INTERVIEW Ex-Coach Thomas Cordes über Lage der TVO-A-Jugend / „Internate unerlässlich“

„Verbandsliga schon die richtige Klasse“

Hält sich immer auf dem Laufenden: Thomas Cordes, Ex-Trainer der Oytener Bundesliga-A-Jugend. Foto: Lakemann

Oyten - Von Björn Lakemann. Der Erfolg des TV Oyten, der beachtliche zwei Spielzeiten in der Bundesliga der A-Jugend unterwegs war, basierte auf mehreren Gesichtspunkten. Das betont Trainer Thomas Cordes nachdrücklich. Doch der Ottersberger, zurzeit Übungsleiter der Auswahl des Handballverbandes Niedersachsen (HVN) im Jahrgang 2005, hatte einen wesentlichen Anteil. Vom zweiten Jahr in der C-Jugend schaffte es der 35-Jährige, das Team bis zum größten Erfolg mit der Qualifikation für die Bundesliga zu führen. Im Interview mit dieser Zeitung spricht Cordes über seine neuen Ziele und gibt einen Ausblick auf die nächsten Jahre.

Sie haben die Entwicklung der A-Jugend-Bundesligaspieler beim TVO maßgeblich mit beeinflusst. Gab es im Team viele Rohdiamanten oder wie groß ist Ihr tatsächlicher Anteil?

Na ja, sowohl als auch. Durch meine Vorgänger wie Jürgen Prütt waren die Jungs natürlich positiv vorbelastet. Ich habe sie auf einem ordentlichen Niveau übernommen und noch einiges draufgepackt. Für einen Trainer ist es schon attraktiv, ein solches Team zu übernehmen. Die Voraussetzungen, die Bundesliga zu erreichen, waren schon sehr gut. Im ersten Jahr in der Beletage mit den Jahrgängen 1999/2000 habe ich noch viel Entwicklungspotenzial gesehen. Und das hat sich dann ja auch erfüllt.

Sehen Sie einen ihrer Schützlinge, die sich in den zwei Jahren Bundesliga unter ihren Fittichen hatten, über kurz oder lang in der ersten oder zweiten Bundesliga?

Das ist derzeit schwer zu beurteilen. Die Jungs müssen erst mal im Herrenbereich ankommen. Die Bundesliga der A-Jugend ist mit der Oberliga gleichzusetzen, wie man in unseren Testspielen gegen die SG Achim/Baden sehen konnte. Im Herrenbereich kommt den Punkten Körperlichkeit und Stabilität eine noch größere Bedeutung zu. Meine Trainingsarbeit hat den Jungs die handballerischen Werkzeuge mitgegeben. Allerdings kommen jetzt auch andere Gesichtspunkte wie beispielsweise eine Berufsausbildung zum Tragen – und da setzt jeder seine Prioritäten.

Mit der Qualifikation für ein drittes Jahr in der Beletage des deutschen Handballs hat es nicht geklappt, die A-Jugend spielt jetzt in der Verbandsliga. Fehlte einfach die sportliche Qualität oder lag es vielmehr an den Strukturen beim selbst ernannten Dorfverein TV Oyten?

Es war schon im Vorfeld klar, dass der dritte Anlauf ungleich schwieriger werden würde. Schließlich galt es, neun Weggänge zu verkraften, und es kamen neue Trainer. Das muss sich erst mal einspielen und viele Dinge sind auch unglücklich verlaufen. Doch die Verbandsliga ist derzeit schon die richtige Klasse. Hier können sich die Jungs bestmöglich entwickeln und schnuppern teilweise schon in den Herrenbereich hinein. Wie derzeit Leonhard Fischer oder auch Max Sell. Zu meiner Zeit verfügten wir über ein eingespieltes Team, solch extreme Fluktuation mussten wir nie bewältigen.

Sie haben schon viele verschiedene Trainertypen kennengelernt. Welcher Stil ist der ideale?

Auch das ist schwer zu beantworten. Lars Müller-Dormann und Marc Winter machen beim TV Oyten einen hervorragenden Job und haben einen Plan. Beim Oberligisten SG Achim/Baden ist es Tobias Naumann gelungen, die Mannschaft nach einem äußerst schwierigen Start in die Erfolgsspur zu führen.

Wie beurteilen Sie das Vorhaben in Bremen, mit dem Sportinternat den nächsten Schritt zu machen?

Da darf man sich keine Illusionen machen. Wenn man im Konzert der Großen in den Bundesligen mitspielen will, ist so etwas unerlässlich. Es muss definitiv der absolute Leistungsgedanke herrschen, um die höchste Spielklasse zu realisieren. Bei einem Konzept Schule und Internat sind logischerweise viel mehr Trainingsmöglichkeiten gegeben. Nicht wie beim TV Oyten, als kurz vor den Einheiten noch schnell ein Butterbrot verspeist wurde oder die Hausaufgaben im Zug bei der Anreise bewältigt wurden.

Ist eine solche Herangehensweise auch im Kreis Verden zu verwirklichen?

Derzeit bröckelt es im Handball schon stark im Jugendbereich. Es müsste gelingen, die Mädchen und Jungs schon viel früher für unseren Sport zu gewinnen. Man soll zwar niemals nie sagen. Allerdings muss man sich damit auseinandersetzen und so was ist nicht von jetzt auf gleich aus der Schublade zu ziehen. Man muss sich die Frage stellen, in welchen Sportarten das Sinn macht, und die Leistungsförderung sollte an Schulstandorten geschehen. Ein guter Anfang wäre, zweimal die Woche handballspezifisch in der Schulzeit zu trainieren. Das ist für Dorfvereine ungleich schwieriger zu realisieren.

Die etablierten Handballteams schnappen immer wieder die größten Talente weg. Wie entscheidend ist es, wie hoch die Seniorenteams spielen?

Das Scouting-System hat sich grundlegend geändert. Da wird schon viel früher gesichtet und die besten Talente erkannt. Hier haben wir in der Umgebung nicht viel zu bieten. Dazu braucht man viel Power, die Vereine müssen den Input schaffen und Bock haben, etwas zu entwickeln. Es muss gelingen, Vorbilder für den Nachwuchs zu entwickeln. Wie es damals in Oyten glückte.

Im Kreis Verden geht die Entwicklung auch immer mehr auf bestimmte Vereine wie TV Oyten oder HSG Verden-Aller, zu denen es die größten Talent zieht. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Das ist ja eine generelle Entwicklung. Die Bereitschaft auf das Ehrenamt fehlt und es gelingt immer weniger, die Kinder zu motivieren. Bei den vielfältigen Möglichkeiten wird es immer schwerer. Doch das ist der normale Lauf der Zeit, es muss gelingen, den Handball wieder breiter aufzustellen. Denn aus einer größeren Breite entwickelt sich nämlich eine qualitativ gute Spitze.

Ihr damaliger Co-Trainer Lennart Lingener ist derzeit bei der Bundesliga-A-Jugend im Leipzig involviert. Sören Blumenthal coacht kommende Spielzeit Oyten II in der Männer-Regionsoberliga. Wann ist mit Ihrer Rückkehr auf die Bank eines Vereinsteams zu rechnen?

Stand jetzt würde ich eine Rückkehr in die Vereinsarbeit, zumindest in der nächsten Saison, zu 99 Prozent ausschließen. Ich hatte einige Anfragen vorliegen und habe schon eine hohe Affinität, etwas zu entwickeln. Allerdings muss das passen und mein Bauchgefühl bei einer neuen Aufgabe stimmen.

Wie wirkt sich eigentlich die Corona-Krise auf die Arbeit mit der Niedersachsenauswahl aus?

Das ist schon wirklich extrem. Alle aktuellen Maßnahmen sind bis auf Weiteres erst mal ausgesetzt.

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