DFB-Forderung findet Anklang / Thies zurückhaltend

Talente zurück auf den Platz – Trainer dafür

Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Bis wieder so ungezwungen mit den Talenten geübt werden kann, dürfte es noch lange dauern.
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Ein Bild aus Zeiten vor Corona: Bis wieder so ungezwungen mit den Talenten geübt werden kann, dürfte es noch lange dauern.

Achim/Verden – Es ist ein Vorstoß, den Kurt Thies, Vorsitzender im NFV Kreis Verden, am Donnerstag auf Nachfrage dieser Zeitung grundsätzlich begrüßenswert fand – an eine rasche Umsetzung glaubt der Langwedeler indes nicht so recht: „Solange die Zahl der Infizierten weiter hochlaufen, dürfte es kaum etwas werden. Schließlich haben immer noch die örtlichen Behörden das Wort zu führen, wenn es um die Erlaubnis zum Sporttreiben geht. Da werden sicher keine Risiken eingegangen.“

Der angesprochene Vorstoß kam von den Präsidenten der Regional- und Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund. Die hatten sich, wie das Internet-Portal fussball.de berichtete, im Rahmen ihrer Konferenz gemeinsam mit DFB-Präsident Fritz Keller nachdrücklich dafür ausgesprochen, bundesweit den Trainingsbetrieb im Amateursport wieder zuzulassen. Der an die Politik gerichtete Appell bezieht sich in erster Linie auf die Möglichkeit des organisierten Sporttreibens für Kinder und Jugendliche unter freiem Himmel und schließt dabei ausdrücklich nicht nur den Fußball ein.

Als vorbildhafte Beispiele sieht die Präsidentenkonferenz die aktuellen Lösungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Das Landeskabinett in Mecklenburg-Vorpommern hatte entschieden, das von der Bund-Länder-Konferenz ausgesprochene Pauschalverbot von Freizeit- und Amateursport, welches lediglich den Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand vorsieht, nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Vereinssport anzuwenden, sondern dort weiter Trainingsbetrieb zu erlauben. In Berlin gilt die Sonderregelung, dass Vereinssport für Kinder bis zwölf Jahren unter Auflagen gestattet ist.

„Es müsste erst mal eine deutliche Kehrtwende eintreten“

„Sicher ein vernünftiger Ansatz, denn überall herrschen unterschiedliche Belastungen mit dem Coronavirus. Ich fände es richtig, dass Kinder und Jugendliche raus dürfen und im Freien beschäftigt werden“, meint Thies zu den regionalen Vorgehensweisen. Nur gibt das Fußball-Oberhaupt des Kreises Verden zu bedenken, dass er angesichts der Fallzahlen keine Chancen sehe, das Ansinnen großflächig umzusetzen: „Die zuständigen Behörden werden sicherlich bis Mitte des Monats abwarten, um irgendwelche Einschätzungen, geschweige denn Maßnahmen, zu ergreifen.“

Der Inzidenzwert lag laut niedersächsischem Gesundheitsamt im Kreis Verden am Donnerstagmorgen bei 191,8. Womit sich Kurt Thies in seinen vorsichtigen Äußerungen bestätigt fühlen darf: „Es müsste erst mal eine deutliche Kehrtwende in der Statistik eintreten. Die sehe ich im Moment nicht, wir dürfen in keiner Weise ein Risiko eingehen.“ Der Kreis-Boss zeigt sich mit dem bisherigen Vorgehen von Gesundheitsämtern und Politik zufrieden: „Sie haben mit Bedacht gehandelt und sind dem Sport aus meiner Sicht durchaus wohlgesonnen. Hut ab!“

Findeklee befürchtet sonst noch mehr Abspringer

DFB-Präsident Fritz Keller erklärte laut fußball.de nach der Konferenz: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, für die Gesundheit, die Gesellschaft und nicht zuletzt für unsere Kinder. Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen und Zahlen birgt die Ausübung von Freiluftsport – auch in Mannschaftssportarten – kaum ein Ansteckungsrisiko. Dies hat Prof. Dr. Tim Meyer als anerkannter Experte und Leiter der Medizinischen Kommission des DFB in den vergangenen Wochen öffentlich nachvollziehbar erläutert. Aktiver Sport stärkt verschiedene gesundheitsförderliche Aspekte, zudem hat er eine hohe gesellschaftliche und soziale Bedeutung – ohne in diesen schwierigen Zeiten für eine erhöhte Gefährdung zu sorgen. Vor diesem Hintergrund und in Verbindung mit den bewährten Hygienekonzepten ist es wichtig, vor allem Kindern und Jugendlichen schnell wieder die Möglichkeit zu bieten, ihren Bewegungsdrang gemeinsam im sportlichen Trainingsbetrieb auszuleben. Sport ist wichtiger denn je.“

In die gleiche Kerbe schlägt Stefan Findeklee, Landesliga-Coach der U17 von der JSG Achim/Uesen:    „Ich bin ein klarer Befürworter des Vorschlags. Denn es ist doch erwiesen, dass die Ansteckung beim Fußball, wenn sich alle an die Vorgaben halten, gering ist.“ Darüber hinaus brachte er am Donnerstag einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein, der für die Vereine eminent an Bedeutung gewinnt: „Zudem befürchte ich, dass je länger nicht trainiert werden darf, noch mehr Jugendliche abspringen. Das hat doch schon der erste Lockdown gezeigt.“ Kurt Thies blickt neben der sportlichen ebenfalls auf die soziale Komponente: „Vier bis sechs Wochen vor dem Fernseher zu sitzen, ist natürlich auch nicht gut für den Nachwuchs.“ Dr. Rainer Koch, 1. DFB-Vizepräsident und Vorsitzender der Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten, dazu: „Der Breitensport und seine Vereine bewegen Großes, gerade wenn es darum geht, Gesundheitsvorsorge zu betreiben. Dass sie aktuell zur sportlichen Untätigkeit verurteilt sind, tut weh.“

Von Ulf Von Der Eltz Und Kai Caspers

Kindertraining mit Abstand: Wie es hier praktiziert wird, ist es vorbildlich.

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