Für Neddenaverberger 2020 „ein Irrsinn“

Tietjes Tadel für die Triathlon-Touren

Triathlet Harm Tietje
+
Trotz allen Übels in der Pandemie: Harm Tietje bleibt optimistisch und freut sich auf seine Impfung.

Auch Harm Tietje wäre 2020 gerne bei Ausdauer-Wettbewerben gestartet. Aber im Corona-Jahr blieb der Neddenaverberger zu Hause und kritisiert die Triathlon-Touren der Kollegen scharf. Für 2021 hofft er auf Besserung und rät zum Impfen.

  • Neddener Harm Tietje schimpft über Egoismus bei den Sportlern
  • Frühe Entscheidung zu eigenem Wettkampf-Verzicht
  • Warten auf die Impfung - und die Chance auf Events in 2021

Neddenaverbergen – Für Harm Tietje gibt es nur einen erfolgreichen Weg aus der Pandemie: „Ich werde mich sofort impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin. Wir sind in zwei Jahren noch in dieser Situation, wenn sich nicht alle beteiligen.“ Der Ausdauersportler aus Neddenaverbergen bezieht ohne Umschweife Stellung, versteht die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen den Piks nicht.

„Es ist doch so, dass viele Menschen morgens aufstehen und am Frühstückstisch erst mal Tabletten gegen irgendwas nehmen. Die schauen gewiss nicht alle auf den Beipackzettel, welche Nebenwirkungen ihre Medikamente haben. Und dann regen sie sich auf, dass der Impfstoff nicht richtig sein soll – da läuft doch einiges schief“, schimpft der 51-Jährige.

Auch für mich war das richtig ätzend. Aber letztlich müssen wir die Lage so akzeptieren, wie sie nun mal ist. Ich persönlich habe mich total ins Training zurückgezogen, wäre nie zu einem Event gefahren, um meinen sportlichen Ehrgeiz zu befriedigen.

Harm Tietje über den Verzicht auf Ausdauer-Wettkämpfe im Corona-Jahr 2020

Eine andere Sache, bei der Tietje nur den Kopf schüttelt, sind die vielen Reisen seiner Sportkollegen zu Veranstaltungen im abgelaufenen Jahr. „Sicher ist es für alle schwer, wenn sie nicht wie gewohnt an den Wettkämpfen teilnehmen können. Auch für mich war das richtig ätzend. Aber letztlich müssen wir die Lage so akzeptieren, wie sie nun mal ist. Ich persönlich habe mich total ins Training zurückgezogen, wäre nie zu einem Event gefahren, um meinen sportlichen Ehrgeiz zu befriedigen“, zeigt der Neddener klare Kante. Gewissermaßen ein Tadel für die Triathlon-Touren hierzulande.

Und er setzt noch einen drauf: „Mir gefällt diese Mentalität nicht, dass so viele durch Deutschland reisen und sagen, dass sie ja nur Kumpels treffen. Das geht einfach nicht angesichts der Todeszahlen, da beziehe ich Sportler und Nichtsportler ein. In meinen Augen ist das Irrsinn, das sind alles Egoisten.“ Es ist auch die Ungleichbehandlung, die den Physiotherapeuten auf die Palme bringt, dabei nennt er ein für ihn naheliegendes Beispiel: „Wenn ich sehe, dass auf der einen Seite zahlreiche Sportler wie Fußballer spielen dürfen und auf der anderen Seite eine Katja Troschka ihre Outdoor-Kurse nicht anbieten darf, kriege ich einen Hals. Katja kann draußen alle Hygienemaßnahmen garantieren und Abstand einhalten.“ Schließlich trage die Luttumerin zur Gesundheit aller bei: „Dass sie mattgesetzt ist und nicht arbeiten darf, finde ich einfach fies. Auch so etwas haben wir den Leuten zu verdanken, die sich nicht einschränken wollen.“

Bremer Marathon eine Option für 2021 - New York garantiert nicht

Die eigene Wettkampf-Abstinenz war für den Neddener in 2020 ziemlich schnell beschlossen. Gerne wäre er im Juli beim Ironman in Klagenfurt gestartet. Als der zunächst auf September verschoben wurde, entschied sich Tietje für ein Fernbleiben: „Mir war klar, dass auch für September eine Absage kommen würde.“ Das gleiche Schicksal ereilte den Kurztriathlon im Allgäu im August sowie den New Yorker Marathon am 1. November.

Auch die Chance auf das Abenteuer Ironman auf Cozumel nahm der 51-Jährige aus den bekannten Gründen nicht wahr. Und so sah er sich bestätigt, ein Jahr zuvor auf der mexikanischen Insel seinen dritten Ironman in 2019 gewagt zu haben: „Damals hatte ich trotz der vorherigen Belastungen einfach Bock drauf. Außerdem wollte ich die Möglichkeit nutzen – frei nach dem Motto, dass niemand weiß, was noch kommt. Wie wir jetzt sehen, was es die absolut richtige Entscheidung.“

Einen kleinen Blick auf den Terminkalender 2021 wagt der Extremsportler indes schon – für den Fall, dass sich die Lage in Deutschland ab Mitte des Jahres ins Positive verändern sollte. Am 4. Juli steht der Ironman in Klagenfurt auf dem Programm. Allerdings räumt der Neddener ein: „Das ist schon bald. Vielleicht wird er ja noch abgesagt, davon ginge die Welt dann auch nicht unter.“ Denn eines genieße weiter oberste Priorität: „Keine Wettkämpfe und Reisen auf Biegen und Brechen!“ Gleiches gilt für die Duisburger Halbdistanz im August.

Im Winter eine Seltenheit: Harm Tietje draußen beim Radtraining. Eigentlich fährt er auf der Rolle.

Da kann sich Tietje eher den Start beim swb-Marathon Anfang Oktober in Bremen vorstellen: „Zwar ein relativ unspektakuläres Rennen, aber dort bin ich noch nie gelaufen.“ Richtig spektakulär kommt Anfang November da schon der New Yorker Marathon daher – schließlich ist es nach der Verschiebung von 2020 dann die 50. Auflage. „No way“, sagt sich Tietje jedoch: „Wenn ich tatsächlich in diesem Jahr was mache, würde ich nur in Deutschland starten und keine weiten Reisen unternehmen.“

Training läuft auf vollen Touren - auch ohne Schwimmen

Aktuell steckt der 51-Jährige im Training, um sich auf eventuelle Starts vorzubereiten. Ohne das Schwimmen, was aber kein Problem sei: „Die 3,8 Kilometer schaffe ich mit meiner Erfahrung auch so noch in den Zeiten wie vorher.“ Also gilt alle Konzentration den anderen Disziplinen. Drei Einheiten pro Woche mit je 90 bis 120 Minuten auf dem Rad, „zu Hause auf der Rolle mental hart, weil äußerst langweilig.“ Tietje sehnt schon das Frühjahr herbei, dann fährt er wieder an der frischen Luft. Und dreimal pro Woche zieht er die Laufschuhe an, rennt zwischen zehn und 21 Kilometer – die kürzeren Strecken als Intervall-Einheiten: „So bekommt mich meine Trainerin peu à peu fit.“

Das Warten auf Wettkämpfe beinhaltet auch das Warten auf die Impfung für den selbstständigen Physiotherapeuten, als der er in der Prioritätenliste der dritten Gruppe angehört: „Ich muss ja mich und meine Patienten schützen. Die halten sich in meiner Praxis alle an die Hygienevorschriften. So hatten wir noch keinen Corona-Fall. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich arbeiten darf.“ Den Patienten dürfte Tietje also allemal zum Piks raten, wenn sie ihn fragen würden.

Von Ulf Von Der Eltz

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Dennis Wiedekamp: „Ich habe Bock drauf“

Dennis Wiedekamp: „Ich habe Bock drauf“

Dennis Wiedekamp: „Ich habe Bock drauf“
Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück

Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück

Fußballer David Airich kehrt zum TBU II zurück
Paukenschlag beim TSV Bassen

Paukenschlag beim TSV Bassen

Paukenschlag beim TSV Bassen
Luca Bischoff: „Ich habe Bock auf die Landesliga“

Luca Bischoff: „Ich habe Bock auf die Landesliga“

Luca Bischoff: „Ich habe Bock auf die Landesliga“

Kommentare