Verband annulliert, keine Auf- und Absteiger

TT: Saisonabbruch stößt auf Verständnis

Holtums Tischtennis-Spielerin Christiane Kuhnt in Aktion
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Holtums Christiane Kuhnt hält die Annullierung der Saison für richtig: „So ist es am fairsten.“ Archiv-

Jetzt hat der Tischtennis-Verband Niedersachsen die Reißleine gezogen. Die Saison unterhalb der Oberliga wird abgebrochen und annuliiert. Es gibt keine Auf- und Absteiger, im September startet die nächste Saison in gleicher Staffeleinteilung.

  • Die Tischtennis-Saison ist abgebrochen
  • Vereine im Kreis Verden zeigen Verständnis für Verbands-Maßnahme
  • Sorgen um die Treue der Talente zu den Klubs

Verden – Der Schläger kann zum „Übersommern“ in die Ecke gelegt werden – zumindest, was Punktspiele anbelangt. Wie nicht anders zu erwarten war, hat der Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN) die schon ruhende Saison jetzt mit sofortiger Wirkung für alle Klassen unterhalb der Oberliga abgebrochen und annulliert. Es gibt weder Auf- noch Absteiger, ab September soll mit der bisherigen Staffeleinteilung neu in die Serie 2021/22 gestartet werden.

Diesen Beschluss teilte das TTVN-Präsidium mit. „Angesichts der zur Verfügung stehenden Zeit und der großen Unsicherheiten hinsichtlich der pandemischen Entwicklung halten wir es für richtig, die Saison abzubrechen,“ lässt sich Präsident Heinz Böhne zitieren.

„Eine völlig logische Entscheidung, im Herbst wieder so anzufangen. Denn nach dem abermaligen Lockdown war nicht abzusehen, wie auch nur eine Einfachrunde hätte durchgespielt werden können“, zeigte sich Michael Kanowski am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung einverstanden mit dem TTVN-Vorgehen.

Da hilft mir auch kein Blick in die Glaskugel. Ich persönlich kann nicht gänzlich ausschließen, dass unsere Pause sogar bis Ende dieses Jahres gehen könnte.

Michael Kanowski, Vorsitzender des TT-Kreisverbandes Verden, über den Re-Start im September

Der Chef des TT-Kreises Verden führt aus: „Andere Verbände wie Bayern hatte ja schon so entschieden. Wenn man bedenkt, dass wir wegen der Relegationsspiele bis Mitte April hätten fertig sein müssen, wäre alles holterdiepolter gegangen – wenn wir denn überhaupt wieder in die Hallen gedurft hätten.“

Der Posthauser verweist in diesem Zusammenhang auf eine Abstimmung der Kreisverbände, aus der bei einem informellen Austausch mit dem TTVN ein eindeutiges Meinungsbild hervorgegangen war: Von 45 Teilnehmern hatten sich 43 gegen eine Fortführung der Saison ausgesprochen – viel klarer geht es kaum.

Auch wenn es jetzt die zweite Saison in Folge betrifft, sah Kanowski mit Blick auf die Eindämmung der Pandemie keine andere Alternative: „Es geht weiter darum, dem Virus Herr zu werden. Da spielt der Freizeitsport eine untergeordnete Rolle. Und wer weiß denn überhaupt, bis wann wir mit den Impfstoffen die Mutanten in den Griff bekommen.“ Wobei der Posthauser ganz klar die Hoffnung hat, im September wieder um Punkte kämpfen zu können. Wenn auch erst mal nur die Hoffnung – Gewissheit werde es noch längere Zeit nicht geben: „Da hilft mir auch kein Blick in die Glaskugel. Ich persönlich kann nicht gänzlich ausschließen, dass unsere Pause sogar bis Ende dieses Jahres gehen könnte.“

Hält den Re-Start im September für realistisch: Oytens Bezirksoberliga-Spieler Kai Emigholz. Archiv-

Ein bisschen mehr Optimismus strahlt Kai Emigholz aus. Der Oytener Bezirksoberliga-Spieler hält den Abbruch zwar auch für richtig – „alles andere wäre Quatsch gewesen, wir zum Beispiel hätten noch sieben Partien absolvieren müssen“ – glaubt aber an einen Re-Start nach der Sommerpause: „Sämtliche TT-Cracks lechzen doch danach, wieder an die Tische zu gehen. Ich glaube auch, dass es im September möglich sein wird.“ Der 53-Jährige wirft da eher einen anderen Aspekt ein: „Vor allem die höherspielenden Teams wissen nicht, wie sie überhaupt die nächste Saison planen sollen. Wer kommt, wer geht, wer hört jetzt ganz auf? Diese Fragen stellen sich für so manchen Verein.“ Für seinen TVO wünscht er sich, dass man sich im April wieder zusammensetzen kann, um über die kommende Serie zu sprechen.

Uesens Dennis Meinken hält Training nach Ostern für wichtig

Wie die dann aussehen wird, steht auch beim Bezirksligisten TSV Uesen noch in den Sternen. Kapitän Dennis Meinken stellt die Punktrunde zunächst hintenan: „Wichtig ist es bei uns im Breitensport erst einmal, dass wir vielleicht nach Ostern wieder zum Training in die Halle dürfen und Bälle schlagen können. Da ist ja wohl jeder heiß drauf.“ Dann freut sich der 41-Jährige aber auch schon auf die kommende Bezirksliga-Saison, für die seiner Meinung nach die richtigen Entscheidungen getroffen worden sind: „Bei null wieder so anzufangen wie im letzten September, finde ich die fairste Lösung.“

Klar ist für Meinken ebenfalls, dass der jetzige Abbruch nicht zu umgehen schien, nachdem zuletzt bis Mitte Februar ausgesetzt war: „Alles eine logische Folge und vorhersehbar. Mit der Verlängerung des Lockdowns hätten wir totale Terminprobleme bekommen, die kaum zu lösen gewesen wären.“ Sorgen macht sich der Ueser weniger um die Erwachsenen – eher bei den Jugendlichen sieht er Handlungsbedarf: „Da besteht eher die Gefahr, dass sie sich vom Tischtennis abwenden und sich zum Beispiel für eFootball interessieren. Daher haben wir in den vergangenen Monaten mit den Talenten in Online-Training durchgeführt.“

Bei Nachwuchs und Senioren bleibt die Hoffnung auf Saisonfortsetzung bestehen

Während der TTVN die Saison bei den Erwachsenen abgebrochen hat, gibt es Ausnahmen für die Nachwuchsspielklassen, bei denen es sich in der Regel um reine Meldeligen (ohne Auf- und Abstieg) handelt und den Seniorenspielbetrieb (ab 40 Jahre), der an zwei sogenannten Blockspieltagen abgewickelt wird. In beiden Altersgruppen besteht aufgrund kleinerer Gruppengrößen als bei Damen und Herren die Hoffnung auf eine Austragung aller noch offenen Spiele. Die dazu erforderlichen Entscheidungen werden Anfang April getroffen. Bis dahin wird in den beiden Altersgruppen die Unterbrechung des Punktspielbetriebs zunächst fortgesetzt.

Neben dem abgebrochenen Mannschaftsspielbetrieb im Erwachsenenbereich werden auch die Landesindividualmeisterschaften der Damen/Herren und Nachwuchsklassen nicht nachgeholt. Lediglich für die Senioren bleibt ein Hintertürchen offen. Dazu Ressortleiter Hilmar Heinrichmeyer: „Der DTTB plant die Durchführung der Nationalen Seniorenmeisterschaften im Juli. Wir haben von zahlreichen Aktiven die Rückmeldung erhalten, dass sie sich gerne auf sportlichem Weg für die Veranstaltung qualifizieren möchten. Falls es die Regelungen des Landes Niedersachsen zulassen und wir einen Ausrichter finden, würden wir demnach die Landesindividualmeisterschaften der Seniorenklassen im Juni durchführen wollen.“

Bei den Damen des TSV Holtum (Geest) stößt der TTVN-Beschluss wie bei den Herrenteams auf absolutes Verständnis. Mannschaftsführerin Christiane Kuhnt sieht keine andere Option: „Wir haben uns nach der Lockdown-Verlängerung fast schon gedacht, dass es nicht weitergehen wird. Denn wenn wir noch nicht mal die Einfachrunde beenden können, sollte man einen Schlussstrich ziehen.“ Die Holtumerinnen hielten sich im vergangenen Jahr wegen der Pandemie schon äußerst zurück und gaben im Oktober sogar ein Bezirksoberliga-Spiel kampflos ab, um kein unnötiges Ansteckungs-Risiko einzugehen.

Auch die Nichtwertung und somit den Re-Start bei Null im nächsten September hält Kuhnt für logisch: „Es wäre ja unmöglich gewesen, zum Beispiel Punkte mit rüberzunehmen. Allein schon, weil die meisten fast kaum gespielt haben. Von daher ist es so am fairsten und in Ordnung.“ Apropos weiterspielen: Zwar steht die Gesprächsrunde wie bei allen Teams auch bei den Holtumerinnen wegen der Verordnungen noch aus, aber die „Chefin“ gab schon mal ein positives Signal bezüglich der nächsten Serie: „So wie es derzeit aussieht, werden wir dann in der gleichen Formation wie bisher in die Runde gehen.“

Von Ulf Von Der Eltz

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