Neubarth-Assistent entwickelt Trainings-Programm / „Wichtig ist die Kommunikation“

Verdener halten sich fit – mit Dreßlers App

Sie sind zwar zur Untätigkeit an der Seitenlinie verurteilt – mit einer von Co-Trainer Andreas Dreßler (links) entwickelten Fitness-App kann Chefcoach Frank Neubarth seine Verdener Landesliga-Fußballer jedoch mit Übungen beliefern. Archiv-Foto: Ingo Wächter

Verden - Von Ulf Von Der Eltz. Die Idee hatte Andreas Dreßler eigentlich schon am Saison-Beginn gehabt, als er zu seinem Amt angetreten war. „Ich habe Frank Neubarth auch mal vage angesprochen. Er wusste aber nicht, dass ich darauf hinarbeite“, erläuterte Andreas Dreßler, Co-Trainer des Fußball-Landesligisten FC Verden 04, am Sonntag auf Nachfrage dieser Zeitung. Gemeint ist eine Trainings-App, die der 61-Jährige der Mannschaft vorgestellt hat und die schon in dieser Woche genutzt werden soll.

So makaber es auch klingen mag: Gerade in der Corona-Krise, in der gemeinschaftliches Üben strengstens untersagt ist, hilft die App ungemein weiter. „Ja, das Schlechte hat in diesem Fall auch was Gutes“, spricht es Dreßler vorsichtig aus. Der Mann, der schon seit vier Jahren als Verkaufstrainer arbeitet, hatte in den vergangenen Wochen genug Zeit, diese einzigartige Trainings-App für seinen FC Verden 04 fertig auszuarbeiten: „Ich hatte schon länger geplant, damit praktisch an die Öffentlichkeit zu gehen, nun ist der richtige Moment gekommen.“

Dreßler hatte sich einst mit einem System-Ingenieur zusammen getan. Er selbst liefert die Ideen für Übungen, der Kollege schreibt die Codes und sorgt dafür, dass die technischen Möglichkeiten geschaffen werden, alles zu den Spielern zu übermitteln. Der Verdener hat die Projektleitung inne. Da zurzeit in diesem Bereich kaum Aufträge kommen, konnte sich Dreßler intensiv der Fertigstellung der App für die Kicker vom Hubertushain widmen.

„Das Wichtigste ist, dass wir die Möglichkeit haben, so mit den Spielern zu kommunizieren und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Und wir haben auch schon ein richtig starkes Feedback aus der Mannschaft bekommen, der Vorstand hat sich ebenfalls riesig gefreut“, meint Neubarths Stellvertreter. Es wird ein Link eingebaut, unter dem der Chefcoach Übungen ins System stellen kann, die dann von den Aktiven mitgemacht werden. Beginnen sollen die Spieler damit in dieser Woche. Dreßler: „So halten sie sich idealerweise an den Trainingstagen in ihrem privaten Umfeld selber fit.“

Jeder FC-Kicker erhält eine sogenannte Sedcard, mit der er sich einloggen kann, eine Art Visitenkarte. „Alle haben praktisch ihre eigene Story, können sich orientieren. Es gibt auch bestimmte Gruppen, die dann beispielsweise Übungen für die Viererkette absolvieren. So geben wir übers Internet das weiter, was wir sonst persönlich an den Trainingsarbeiten kommunizieren würden“, beschreibt der 61-Jährige das Prozedere. Es soll sogar ein Meetingroom eingerichtet werden, in dem innerhalb von zwei, drei Minuten eine Konferenz eingebaut werden kann.

Die Verdener bewegen sich dabei in einer absolut sicheren Umgebung, können auch selbst Beiträge reinstellen. Dreßler motiviert die Kicker: „Wir wollen die besten Beiträge prämieren.“ Der FC-Co-Trainer denkt bei erfolgreichem Verlauf auch einen Schritt weiter: „Ich stelle mir vor, dass wir dann Ideen ebenfalls für andere Vereine sowie andere Sportarten präsentieren werden.“

Über diese Möglichkeit der Kommunikation freut sich Frank Neubarth ungemein. „Zunächst haben wir uns online darüber ausgetauscht, wie es jedem einzelnen geht und wie sich der Tagesablauf darstellt. Und natürlich haben wir uns dann auch über Fußball unterhalten“, galt das Interesse des FC-Coaches erst einmal den persönlichen Befindlichkeiten seiner Schützlinge. Wobei der 57-Jährige die App als willkommene Unterstützung in Zeiten der Corona-Krise ansieht: „Damit halten die Spieler ihren Körper fit, sind alle zwei Tage mit Lauf- oder Kraftübungen aktiv. Das ist enorm wichtig, damit sie ein gewisses Ziel vor Augen haben. Ein richtiges Fußballtraining kann man aber nicht simulieren.“

Wann er die Seinen zurück auf den Platz bitten wird, wenn er es denn wieder dürfte, weiß der Ex-Profi indes noch nicht – zu offen ist, wann die in Niedersachsen zunächst bis zum 19. April verbotenen gemeinsamen sportlichen Betätigungen wieder erlaubt werden: „Hast du keinen Zeitpunkt als Ziel, an dem du wieder spielen kannst, macht ein Training auf dem Platz nur depressiv.“

Zumal für Neubarth im Moment ohnehin ganz andere Sachen im Vordergrund stehen als der Fußball: „Unseren Bereich kann man ja nicht mit dem Profi-Bereich vergleichen, wo es neben der Gesundheit ums Überleben von Klubs, Geld und Geisterspiele geht.“ Alles stehe im Amateurfußball hinter der Eindämmung der Epidemie an. Daher macht sich der ehemalige Werderaner auch keine Gedanken über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Spielbetriebes im hiesigen Bereich: „Wir müssen sehen, was die Behörden uns vorgeben. Es sieht doch eh von einem Tag zum nächsten wieder anders aus. Und wenn man Virologen-Meinungen hört, dass noch ganz lange überhaupt nicht gespielt werden sollte, bleibt alles andere reine Spekulation. Diese anzustellen, verbietet allein schon der Respekt vor der übermenschlichen Aufgabe, die Infizierungen einzudämmen.“

Und doch könnte sich Neubarth ein Szenario vorstellen, in dem die Saison überhaupt nicht mehr fortgesetzt wird – mit welchen Entscheidungen über Titel, Auf- und Abstiege dann auch immer: „Man muss sich ja vor Augen halten, dass hier englische Wochen meiner Meinung nach überhaupt nicht durchführbar sind. Die Spieler müssen ja schließlich täglich arbeiten.“ Egal, wie es kommen wird: Fithalten können sich Verdens Landesliga-Kicker in der Corona-Krise jetzt, wann sie wollen – mit der App ihres Co-Trainers Andreas Dreßler.

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