A-Jugend unterliegt Dresden

Verden-Aller ganz nah dran – aber 31:32

Lukas Seliger, A-Jugend-Handballer der HSG Verden-Aller im Spiel gegen Dresden.
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Nach seinem Aus kippte die Partie: Lukas Seliger, der sich hier in der Dresdner Abwehr durchsetzte, traf neunfach – aber Verden-Aller verlor 31:32.

Verden – An diesem Handball-Krimi hätte Alfred Hitchcock seine wahre Freude gehabt. An Dramatik war das Relegation-Spiel zur Bundesliga der A-Jugend vor einer mit 350 Zuschauern glänzend besetzten Aller-Weser-Halle nicht zu überbieten. Die HSG Verden-Aller zog mit viel Pech 31:32 (16:15) gegen den HC Elbflorenz 2006 den Kürzeren.

Allerdings hat das Team von Übungsleiter Sascha Kunze schon am Mittwoch um 19:30 Uhr beim TSV Anderten die Gelegenheit, durch einen Sieg noch von der Eliteklasse der A-Jugend träumen zu dürfen. Bei einer vergleichbaren Leistung ist es nicht undenkbar, dass die HSG in Hannover besteht. „Wir haben uns echt den Arsch aufgerissen und wollen in Anderten die finale Chance beim Schopfe packen“, befand der wie aufgedreht spielende Louis Beyer. Auch Keeper Niklas Kriegel, der Elbflorenz mit starken 16 Paraden (fast) den Schneid abkaufte, befand: „Beide Teams haben krass gekämpft. Wir müssen die Niederlage hinnehmen. Doch in Anderten geht es wieder bei 0:0 los.“

Lukas und Paul Selinger scheiden verletzt aus

Noch in Minute 43 segelte das Kunze-Team gegen Dresden beim 25:21 (45.) durch Linkshänder Beyer klar auf Kurs. Die Menge tobte – auch beim 29:27 (53.) hatte die HSG noch allerbeste Siegchancen. Jetzt rächte sich, dass Verden nicht über eine gute Zweitbesetzung der Stammsieben verfügten. Nacheinander fielen der neunfache Torschütze Lukas Seliger, der hinter dem Zeitnehmertisch von Physiotherapeutin Maria Schläger am linken Fuß behandelt wurde und tatenlos zusehen musste, als auch Bruder Paul aus. „Lukas konnte zumindest am Sonntag nicht laufen und Paul bekam einen Schlag auf den Kopf“, ließ Mutter Anke am Tag danach wissen. Danach waren die Sachsen, die um 9 Uhr die 450 Kilometer Anreise in Angriff genommen hatten, zur Freude ihrer Fans am Drücker.

Spätestens beim 29:29 (55.) durch Maurice Niestroj bekam das HSG-Boot doch arg Schlagseite und die dramatischen letzte Minute stand bevor. Beim 31:31 hielt Keeper Kriegel einen Siebenmeter und im nächsten Angriff kullerte der Wurfversuch von Verdens Rechtsaußen Nick Jäger nur an den Pfosten. Den folgenden Gegenstoß unterband Tom Lasse Blatt (angeblich) regelwidrig. Folge war eine Disqualifikation und regelkonform ein Strafwurf. Linkshänder Linke brachte das Spielgerät an Kriegel vorbei im Gehäuse unter. „Selten habe ich einen unverdienteren Sieger gesehen. Das bessere Team geht leider ohne Punkte nach Hause“, befand Coach Kunze, während der neunfache Torschütze Lukas Seliger haderte: „Wir haben die ganze Zeit geführt, aber wir haben den Sack nicht zugemacht.“

Kunze-Team macht Fans Appetit auf Bundesliga-Handball

Noch zu Beginn hatte das Team um den Top-Torschützen alles andere als gut ins Spiel gefunden. Doch nach dem 5:8 (12.) schwamm sich die Kunze-Sieben frei. Nach engagiertem Spiel gelang Kreisläufer Conrad Meierhaus die umjubelte erste Führung– 10:9 (18.). Auch in der Folge machten die Allerstädter ihren Fans Appetit auf Bundesligahandball und hatten die Sachsen total im Griff. Doch die Jungs um den überragenden Spielmacher Niestroij, der schon im Zweitligakader des HC mittrainiert, hatten immer eine Antwort. Und auf die Letzte konnten Gastgeber um Spielgestalter Tom Lasse Blatt, der beim 31:30 (58.) den letzten HSG-Treffer gesetzt hatte, nicht mehr antworten, da die Zeit abgelaufen war. Doch die Fans gingen nach atemberaubendem Match begeistert nach Hause.

Verden-Aller: Niklas Kriegel, Thorben Holle; Malte Emigholz, Nick Jäger, Conrad Meierhans (4), Luca Riechelmann, Paul Seliger (1), Niklas Nowak, Lasse Metzing (5), Kevin Bröcker (1), Tom Lasse Blatt (6/3), Louis Beyer (5), Lukas Seliger (9).

Dresden: Willy Reimer, Lucas Willkommen; Julio Wellmer (3), Maurice Niestroj (9/1), Albrecht Lange, Nico Planken (5), Vincent Richter, Laurenz Bohner, Lucas Schlegel, Moritz Schnurpel (5),Demija Linke (6/1), Kenneth Imm (1), Luca Stolze (4).

Die Stimmen zum Handball-Krimi

Sascha Kunze (Coach HSG): Selten habe ich einen unverdienteren Sieger gesehen. Wir boten eine tolle Vorstellung, aber wir haben unsere Chancen einfach nicht verwertet. Mit einer solchen Partie am Mittwoch in Anderten ist es noch absolut machbar.

Henning Cal, Fabian Metzner (Trainergespann Elbflorenz): Mit unserer viel offensiveren Abwehr haben wir am Ende die nötigen Ballgewinne geholt. Uns gelangen die einfachen Tore und haben es jetzt mehr als in eigener Hand.

Lars Blatt (HSG-Trainer): Nach Spielende haben ein Schiedsrichter und der HC-Spieler gesagt, dass mein Sohn Tom Lasse den Spieler gar nicht berührt habe. In meinen Augen ein unberechtiger Siebenmeter und ohne Kontakt ist das auch keine Rote Karte.

Niklas Kriegel (Keeper HSG): Die Niederlage war eindeutig Pech. Beide Teams haben krass gekämpft und wir müssen das jetzt hinnehmen. Mein gehaltener Siebenmeter in der letzten Minute gab uns nochmal die Chance auf den Sieg. Am Mittwoch versuchen wir, das Ding noch zu biegen. In einem möglichen Dreiervergleich hoffen wir, auf einem der ersten beiden Plätze zu stehen. Dafür müssen wir allerdings in Hannover gewinnen.

Lasse Metzing (HSG -Akteur): Echt bitter. Wir haben fast die ganze Zeit geführt und am Ende liegst du einen hinten. Doch am Mittwoch ist alles offen und ich hoffe alle sind wieder fit. Das war eine Kampfansage an Anderten.

Louis Beyer (HSG-Linkshänder): Das war eine sehr unglückliche Niederlage, denn wir haben uns echt den Arsch aufgerissen. Wir haben noch alles in eigener Hand und wir spielen in Hannover, um unsere finale Chance noch in die Bundesliga aufzusteigen. Dem Gegner sind einfach zu leichte Treffer geglückt.

Von Björn Lakemann

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