Pascal Döpke und das Schambein: Vom Fußballer des Jahres zum Sofa-Kicker

Verdammt lang her

Hier im Spiel gegen Scharmbeckstotel war für den damaligen Oytener Pascal Döpke noch alles gut. Doch im Laufe des Jahres 2018 begannen dann die Probleme.  fOTOS: von Staden
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Hier im Spiel gegen Scharmbeckstotel war für den damaligen Oytener Pascal Döpke noch alles gut. Doch im Laufe des Jahres 2018 begannen dann die Probleme. fOTOS: von Staden

Achim/Etelsen – Er muss kurz überlegen, dann aber weiß Etelsens verhinderter Torjäger Pascal Döpke, der bereits seit einem Jahr zu den Schlossparkkickern gehört, für die Blau-Weißen aber noch nicht eine einzige Minute gespielt hat, doch recht genau, wann er sein letztes Punktspiel in der Fußball-Bezirksliga bestritten hat: „Für den TV Oyten am 28. Februar 2019 – gegen Bassen muss das gewesen sein. Knapp 30 Minuten habe ich da gespielt, dann hat mir mein Schambein wieder einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Dieses verdammte Schambein! Es hat den ehemaligen Oytener Senkrechtstarter, der 2017 zum „Fußballer des Jahres im Landkreis Verden“ gewählt wurde, unzählige schlaflose Nächte mit starken Schmerzen bereitet. Denn schon vor der Partie gegen Bassen verspürt der 24-Jährige immer wieder Schmerzen in der Leistengegend. „Erst hieß es, es wird eine Adduktorenzerrung sein. So habe ich mit dem Training ausgesetzt, besser wurde es aber nicht. Immer wieder habe ich es probiert, mit jedem Schuss aber wurden die Schmerzen unerträglicher“, erinnert sich der BWL-Student.

Ein MRT gibt dann Gewissheit: Döpke leidet an einer Schambeinentzündung. Eigentlich nicht Schlimmes. „Für mich allerdings schon, denn bei mir half im Grunde gar nichts.“ Schnell merken die Ärzte, dass der Stürmer mit dem eingebauten Turbo ein Sonderfall ist. Denn egal, welche Behandlung er verordnet bekommt, nichts schlägt an, verschafft Linderung oder gar Heilung. „Erst wurde mir Physiotherapie verschrieben, dann eine Stoßwellentherapie. Als beides nichts half, gaben sie mir Tabletten, zuletzt Kortisonspritzen – nichts. Und nun soll ich am 7. September bei einem Spezialisten in Osnabrück unters Messer. Meine letzte Chance quasi“, klärt der gebürtige Achimer auf.

Und wenn das nicht hilft?

Döpke mag nicht darüber nachdenken, für ihn ist das Glas halb voll und nicht halb leer. „Mit diesem Gedanken will ich mich einfach nicht beschäftigen. Ich bin keiner, der im Vorfeld den Teufel an die Wand malt. Aber es stimmt schon irgendwie, die OP ist quasi der letzte Strohhalm, den ich greifen kann.“

Der operierende Arzt hat dem Vollblutstürmer Hoffnung gemacht, dass er nach erfolgreichem Eingriff bereits sechs Wochen später wieder ins Training einsteigen könnte. Doch auch wenn Döpke dann schmerzfrei bleiben sollte, weiß er natürlich, dass er noch einen langen Weg gehen muss, ehe er es in den Kader des TSV Etelsen schaffen könnte. Denn es ist schon verdammt lang her, seit der in Bremen-Schwachhausen wohnende Döpke zuletzt gegen den Ball getreten hat: „Mein Körper ist völlig verweichlicht. Zumindest in den Beinen. Joggen kann ich zwar ohne Schmerzen, doch das hat ja nun mal wenig mit dem Fußball zutun. Jetzt aber habe ich zumindest wieder ein Ziel, für das es sich zu arbeiten lohnt. Das hatte ich zuletzt einfach nicht mehr. Da war ich ja höchstens ein Sofa-Kicker!“

Dieses Ziel, das er da hat, heißt Rückrunde. Oder zumindest ein paar Minuten Einsatzzeit in dieser Landesliga-Saison. Denn deshalb ist er ja vor einem Jahr vom TV Oyten an den Schlosspark gewechselt. „Wir alle, Mannschaft, Trainerstab als auch die sportliche Leitung des TSV Etelsen und vor allem ich haben zwar gewusst, dass ich mit dieser Verletzung nicht sofort einsteigen könnte. Aber dass es zu einer so ewig lang dauernden Geschichte werden würde, damit konnte einfach keiner rechnen“, fühlt sich Döpke aber dennoch als ein vollwertiges Mitglied des Landesliga-Aufsteigers.

Einen kleinen Seitenhieb, einen Spruch, eine Frotzelei – Pascal Döpke hat nie etwas in dieser Richtung seitens seines „neuen“ Teams erhalten. „Im Gegenteil. Die stehen voll zu mir, bauen mich auf, machen mir Mut. Dafür bin ich sehr dankbar“, versucht der Angreifer so oft wie möglich beim Training und natürlich allen Spielen vorbeizuschauen. „Nur muss ich dabei immer etwas in Bewegung bleiben. Denn außer schießen und schnellen Drehungen kann ich auch nicht lange auf der Stelle stehen. Selbst manche Sofa-Liegevarianten gehen gar nicht. Ja, das ist alles schon verrückt. Und ich mache drei Kreuze, wenn endlich alles vorbei ist und ich den ganzen Scheiß endlich hinter mir habe!“

Von Frank Von Staden

Erst wurde mir Physiotherapie verschrieben, dann eine Stoßwellentherapie. Als beides nichts half, gaben sie mir Tabletten, zuletzt Kortisonspritzen – nichts.

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