love Fifteen. Auch ein zweiter Platz im österreichischen Derby mit Moment of Glory konnten sich sehen lassen.

Nach fünf Jahren als Trainer in Frankfurt hörte er dort auf, weil er nur noch sieben Pferde im Training hatte. Es folgten unter anderem Jobs als Racing-Manager beim Gestüt Ittlingen (Werne) und am Stall von Trainer Andreas Wöhler. 2014 bekam Toni Potters ein Angebot von der Familie Jörgensen in Großenkneten. Es war ein Glücksfall. Zehn Trainer hatten sich dort um den Job beworben, aber der Niederländer erhielt den Zuschlag. Es begann eine sehr erfolgreiche Zeit. Potters blieb dort bis 2019 und hörte nur auf, weil die Familie Jörgensen den Rennstall aus gesundheitlichen Gründen aufgab. „Ich habe danach zwar wieder etwas Neues gesucht, aber ich wollte kürzer treten.“ Doch daraus wurde nichts. Seit dem 1. November 2019 wohnt er nun in Achim und ist auf der Trainingsanlage in Mahndorf tätig, bereitet dort inzwischen wieder rund 30 Pferde auf ihre Rennen vor.

„Es ist eine tolle Anlage hier in Mahndorf, die Arbeit mit meinen drei Mitarbeitern und meiner Tochter Marissa macht mir sehr viel Spaß. Bleibt nur zu hoffen, dass es im kommenden Jahr mit dem Rennsport wieder besser wird und zumindest das Preisgeld wieder auf Normalniveau ansteigt. Ist das nicht der Fall, werden viele kleine Besitzer dieser attraktiven Sportart aus Kostengründen den Rücken kehren“, fürchtet Toni Potters.

Der Job eines Trainers ist ein sehr harter. Jeden Morgen um 5.30 Uhr ist Potters bereits auf der Anlage, um nach seinen Pferden zu sehen. Nach der Fütterung beginnt das Training, das bis 13 Uhr andauert. Unterstützt wird er, wie schon erwähnt, unter anderem auch von seiner Tochter Marissa, die ein Fernstudium absolviert und schon für ihren Vater erste Rennen geritten hat. Am Nachmittag wird dann nochmals nach den Vollblütern gesehen. „Ich bin aber nicht nur Trainer und Futtermeister, sondern kümmere mich auch um die Nennungen für die Rennen. Das mache ich allein und nicht die Besitzer, denn ich kenne meine Pferde am besten“, ist der 61-Jährige in diesem Punkt eigen.

Zudem sind Rennen in ganz Deutschland angesagt. Potters ist in Fachkreisen dafür bekannt, dass er besonders bei den Meetings stark auftrumpft, bestens vorbereitete Vollblüter an den Start schickt. Daher hat er auch schon viele Rennen in Baden-Baden, Hamburg, Bad Doberan oder Bad Harzburg gewonnen. „Wegen der Corona-Krise sind aber einige ausgefallen. Das war bitter für mich“, sagt der Trainer.

Dennoch: Toni Potters kann sich nicht vorstellen, ohne die schnellen englischen Vollblüter auszukommen. „Sie sind mein Leben und werden es auch bleiben. Auch wenn im Moment die Situation nicht rosig ist, aber es werden wieder bessere Zeiten kommen“, ist der 61-Jährige aus Achim-Bollen optimistisch.

Von Jürgen Honebein

Auch einige schwere Stürze führten dazu, dass Toni Potters seinen Job 2005 als Jockey an den Nagel hängte.
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