Verdener Fußball-Profi findet bei Osmanlispor sein Glück / „Ich denke deutsch, ich lebe deutsch“

Bilal Aziz: Rückkehr in die Süper Lig

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Von Frank von Staden. Am 10. Januar 2010 scheint die bis dahin steile Profi-Karriere des Verdeners Bilal Aziz Özer ein jähes Ende zu nehmen, als ihn sein damaliger Fußball-Club Kayserispor suspendiert, nachdem der heute 29-Jährige in Verdacht steht, Spielmanipulationen betrieben zu haben (wir berichteten). Danach verschwindet der quirlige Linksfuß lange in der Versenkung. Nun aber kehrt er zurück auf die große Bühne des Fußballs, steigt mit seinem jetzigen Verein Osmanlispor als Tabellenzweiter der 1. türkischen Liga direkt in die Süper Lig auf.

Aziz, der das Fußball-Einmaleins beim damaligen TSV Verden lernt und über die Jugend des FC Schalke 04 beim VfL Osnabrück erstmals Profiluft schnuppert (2007), hat sportlich in den vergangenen Jahren durchaus ein wildes Leben geführt.

Als der Defensivspieler in der Vorbereitung zur Saison 2012/2013 dann beim TSV Ottersberg auftaucht, um sich als Vereinsloser in der Oberliga fit zu halten, ist Bilo, wie ihn seine Freunde nennen, am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt. Denn nach seiner Verhaftung damals auf dem Flughafen von Adana gilt er nicht nur am Bosporus als geächtet. „Gerade in der Türkei wird man sehr schnell der Manipulation bezichtigt, wenn man Fehler auf dem Platz macht. Greift ein Torwart daneben, gehen sofort die Gerüchte los“, schüttelt da Aziz heute noch den Kopf. Auch ihm wurde längst von einem türkischen Sportgericht bestätigt, dass die damaligen Anschuldigungen gegen ihn nicht haltbar seien. „Drei Richter haben das unterschrieben“, schwört Aziz und fügt dann schnell an: „Noch heute bin ich dem TSV Ottersberg dankbar, dass er mir damals die Chance gab, mich fit zu halten. Ein Glücksfall.“ Denn zur Winterpause 2012/2013 erinnert sich der türkische Drittligist Konya Sekerspor an die Qualitäten des sprintstarken Spielers mit dem feinen Ballgefühl und verpflichtet ihn. Der Bann ist gebrochen.

Von jetzt an geht es nur noch bergauf. Nur fünf Monate später unterschreibt er beim Stadtrivalen und Zweitligisten Torku Konyaspor. Mit dem Beginn der Wintertransferperiode 2012/13 wechselte er zum Zweitligisten Kayseri Erciyesspor, mit dem es schnell in die 1. Liga geht. „Doch dann sind wir bei anstehenden Vertragsverhandlungen zur neuen Saison in den Gehaltsvorstellungen doch etwas auseinander gedriftet“, grinst Bilo Aziz da vielsagend. Was auch erklärt, warum es erneut zu einem anderen Club geht.

Mit seinem damaligen Trainer Osman Özköylü und fünf weiteren Spielern heuert er beim Ligarivalen Ankaraspor an, mit dem er 28 Spieltage die Tabelle anführt, die Meisterschaft und auch den Aufstieg aber noch verspielt.

Der gelingt mit demselben Verein, der sich nun aber Osmanlispor FK nennt, aber dann in der gerade abgelaufenen Saison. Der Linksverteidiger läuft mit Osmanlispor auf Rang zwei ein. „Mein zweiter Aufstieg in die Süper Lig“, jubelt Aziz, der dann auch am vergangenen Donnerstag seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert und ein doch interessantes Angebot aus der deutschen 2. Liga ablehnt. „Finanziell stehe ich mir in Ankara sehr gut. Warum also wechseln?“

Nun, vielleicht um etwas mehr Freiheit zu genießen?

Denn bei Osmanlispor muss Aziz, der am 1. Juli seinen 30. Geburtstag feiern wird, im dortigen Internat leben. „Müssen alle Unverheirateten. Der Trainer glaubt, wir würden sonst mit dem dortigen Nachtleben in Konflikt geraten“, verrät der gebürtige Libanese (Beirut) und setzt sein lausbübisches Grinsen auf.

Auch aus seinem Geburtsland gibt es bereits Anfragen, ob er sich vorstellen könne, für den Libanon zu spielen. Doch für Aziz, der sooft wie möglich seine Familie in Verden besucht, ist das kein Thema: „Ich bin kein libanesischer Staatsbürger, nur dort drüben geboren. Mich verbindet nichts mit diesem Land. Ich bin ein Deutscher mit türkischem Pass. Ich denke deutsch, ich lebe deutsch. Und das wird so bleiben!“

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