Auch nach sieben Jahrzehnten denkt Klaus Zuschneid nichts ans Auhören

Turnen ist sein Lebenselixier

Perfekte Haltung: In seiner aktiven Zeit zählte Klaus Zuschneid mit zu den erfolgreichsten Turnern der Region und startete unter anderem auf der Deutschen Meisterschaft.

Borstel - Von Christel Niemann. Auch mit weit über 80 Jahren denkt Klaus Zuschneid nicht daran, die Turnschuhe an den Nagel zu hängen. Der Borsteler ist seit über sieben Jahrzehnten im und für das Kunstturnen aktiv und hat außerdem in den vergangenen 64 Jahren als Übungsleiter – davon 45 Jahre in der Turnabteilung des TSV Verden und bislang 19 Jahre im MTV Langwedel - kaum eine Trainingseinheit verpasst.

Während andere Senioren es in seinem Alter zumeist etwas ruhiger angehen lassen, steht Zuschneid noch zweimal wöchentlich in der Halle und trainiert den Turnnachwuchs im MTV Langwedel. Generationen sind inzwischen durch seine Turnschule gegangen und den Blick auf sein eigenes Geburtsdatum nimmt er durchaus sportlich. Zumal der Borsteler inzwischen bereits die Enkelkinder seiner ersten Turnergeneration betreut.

Somit hat Klaus Zuschneid das Kunstturnen in der Region und darüber hinaus geprägt. Kein Wunder, dass er regelrecht ins Schwärmen gerät, wenn er an die vergangenen 48 Jahre denkt, die er in etlichen Ordnern dokumentiert hat. Im Alter von 13 Jahren hatte er mit dem Turnen begonnen. „Das war Mitte der 40er Jahre“, erzählt der in Zerbst (Anhalt) geborene Turner, der damals mit seiner Familie in Brake lebte und seit 1955 in Borstel wohnt. „Als der Schulbetrieb ausgesetzt war, hatte ich Langeweile und bin somit mit einem Freund mal zum Training gegangen. Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich bis heute dabei geblieben bin“, erinnert sich Zuschneid zurück. Diese Faszination hat in auch in der Folge nie losgelassen, dass er noch heute das Verbandsliga-Team des MTV trainiert und sich zudem um die Nachwuchsarbeit in der Einsteiger- und Schülerliga kümmert. „Ich sehe, wenn es einer zu etwas bringen kann“, so das Turn-Urgestein, das auch als Übungsleiter beim MTV schon viele Erfolge verzeichnen konnte. Es sei ihm wichtig, den Jungen etwas beizubringen, ihnen etwas mitzugeben. Nicht nur sportlich, sondern auch für ihre eigene Persönlichkeit. „Denn der Sport hat auch meine eigene Persönlichkeit geprägt“, macht der Borsteler deutlich.

„1949 sind wir bereits mit zu den deutschen Jugendmeisterschaften nach Arnsberg gefahren. Und dort sind wir Vizemeister geworden“, erinnert sich Zuschneid zurück. Danach wurde er vom Niedersächsischen Turnerbund zu Lehrgängen eingeladen und nahm an Seminaren mit der deutschen Nationalriege teil. „Trainer hatten wir damals nicht. Das meiste haben wir uns selbst erarbeiten“, sagt er. Anfang der 50er Jahre wurde er in die Niedersachsenriege aufgenommen und hat bei Meisterschaften und Ausscheidungskämpfen etliche vordere Plätze erreicht. 1955 bei den Landesmeisterschaften in Verden wurde er Vizemeister und hatte sich damit für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert: „Den Titel habe ich haarscharf verpasst.“

Vor knapp 30 Jahren (1992) rief Zuschneid dann die Turngemeinschaft Kreis Verden ins Leben gerufen hat und ist auch danach dem Sport immer treu geblieben, „da er mir sehr viel bedeutet hat“. Daran vermochte auch die eine oder andere Enttäuschung nichts zu ändern. Denn unter anderem pflegte er lange Jahre seine kranke Frau Hanna. Nach deren Tod vor neun Jahren gab ihm der Sport dann neue Kraft. „Wir waren schließlich ein Traum-Team“, erinnert er daran, dass der Turnsport ihn und seine Frau nicht nur zusammengeführt, sondern über Jahrzehnte auch verbunden habe. Hanna Zuschneid war Teilnehmerin an den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki und bei den Turn-Weltmeisterschaften 1954 in Rom. Gemeinsam holte das Trainerpaar etliche Erfolge, unter anderem bei Landesmeisterschaften oder in der Regionalliga und 1978 bekam Zuschneid vom Niedersächsischen Turnerbund eine besondere Auszeichnung: Verden wurde zum Landeskunstturnstützpunkt, als Ergebnis für gute Leistungen und Ergebnisse. „Man darf nie aufgeben und muss den Blick nach vorne richten“, verdeutlicht Zuschneid seine Lebensmaxime.

Ein Abschied vom Turnen? „Das kommt erst in Frage, wenn mein Körper nicht mehr mitmacht.“ Auch wenn er inzwischen selbst nicht mehr aktiv ist. „Ich habe Schulterprobleme und halte mich mit Kraftübungen und Gymnastik fit“, sagt er. Dabei ist für ihn faszinierend, was in seinem hohen Alter mit dem Körper alles noch geht. Montags und donnerstags nicht mehr in der Sporthalle zu stehen – undenkbar. „Ich komme da scheinbar nicht mehr heraus“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

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