US-Nationalspielerin neu beim Drittligisten

TVO: Ashley Butler stellt sich in den Dienst

Dynamik im US-Trikot: Nationalspielerin Ashley Butler kommt von der HSG Hude/Falkenburg und erweitert das Reservoir an Linkshänderinnen beim TV Oyten.
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Dynamik im US-Trikot: Nationalspielerin Ashley Butler kommt von der HSG Hude/Falkenburg und erweitert das Reservoir an Linkshänderinnen beim TV Oyten.

Oyten – Ein Auge hatte Marc Winter schon lange auf Ashley Butler geworfen. „Weil wir oft gegen Oyten gespielt haben und ich Linkshänderin bin“, wirft die 22-Jährige ein. Anfragen vom TVO hatte es davor auch schon zu A-Jugend-Zeiten gegeben, als die US-Amerikanerin in der Bremer Landesauswahl brillierte. „Doch ich habe mich damals beim SV Werder immer pudelwohl gefühlt. Für den spielte ich seit 2008 – und ich bin vereinstreu.“ Es schien wie verhext, ein Wechsel zu den Vampires wollte einfach nicht zustande kommen. Doch jetzt hat es endlich geklappt: Ashley Butler bricht ihre Zelte bei der HSG Hude/Falkenburg, der sie sich 2017 angeschlossen hatte, ab und heuert beim Handball-Drittligisten an.

Wobei die Oytener von der Tatsache profitieren, dass sich die Fahrgemeinschaft der Bremerin nach Hude aufgelöst hat. „Jetzt müsste ich mit dem Zug reisen. Das wäre wegen meiner Dienstzeiten aber äußerst schwierig geworden, daher hatte ich mich für einen Abschied von der HSG entschieden.“ Ashley Butler, gelernte Hotelfachfrau, arbeitet in einem Restaurant in der Hansestadt und schiebt dort nur Spätdienste – das wird sie auch in Oyten daran hindern, alle Trainingseinheiten zu absolvieren: „Fairerweise habe ich das klar kommuniziert, damit sie beim TVO wissen, woran sie sind. Und sie haben mich super-freundlich aufgenommen – das passt.“

Womit sie auch verdeutlicht, dass sie keine Ansprüche stellen wird, denen sie nicht mittels Übungseinheiten gerecht werden kann: „Es sollten immer diejenigen spielen, die zuvor auch im Training auf der Platte standen.“ Als US-Nationalspielerin wäre sich Butler nicht zu schade, auch in der Oberliga-Mannschaft des TVO das Trikot überzustreifen, obwohl ihr Betätigungsfeld schon die Dritte Liga sein soll.

Als Linkshänderin große Konkurrenz – und Bereitschaft für Zweite

„Dort ist die Konkurrenz mit Tabea Webner, Emily Winkler und Lena Schulze ungeheuer groß. Dadurch wird das Level im Training hochgehalten und es andere Linkshänderinnen bei den Spielen genauso gut oder besser machen als ich. Das beruhigt mich. Außerdem bin ich in einem Alter, in dem ich beide Teams unterstützen und ihnen dienen kann“, sieht sich die 22-Jährige durchaus als Wanderin zwischen den Teams. Als Rechtsaußen. Im Gegensatz zu früher, als sie gerne im Rückraum gespielt hat: „Das geht im Damenbereich bei meinen 1,64 Metern natürlich nicht mehr.“

Apropos Wanderin: Die war Ashley Butler auch ein wenig zwischen Deutschland und den USA. Der Vater, US-Amerikaner, hatte die Mutter, eine Kroatin, in Bremen kennengelernt. Es ging über den großen Teich, 2002 zog die Familie aber wieder zurück nach Deutschland. Und hier will die Handballerin, die beide Staatsbürgerschaften besitzt, auch für immer bleiben: „Sicher möchte ich mal für ein Jahr rüber und Verwandte besuchen. Aber ich fühl mich als Deutsche.“

„Versuche, mich damit abzufinden, dass Handball Hobby ist“

Den Weg in die US-Nationalmannschaft ebnete ihr Bryana Newbern. Die Torhüterin, vor einem Jahr vom TV Oyten zu Werder II gewechselt, hatte ihrem Auswahltrainer Christian Latulippe 2017 den Tipp gegeben, sich mal um Ashley Butler zu kümmern, die dann berufen wurde. Als Nationalspielerin wäre die Neu-Oytenerin nun fast bei Bayer Leverkusen gelandet. „In der 1. Bundesliga zu spielen, wäre natürlich ein Traum“, gesteht Butler ein. Da aber auch dort der Lebensunterhalt nicht zu verdienen ist, liegt die Konzentration in den nächsten fünf Jahren voll auf dem Beruf – zum Leidwesen: „Ich versuche, mich damit abzufinden, dass Handball nur ein Hobby ist und nebenbei gespielt wird.“

Obwohl die Linkshänderin in Leverkusen sportlich richtig weitergekommen wäre. Im Zuge eines Förderprogramms für Nationalspieler aus Ländern, in denen der Handball nicht den Stellenwert genießt wie in den europäischen Hochburgen. In Kooperation mit EHF und FCH zahlen 80 Vereine aus dem Europapokal in einen Topf ein, aus dessen Geldern dieses Förderprogramm finanziert wird. Und hier mischt Bayer Leverkusen kräftig mit. Ashley Butler hätte als erste Spielerin überhaupt in den Genuss dieser Ausbildung kommen können, die bisher nur Männern vorbehalten war.

Dass die gelernte Hotelfachfrau jedoch einen anderen Weg beschreitet und den Beruf zumindest in den kommenden fünf Jahren in den Fokus stellt, ließ nun den TV Oyten dazwischenfunken und sich die Dienste sichern. Was in dieser Hinsicht lange währte, ist nun endlich gut geworden.

Von Ulf Von Der Eltz

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