Triathletin auf Lanzarote vier Tage im Hotel „gefangen“

Thalmanns Turbulenzen im Trainingslager

Mit dem Rad am Strand in Caleta de Famara – dem Lieblingsort von Maren Thalmann auf Lanzarote. Da war die Welt für die Sportlerin noch in Ordnung.
+
Mit dem Rad am Strand in Caleta de Famara – dem Lieblingsort von Maren Thalmann auf Lanzarote. Da war die Welt für die Sportlerin noch in Ordnung.

Morsum - Von Ulf Von Der Eltz. Sie war seit fast fünf Jahren endlich mal wieder verletzungsfrei und fit über den Winter gekommen – hatte sich für die anstehende Saison richtig viel vorgenommen. Also machte sich Triathletin Maren Thalmann Anfang März auf den Weg ins Trainingslager auf Lanzarote. „Die Insel war absolut corona-frei. Weit und breit nichts zu spüren von einer Pandemie“, erläutert die Morsumerin. Während der ersten neun Tage habe sie nur per Telefon gehört, wie sich die Lage in Deutschland darstellte: „Das konnte ich gar nicht nachvollziehen, weil wir ja sehr gut und ohne Einschränkung trainierten.“

Jetzt, schon einige Tage wieder zurück in Morsum, denkt die 50-Jährige mit gemischten Gefühlen an ihren Aufenthalt auf dem kanarischen Eiland im Atlantik. „Letztlich kann ich froh sein, dass ich gesund wiedergekommen bin. Am einschneidendsten war für mich, dass ich die letzten vier Tage in meinem Hotel Occidental Lanzarote Mar an der Costa Teguise regelrecht eingesperrt gewesen bin“, meint Thalmann.

Eine Freundin aus Frankfurt war zu diesem Zeitpunkt wegen der gesundheitlichen Gefährdung bereits abgereist, ein Verleih auf der Insel begann, die Rennräder einzukassieren. „Zum Glück hatte ich mich bei einem anderen Verleiher eingedeckt und konnte noch zum Trainieren losfahren“, so die Physiotherapeutin mit Spezialgebiet Gesundheits-Fitness. Bei ihrer Rückkehr von der Übungseinheit haben die anderen Triathleten im Hotel von der verhängten Ausgangssperre berichtet: „Ich war ja alleine unterwegs. Gehörte keiner Gruppe an und hatte somit noch gar keine Informationen.“ Es folgten zwei schreckliche Tage, an denen die Morsumerin niemanden erreichte, um sich selbst ein klares Bild von der Lage auf Lanzarote zu machen. „In Spanien wird die Ausgangssperre ganz streng überwacht. Wir durften ja wirklich nur zum Supermarkt. Und da stand überall Security und Polizei. Schon ein sehr beklemmendes Gefühl“, blickt Thalmann zurück.

Im Hotel passierte dann aber plötzlich etwas, „was ich so bisher noch nicht bei Triathleten erlebt hatte. Das sind in der Regel ja quasi Einzelgänger. Hier bildete sich aber eine große Gruppe, in der jeder für jeden da war und wir uns über unseren Sport, aber auch über persönliche Dinge und die zu erwartende Entwicklung in Sachen Corona austauschen konnten.“ Es entstanden richtige Freundschaften, die Thalmann weiterführen will, „wenn alles wieder in normalen Bahnen läuft.“

In der viertägigen „Gefangenschaft“ standen Lauf- und Zirkeltraining in der Hotelanlage auf dem Programm, bis zum vorletzten Tag war auch noch Schwimmen im Pool erlaubt. Dann wurde das komplette Hotel dichtgemacht. „Die Angestellten haben sich rührend bis zuletzt um uns gekümmert. Sie haben alles getan, damit es uns gut ging. Und dann wurden sie nach der Schließung einfach entlassen, wir durften uns nur noch im Zimmer und im Speisesaal aufhalten“, empfindet die Ausdauersportlerin in erster Linie riesiges Mitleid mit dem Personal.

Bis zur Schließung wegen der Corona-Gefahr hatte noch reges Treiben am Swimmingpool geherrscht – auch Maren Thalmann hatte hier ihre Bahnen gezogen. Danach war die komplette Anlage aber wie verwaist.

Der 50-Jährigen selbst gelang es, nach drei Tagen endlich die Reiseleitung ans Telefon zu bekommen. Es hatte zuvor stündlich neue Hiobsbotschaften gegeben – auch mit dem kurzfristigen Umzug in ein benachbartes Hotel. Letztlich durfte die Morsumerin aber aufatmen, weil ihr regulärer Rückflug noch starten sollte: „Ich bin an diesem Tag schon morgens mit dem Taxi regelrecht aus dem Hotel geflüchtet, da ich sicher gehen wollte, den Flieger abends zu bekommen. Ich war so erleichtert, in Freiheit zu sein, dass ein paar Tränen kullerten. Ich habe dann sechs Stunden draußen vor dem Flughafen in der Sonne gesessen und war glücklich.“

Natürlich haben die Ereignisse bei Maren Thalmann, die sich nach der Rückkehr in freiwillige Quarantäne begeben hat, tiefe Spuren hinterlassen – und ihre Lebensphilosophie ein Stück verändert: „Sicherlich ist es aus sportlicher Sicht für mich ärgerlich, weil ja so viele Wettbewerbe abgesagt wurden, für die ich schon Startgeld bezahlt hatte und für die ich mich absolut gerüstet fühlte. Aber die Stargelder werde ich nun nicht zurückverlangen, davon geht die Welt nicht unter.“ Verglichen mit Freunden und Bekannten, denen es gesundheitlich oder wirtschaftlich schlecht geht, sei die Lage für sie doch komfortabel: „Wichtig ist, dass die von der Pandemie gebeutelten Menschen wieder auf die Beine kommen, alles andere zählt jetzt nicht.“

Am letzten Tag im benachbarten Hotel.

Nach der Streichung sämtlicher Veranstaltungen in den nächsten Monaten, einschließlich des am 7. Juni vorgesehenen Ironmans 70.3 im Kraichgau – „das sollte mein Saisonhöhepunkt werden und ist zunächst auf September verschoben“ – könnte es erst mit dem Sprinttriathlon am 21. Juni in Peine weitergehen. Wenn überhaupt. Wenigstens wird der Hannover-Halbmarathon am 26. April von allen Teilnehmern nun als „stayathomemarathon“ in den eigenen vier Wänden auf dem Band gelaufen. Maren Thalmann hält sich in dieser Zeit fit, „um das Level aufrecht zu erhalten. Aber eigentlich kann ich nur von Tag zu Tag planen. Denn es ist auch schwierig, sich zu motivieren. Man sollte kein Intervalltraining absolvieren, um das Immunsystem nicht zu schwächen.“ Die Zeiten bleiben also nicht einfach für die Morsumerin – nach den Erlebnissen auf Lanzarote und angesichts der Lage für viele andere Menschen will sich Maren Thalmann aber beileibe nicht beklagen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Bürgerrechtler verklagen Trump - "Marsch auf Washington"

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Corona in Göttingen: Nach Massenausbruch wurde ein Testzentrum errichtet

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Sonnenschutz im Auto nachrüsten

Brettspiele für die ganze Familie

Brettspiele für die ganze Familie

Meistgelesene Artikel

Mit Highspeed in die Regionalliga

Mit Highspeed in die Regionalliga

Achimer Karateka: Freilufttraining statt Jubiläums-Lehrgang

Achimer Karateka: Freilufttraining statt Jubiläums-Lehrgang

TBU: Helms kehrt zurück, aber Winkelmann geht

TBU: Helms kehrt zurück, aber Winkelmann geht

Dygas hat ein klares Ziel vor Augen

Dygas hat ein klares Ziel vor Augen

Kommentare