DFB arbeitet an einem Konzept / Mannschaften hoffen auf Lockerungen

Training ohne Corona-Regeln?

Beim FSV Langwedel-Völkersen wird schon wieder trainiert – aber immer mit dem nötigen Abstand.Fotos (2): Verein
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Beim FSV Langwedel-Völkersen wird schon wieder trainiert – aber immer mit dem nötigen Abstand.Fotos (2): Verein

Frankfurt/Landkreis – Der Deutsche Fußball-Bund arbeitet im Sinne der Basis an einem Konzept, damit seine Amateurclubs das Training weitgehend uneingeschränkt wieder aufnehmen können. Momentan sind die fast 150 000 Mannschaften in knapp 25 000 Vereinen gehalten, strenge Hygieneregeln zu beachten, die der DFB schriftlich mitgeteilt hat. So dürfen die Spieler sich in den Trainingseinheiten nicht näher als 1,50 Meter kommen. Diese Vorgaben gelten ausdrücklich nicht für Teams der Ersten und Zweiten Bundesliga, der Dritten Liga sowie der Frauen-Bundesliga, sehr wohl aber für alle Amateurvereine.

Doch Schleswig-Holstein geht schon den ersten Schritt in Richtung Normalität in der Fußballwelt: Ab sofort sind wieder Trainingseinheiten unter fast normalen Gegebenheiten erlaubt. Das hat das Innenministerium bekannt gegeben. Da das Kontaktverbot des Landes zu Beginn der Woche gelockert wurde, dürfen nun wieder bis zu zehn Personen ohne Abstandsregeln gleichzeitig trainieren. Die sanitären Anlagen, wie Duschen und Umkleideräume, dürfen wieder genutzt werden, sofern ein Hygienekonzept vorhanden ist. Wie lange die Einschränkungen im Trainingsbetrieb in Niedersachsen noch anhalten, ist indes unklar.

Die noch geltenden strengen Anweisungen schrecken die meisten Coaches noch davon ab, den Übungsbetrieb aufzunehmen, weil sie der Meinung sind, ein Training unter Einhaltung des Mindestabstandes mache so keinen Sinn – so auch beim Landesliga-Aufsteiger TSV Etelsen. „Aktuell weiß ich nicht, wofür wir denn trainieren sollen. Daher haben wir auch schon offiziell die Sommerpause ausgerufen und lassen unsere Plätze etwas ruhen. Außerdem haben wir mit der Planung der Vorbereitung für die kommende Saison, wann immer sie dann startet, auch genug zu tun.“

Tatsächlich haben einige Amateurvereine aber dennoch ihren Trainingsbetrieb bereits wieder aufgenommen. Wer sich auf den Plätzen umsieht, kann unschwer erkennen, dass die 1,50-Meter-Maßgabe dabei oftmals nicht eingehalten wird. So hat die Realität bereits Fakten geschaffen, an denen sich der Verband orientieren will. Ein wichtiges Argument sind aus DFB-Sicht auch die aktuell niedrigen Fallzahlen der an Covid-19 Erkrankten sowie die geringe Ausbreitung.

Zumal im Dachverband von mehr als sieben Millionen Mitgliedern die Furcht wächst, dass die Corona-Krise nachhaltig negative Auswirkungen auf die Begeisterung für die Ausübung des aktiven Spielbetriebs hierzulande haben könnte. „Wir müssen uns Sorgen machen um den unermesslichen Schatz: unseren Fußball“, sagte Vize-Präsident Rainer Koch voller Pathos beim jüngsten außerordentlichen DFB-Bundestag.

„Wir sorgen uns, ob Kinder zurück in unsere Kontaktsportart finden“, ergänzte der einflussreiche Koch und fragte bei der Videokonferenz in die virtuelle Runde: „Wie viele Mitglieder treten aus?“ Die non-verbale Antwort: Je länger die Pause, desto größer der Aderlass. Ohnehin nimmt die Zahl der aktiven Teams im DFB seit geraumer Zeit ab. Die geringen Mitgliederzuwächse erklären sich vor allem durch passive Mitglieder der Bundesligaclubs, die aber überhaupt keine Absicht haben, selbst aktiv Fußball zu spielen.

Beim TB Uphusen hat Christian Ahlers-Ceglarek, neuer Trainer des Oberligisten, seine Spieler bereits wieder zu Einheiten gebeten. „Wir treffen uns einmal in der Woche. Allein schon deshalb, damit wir uns alle auch mal wiedersehen“, sieht „Zecke“ das Training auch als eine gewisse Art von Teambuildung an. „Da wir uns aber ja alle noch an die Vorgaben halten müssen, sieht ein geregeltes Training natürlich anders aus. Daher scharren wir auch schon mit den Hufen, bis wir endlich das Go von der Landesregierung hinsichtlich der Lockerungen kriegen“, blickt der TBU-Coach ziemlich neidisch auf Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wo der Alltag nahezu wieder eingekehrt ist. In die gleiche Kerbe schlägt auch Bassens Trainer Uwe Bischoff. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns genauso wie die Profis verhalten könnten. Denn aktuell kommt mir das Training eher wie ein Kindergeburtstag vor, in dem wir die Spieler bespaßen sollen. Natürlich machen wir immer etwas in spielerischer Form, aber zufriedenstellen tut es uns nicht“, hat Bischoff das Training auch auf eine Einheit pro Woche reduziert. „Ich kann nur hoffen, dass der Verband in Kürze ein Konzept vorlegt und dann endlich alle Bescheid wissen, wie es weitergeht.“

Ähnlich denkt Emrah Tavan, Trainer des FSV Langwedel-Völkersen: „Wir halten uns an die Vorgaben. Alle kommen immer umgezogen zum Training. Auch die Abstände werden eingehalten. Dennoch wollen wir endlich mal wieder einfach nur kicken. Natürlich ist es auch mal ganz gut am Passspiel und Torabschluss zu arbeiten, doch das eigentliche Training kann es nicht ersetzen. Trotzdem will ich nicht meckern, denn ich habe nahezu immer 20 Spieler bei jeder Einheit.“ Ein Zustand, den auch Axel Sammrey beim TV Oyten vorfindet. Und für den eine Trainingspause trotz der Beschränkungen keine Option ist. „Warum sollten wir jetzt nichts machen? Die Pause war doch lange genug. Daher trainieren wir auch zweimal die Woche. Denn es wird Zeit, dass die Jungs langsam wieder fit werden. Zumal es da ziemlich große Unterschiede gibt. Die Spielformen fehlen selbstverständlich. Aber ich bin trotzdem fest davon überzeugt, dass es etwas bringt.“

Der DFB hofft nun, dass sich Bundesregierung und Länder am Schweizer Beispiel orientieren. Dort hat der Bundesrat in dieser Woche entschieden, dass zwar „Wettkämpfe in Sportarten mit ständigem, engem Körperkontakt, wie Schwingen, Judo, Boxen oder Paartanz voraussichtlich bis zum 6. Juli 2020 untersagt“ bleiben, jedoch „der Trainingsbetrieb für alle Sportarten ab dem 6. Juni ohne Einschränkung der Gruppengröße wieder erlaubt“ wird. „Dies“, so die Schweizer, „gilt auch für Sportaktivitäten, in denen es zu engem Körperkontakt kommt“. Also auch Fußball, sogar vor bis zu 300 Zuschauern, sofern dabei „Präsenzlisten geführt werden“.

Auch vor diesem Hintergrund will der DFB sein Ziel nun in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Politik erreichen, die einen üblichen Betrieb aufgrund der Abstandsregeln noch verbietet. Der DFB glaubt weitere gute Argumente auf seiner Seite: So hätten Erhebungen der wieder aufgenommenen Bundesligaspiele und einer Studie aus den Niederlanden ergeben, dass die tatsächlich seltenen engen Kontakte auf dem Spielfeld die Wahrscheinlichkeit einer Infektion als gering erachten lassen, zumal sie an der frischen Luft unter freiem Himmel über die Bühne gehen. Im Trainingsbetrieb könnten zudem klassische Gruppenansammlungen wie bei Eckbällen, Mauerbildung bei Freistößen oder Debatten mit dem Schiedsrichter ausgeschlossen werden.

Einem Mannschaftstraining steht nach diesen Erkenntnissen laut Interpretation des DFB im Grunde also wenig entgegen. Im nächsten Schritt soll der Spielbetrieb diskutiert werden. Dies ist aus DFB-Sicht deshalb besonders wichtig, weil in den Landesverbänden die Pokalsieger und somit Teilnehmer am lukrativen DFB-Pokal der kommenden Saison noch nicht ermittelt worden sind. Der DFB will unbedingt vermeiden, dass über die Landespokalsieger am Grünen Tisch, möglicherweise per Los, entschieden wird. Denn das könnte durchaus juristischen Ärger nach sich ziehen. mü/kc

Müssen sich in den Trainingseinheiten auf andere Übungen einstellen: Marvin Wasmuth und Viktor Heidt.

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