Das Hoffen auf den Goldesel

Spielerberater im Amateurfußball: Fluch – oder doch eher ein Segen?

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Mischt ebenfalls im Beratergeschäft mit: Wolf-Hinrich Haltermann (r.), hier mit seinem Freund und Bremens Ex-Coach Thomas Schaaf sowie Werders ehemaligem Manager Klaus Allofs (l.).

Verden - Von Frank von Staden. „Manchmal“, sagt Fußball-Trainer Axel Sammrey und atmet dabei tief durch, „manchmal würde ich diese Berater am liebsten vom Platz jagen.“

Seit der 57-Jährige mit dem TSV Ottersberg in der Saison 2008/2009 in die Oberliga aufstieg, gehören Spielerberater oder auch Spielervermittler fast schon zum Alltagsbild auf dem Sportgelände an der Wümme. Das Ansehen dieser „Headhunter“, wie sie Rotenburgs Oberliga-Coach Benjamin Duray salopp nennt, rangiert irgendwo zwischen Monopoly-Zockern und Traumweltversprechern. Die grauen Herren des Fußballs haben keine Lobby. Und das nicht zu Unrecht: Die Deals zwischen ihnen und den Klubs laufen immer im Geheimen ab – selbst im Amateurbereich.

„Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, sagt da der Verdener Berater Turgay Ünlü (siehe Text unten), der sehr wohl weiß, dass es zahlreiche schwarze Schafe in seiner Branche gibt. „Es treiben sich viele Leute in dem Geschäft herum, die nur auf das schnelle Geld schauen!“

Doch ab wann braucht ein Fußballer überhaupt einen Berater und Vermittler? Und vor allem: Ist dieser seidene Berufszweig überhaupt schon im Amateurfußball notwendig?

Über 400 lizenzierte Berater gibt es laut DFB-Info allein in Deutschland (keine Lizenz benötigen Rechtsanwälte sowie Elternteile, Geschwister und Ehepartner eines Spielers). Es wird geschätzt, dass nur rund 50 von dieser Tätigkeit vernünftig leben können. Das Gros der Branche, wie derzeit auch noch Ünlü, arbeitet für kleines bis gar kein Geld mit hoffnungsvollen Talenten oder Jugendkickern und wartet auf den großen Coup. Alle wissen: Steigt nur einer ihrer Schützlinge zum Star auf, ist auch der Berater ein gemachter Mann. Doch das gelingt den wenigsten.

Die meisten, angelockt von der Aussicht auf Millionen, müssen irgendwann aufgeben. Nur einige wenige wie Jörg Neubauer (berät Sami Khedira, René Adler), Roger Wittmann (unter anderem Kevin Boateng, Kevin Kuranyi) oder Volker Struth (Mario Götze, Marco Reus) sind durch ihre Tätigkeit zu großem Reichtum gekommen. Sie haben die Goldesel, die das Geldsäckel füllen, im Stall stehen.

Die Zahlen, die dabei durch die Medien geistern, sind in der Tat atemberaubend. Zehn bis 15 Prozent der Ablöse sollen Spielerberater bei Transfers ihrer Schützlinge kassieren. Bei Millionendeals kommen da üppige Summen zusammen. Ist der Spieler ablösefrei, fließt Handgeld. Zudem kassieren die Agenten rund zehn Prozent vom Jahresbruttogehalt des Spielers – zahlbar von den Vereinen.

Auch der Bremer Ex-Profi und jetzige Trainer des Fußball-Landesligisten Heeslinger SC, Sören Seidel, verdingt sich als Spielerberater. Der 41-Jährige ist nicht in den einschlägigen Foren zu finden und taucht auch nicht werbewirksam in den Medien auf. Wohl aber in der offiziellen Liste der registrierten Berater beim DFB. Welche Spieler er betreut, möchte er nicht publiziert wissen: „Ich finde, ein wenig mehr Diskretion würde dem Fußball gut tun.“ Nach seiner Profi-Karriere spielte Seidel zuletzt auch beim TSV Ottersberg – zudem sichtete er Talente für den mehrspurig fahrenden Bremer Geschäftsmann Wolf-Hinrich Haltermann, der ebenfalls eine Spielervermittler-Agentur betreibt. Später machte Seidel sich mit der Firma „teamplayer“ selbstständig. Auch er hält die Spielerberater grundsätzlich für etwas Positives. Nicht nur für den Fußball, sondern für den gesamten Sport. „Wir sind unterwegs, schauen nach hoffnungsvollen Talenten, wir übernehmen Scoutingarbeit und Akquise für Vereine. Wir nehmen den Klubs viel Arbeit ab und geben den jungen Talenten gleichzeitig die Möglichkeit, sich voll auf Fußball zu konzentrieren.“

Henning Haltermann, Ex-Fußball-Boss des TSV Ottersberg, hält indes entgegen: „Ich stehe dem sehr kritisch gegenüber. Das Beispiel Dennis Jannssen, der bei uns groß hätte werden können, aber aufgrund von falschen Beratern völlig von der Bildfläche verschwunden ist, zeigt, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann!“ Und Seidel fügt an: „Bis zur Oberliga braucht kein Spieler einen Berater.“ Doch auch er weiß nur zu genau: Der Fleischtopf Fußball ist riesengroß und jeder will ein Stück davon abhaben.

Und selbst ganz unten in der Nahrungskette wird um jeden Bissen gekämpft.

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