Die vier „Corona-Varianten“: Wie angreifbar und machbar sind sie wirklich?

Der Unmut der NFV-Basis

Nur das zählt für die meisten Vereine in Niedersachen: Ein Spielabbruch – und zwar ohne Absteiger. Foto: imago-images

Verden/Barsinghausen - Von Frank Von Staden. Es brodelt an der Basis des niedersächsischen Fußballs. Und zwar gewaltig. So stoßen die vier vorgeschlagenen „Corona-Varianten“ des Verbandes (wir berichteten ausführlich) fast stündlich auf immer weniger Gegenliebe. Vor allem die Szenarien drei und vier, also die Annullierung sowie die Fortsetzung der Saison 2019/20, rufen bei fast allen Vereinen Unverständnis, pures Kopfschütteln hervor

Zudem herrscht derzeit viel Halbwissen. Denn so manche Info, die der Niedersächsische Fußballverband (NFV) zuletzt öffentlich machte, sorgte mehr für Irritation denn für Aufklärung. „Deshalb soll am Sonnabend mit dem geplanten Webinar alles versucht werden, um für die Vereine absolute Klarheit zu schaffen“, sagt da der Verbandsspielausschuss-Vorsitzende Jürgen Stebani, der weiß, dass an der Basis großer Wissensdurst herrscht. Er macht aber auch gleich deutlich, dass es zu keiner erneuten Abstimmung der Vereine über eine der Varianten kommen wird: „Dafür sind jetzt nur noch die zuständigen Gremien verantwortlich.“ Heißt im Klartext: Nur noch auf dem geplanten außerordentlichen Verbandstag Ende Juni wird es eine Entscheidung geben. Bis dahin dürfte sich das NFV-Präsidium sowie der Verbandsvorstand auf eine Variante festgelegt haben, die dann die Kreisvorstände abnicken sollen – oder auch nicht.

Gut möglich aber auch, dass die Vereine, die sich zuletzt mehrheitlich für einen weichen Abbruch (Variante 2 mit einem Aufsteiger, keinen Absteiger) entschieden hatten, ihren Kreisvorsitzenden doch noch zu einer Umorientierung drängen könnten. Denn zwar wirkt die Variante „Annullierung und Wiederholung der Saison“ auf dem ersten Blick am sinnlosesten, auf den zweiten aber dann zumindest finanziell von Vorteil. „Es stimmt – und das ist kein Geheimnis, dass diese Variante am angreifbarsten ist“, gibt Stebani zu, will sich dann aber dazu nicht weiter äußern. Fakt ist aber, dass die gerichtlichen Chancen für eventuell klagende Klubs auf finanziellen Schadensersatz (u.a. Trainer-, Spielergehälter) einer dann nicht stattgefundenen Saison nicht schlecht stehen würden.

Spinnt man diesen Gedanken weiter, so hätten bis auf die momentanen Tabellenersten, die den Aufstieg verpassen würden, alle Vereine, vom Zweiten bis zum Tabellenletzten, wirtschaftliche Vor- und sportlich keine Nachteile. Schon deshalb deutet Stebani an, „dass ich mir gut vorstellen könnte, dass diese Variante auf dem Verbandstag nicht mehr zur Abstimmung kommt.“

Völlig unsinnig erscheint nicht nur im Kreis Verden die Aufnahme der Variante „Saisonfortsetzung“. So erklärte Julian Kallhardt, Vorsitzender der Fischerhuder Fußballer, in unserer gestrigen Ausgabe: „Wir denken darüber gar nicht erst nach, denn sie ist doch längst vom Tisch!“ Daniel Vollbrecht, Spartenleiter des im Kreis Göttingen beheimateten Bovender SV, veröffentlichte gar auf der Facebook-Seite des Klubs am Mittwochvormittag eine Petition. Vollbrecht fordert, dass der NFV die Option der Fortsetzung streicht und auf dem Webinar am Samstag nicht mehr vorstellt. Dort sollen aus seiner Sicht nur die drei Abbruch-Szenarien vorgestellt werden. Anschließend soll den Vereinen eine Woche Bedenkzeit gegeben werden, bevor es dann zu einer Abstimmung kommen soll. Ende Mai müsse der NFV das Ergebnis vorstellen und eine Vorentscheidung basierend auf dem Mehrheitsvotum treffen, das fristgerecht und rechtlich bindend auf dem außerordentlichen Verbandstag Ende Juni beschlossen werden soll. Am Mittwochmittag wurde der Beitrag bereits 900 Mal geliked, mehr als 400 Mal geteilt und 25  000 Mal gelesen. Es zeigt, wie groß der Unmut der Basis momentan ist. Wobei Stebani deutlich macht, „dass auch diese Variante von Tag zu Tag immer unwahrscheinlicher und unrealisierbarer wird.“ Heißt: Der Zeitfaktor wird sie aus dem Rennen werfen.

Blieben ergo nur noch die Szenarien eins und zwei – sofortiger Abbruch mit und ohne Absteiger sowie je einem Aufsteiger. Stebani selbst hat dabei schon einen klaren Favoriten vor Augen. So sprach er sich zuletzt in der Wolfsburger Zeitung klar für einen Abbruch mit Auf- und Absteigern aus. Alles andere mache für ihn keinen Sinn.

Dass dem NFV, egal, was er letztlich auf seinem außerordentlichen Verbandstag entscheiden wird, gerichtliche Klagen bei diesen beiden letztgenannten Varianten drohen, glaubt der Funktionär übrigens nicht, sagt: „Da wir aufgrund höherer Gewalt eine Entscheidung treffen müssen, wird sie am Ende rechtlich unangreifbar sein!“

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