Abschiebung nach Togo 1999 verhindert

TSV Verden – Glückstreffer für Ayeva

Ein glückseliger Tag: Am 17. November 1999 heiratete Zarifou Ayeva seine Verlobte Sandra – zu den Gratulanten auf der Verdener Rathaustreppe zählten (hinten v.l.) Mitspieler Torsten Krieg, TSV-Vorsitzender Friedrich Darlath, Trainer Hans Braun sowie (vorne) Mitspieler André Koopmann und Betreuer Gerhard „Schulo“ Haupt (†).
+
Ein glückseliger Tag: Am 17. November 1999 heiratete Zarifou Ayeva seine Verlobte Sandra – zu den Gratulanten auf der Verdener Rathaustreppe zählten (hinten v.l.) Mitspieler Torsten Krieg, TSV-Vorsitzender Friedrich Darlath, Trainer Hans Braun sowie (vorne) Mitspieler André Koopmann und Betreuer Gerhard „Schulo“ Haupt (†).

Verden – Denkt er an Verden, dann fallen Zarifou Ayeva zu allererst positive Dinge ein. Dass die TSV-Fußballer 1999 zusammen mit Vorstand und Betreuern sowie dem damaligen Ersten stellvertretenden Bürgermeister Helmut Oberlander erfolgreich alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, damit der Flüchtling nicht wie von den Bremer Behörden beschlossen in seine togolesische Heimat abgeschoben wurde. „Es war eine super Gemeinschaft, alle haben versucht, mir im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen. Da bin ich heute noch dankbar“, blickt der 45-Jährige auf Nachfrage dieser Zeitung auf den schweren Teil seiner Zeit an der Aller zurück. „Auch diese dunklen Momente gehören ja zu meinem Leben. Aber sie haben sich zum Glück in helle verwandelt“, freut sich Zarifou Ayeva.

Zu diesen hellen Momenten zählt natürlich besonders die Heirat mit seiner damaligen Verlobten Sandra am 17. November 1999, nachdem die Echtheit der dafür nötigen Dokumente von der Deutschen Botschaft in Togos Hauptstadt Lomé per Fax bestätigt worden war – auch hier unter intensiver Mithilfe Oberlanders, der sogar eine Petition bei der Bremischen Bürgerschaft eingereicht hatte. Im Anschluss an die Hochzeit zog das Paar nach Coesfeld, der Heimat der Angetrauten. Mittlerweile ist eine Familie mit drei Kindern daraus erwachsen, „die Ehe steht also unter einem guten Segen“, wie es Ayeva glückselig formuliert. Und wichtig aus der Sicht des Mannes, der seit zehn Jahren deutscher Staatsbürger ist: „Ich fühle mich in Coesfeld mittlerweile richtig wohl – meine zweite Heimat sozusagen.“

Da war aber noch etwas in Verden, an das sich „Shariff“, so seit jeher sein Spitzname, gerne erinnert – der zarte Beginn einer Schauspielerkarriere, die aber abrupt wieder enden sollte. Im September und Oktober 2001 wurden für den Bremer Tatort „Endspiel“ auch Szenen im hiesigen Stadion gedreht. Eine ganz besondere Ausgabe der erfolgreichsten Krimi-Reihe, die in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum feiert – es war die 500. Folge, die im Mai 2002 erstmals ausgestrahlt wurde.

Nebenrolle im Stadion nur kurzer Schauspielerei-Flirt

Und auch hier schießen zunächst keine schönen Gedanken in Ayevas Gedächtnis: „Eine ziemlich kalte Angelegenheit. Wir mussten den ganzen Tag Fußballschuhe tragen. Es wurden einzelne Szenen 100 Mal wiederholt, bis sie endlich im Kasten waren. Aber insgesamt bleibt mir alles als richtig tolle Sache in Erinnerung.“ In seiner Nebenrolle als Freund des Hauptverdächtigen lernte der Togolese viele interessante Leute kennen, so kickte auch ein internationaler Star wie Werders Ex-Profi Andreas Herzog oder Rigobert Gruber durchs weite Rund an der Lindhooper Straße.

Durch ein Casting war Ayeva an die Rolle gekommen – und muss Regisseur Ciro Cappellari derart beeindruckt haben, dass dieser ihn fragte, ob nicht tatsächlich eine Schauspielerkarriere möglich sei. „Nein, nein, das wäre nichts für mich gewesen. Ich wollte lieber meine Ausbildung weitermachen“, erzählt der Coesfelder, der heute als Vertriebsmitarbeiter tätig ist. Für die Dreharbeiten musste Ayeva stets aus Coesfeld anreisen, was aber kein Problem gewesen ist: „Ich bin gern hingefahren und hatte jedes Mal die Gelegenheit genutzt um mich während der drehfreien Zeiten mit meinen alten Kumpels zu treffen.“ Allen damaligen Mannschaftskameraden, die sich noch an ihn erinnern, möchte der Abwehr- und Mittelfeldspieler auf diesem Wege die besten Grüße ausrichten.

Knieverletzung stoppt Karriere – jetzt Jugendtrainer

Nachdem aus der Schauspielerkarriere also nichts werden konnte, blieb auch die eines großen Fußballers unerfüllt für Ayeva. Beim SuS Stadtlohn kickte er vier Jahre lang, schaffte es dort bis in die Oberliga Westfalen – aber eine schwere Knieverletzung, bei der Kreuzbänder und Meniskus in Mitleidenschaft gezogen worden sind, zwang ihn zum Aufhören und dazu, seine Weiterbildung zum kaufmännischen Assistent mit Schwerpunkt Fremdsprachen voranzutreiben. Die Treue zum runden Leder hielt trotzdem, was die heutige Arbeit im Trainerteam der F1-Jugend beim DJK Coesfeld unterstreicht.

Begonnen hatte der Fußballer „Shariff“ bei den Werder-Amateuren, über die Stationen Vatan Sport, Blumenthal und Oberneuland landete Ayeva zunächst beim Kreisligisten TSV Uesen, bevor er dann zwei Jahre lang die Stiefel für den Niedersachsenligisten TSV Verden schnürte. Bezogen hatte er damals ein von Helmut Oberlander besorgtes Zimmer im Schwesternwohnheim. Rundum und bestens versorgt gefühlt hat sich der gebürtige Togolese also zu seiner Zeit in Verden. Grund genug, in erster Linie positiv an diese Stadt zurückzudenken und sie für immer im Herzen zu tragen – ein Glückstreffer im Leben des Zarifou Ayeva.

Von Ulf Von Der Eltz

Hat in Coesfeld seine zweite Heimat gefunden: Zarifou Ayeva, heute Trainer der dortigen F1-Jugend.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Unruh sorgt für Paukenschlag

Unruh sorgt für Paukenschlag

Unruh sorgt für Paukenschlag
Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück

Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück

Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück
Paukenschlag beim TSV Bassen

Paukenschlag beim TSV Bassen

Paukenschlag beim TSV Bassen
Mario Stevens: Ein untadeliger Sattelkünstler

Mario Stevens: Ein untadeliger Sattelkünstler

Mario Stevens: Ein untadeliger Sattelkünstler

Kommentare