UNVERGESSEN Etelsens unverhoffte Rettung / Goerdels Tiefpunkt gegen Emmendorf

Sören Radeke lässt den Schlosspark beben

Nach der erlösenden Nachricht wurde Etelsens Trainer Bernd Oberbörsch von seinen Spielern zu einem Siegertänzchen in den Kreis gebeten.

Etelsen - Von Kai Caspers. Der Fußball – er schreibt bekanntlich ja immer seine ganz eigenen Geschichten. Und wenn dann noch gestandene Männer ihren Gefühlen auf dem Platz ungehemmt freien Lauf lassen, dann muss schon etwas ganz Besonderes geschehen sein. Als Paradebeispiel dient sicher der 1. Juni 2013. Denn was sich damals am Etelser Schlosspark abspielte – es ist definitiv als eines der berühmten Wunder in die blau-weiße Vereinsgeschichte eingegangen. Denn am letzten Spieltag sicherte ein Traumtor von Sören Radeke in der Nachspielzeit zum 3:2-Endstand über Meister TB Uphusen dem Team von Trainer Bernd Oberbörsch doch noch den Klassenerhalt in der Fußball-Landesliga.

Auch wenn Bernd Oberbörsch bereits seit einigen Jahren nicht mehr als Trainer aktiv ist, erinnert sich der Sottrumer noch ziemlich genau an den ominösen Spieltag der Saison 2012/13. „Unsere Ausgangslage war denkbar schlecht. Denn wir mussten ja nicht nur zwingend gewinnen, sondern waren zudem auf Schützenhilfe anderer Vereine angewiesen. Und nach der ersten Halbzeit waren wir im Grunde genommen mausetod. Da hatte wohl keiner mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt“, verwies Oberbörsch auf den 0:2-Rückstand seiner Elf. Dabei war er im Vorfeld noch frohen Mutes gewesen, dass seine Elf ihre Hausaufgaben erledigen könnte. Zumal es für die Uphuser um nichts mehr ging. „Aber im Fußball spielt der Kopf eben eine große Rolle. Das war meinen Spielern deutlich anzumerken. Während der TBU völlig befreit aufspielte, waren wir komplett verkrampft und hatten in der Pause mit der Landesliga auch schon abgeschlossen.“

„In der Kabine hat Alex Coels dann aber eine bewegende Rede gehalten“, erinnert sich Nils Goerdel. Und die verfehlte ihre Wirkung nicht. In der zweiten Hälfte stand urplötzlich eine ganz andere Etelser Truppe auf dem Platz. Folgerichtig war nach Treffern von Florian Mohr und Mario Gloger der 2:2-Ausgleich geschafft. Aber das wäre noch zu wenig gewesen. Und in der 90 Minute drohte sogar der endgültige Todesstoß, als TBU-Goalgetter Saimir Dikollari allein vor dem Etelser Tor auftauchte. Doch Keeper Eugen Deschner verhinderte mit einem unglaublichen Reflex das 2:3. Was folgte, war der große Auftritt von Sören Radeke. In der vierten Minute der Nachspielzeit setzte Etelsens Mittelfeldspieler aus 25 Metern zu einem Verzweiflungsschuss an. „Ich hatte den Ball gar nicht richtig getroffen, sondern er ist mir sogar etwas über den Spann gerutscht. Allerdings hat er dadurch genau die richtige Flugkurve bekommen“, bezeichnet Radeke den Treffer noch heute als wichtigstes Tor in seiner Karriere. „Was danach alles passiert ist – so richtig weiß ich das gar nicht mehr. Ich bin dann einfach nur noch ziellos über den Platz gelaufen und habe, wie alle anderen auch, auf die erlösenden Ergebnisse von den anderen Plätzen gewartet“, konnte sich der Mittelfeldspieler nach dem Abpfiff auch gar nicht so richtig freuen. Erst, als Wolfgang Goerdel die frohe Kunde der 2:3-Niederlage von Güldenstern Stade über den gesamten Platz schrie, gab es endgültig kein Halten mehr, brachen alle Dämme. Das galt auch für Trainer Bernd Oberbörsch, der sich nach der ganzen Anspannung einige Tränen aus dem Gesicht wischen musste. „Das war einfach nur unfassbar. Und wenn es wirklich einen Fußballgott geben sollte, hat er sich an diesem Tag endlich mal in Etelsen blicken lassen“, lautete seine erste Reaktion, ehe der irre Partymarathon am Schlosspark starten konnte.

Fünf Jahre später hat es die Etelser dann aber doch erwischt. Dabei hatte das Team von Nils Goerdel, der die Mannschaft erst während der Saison in einer nahezu aussichtslosen Lage übernommen hatte, in der Folge eine grandiose Aufholjagd gestartet. Als die Schlosspark-Kicker am vorletzten Spieltag bis zur 87. Minute mit 4:1 gegen Emmendorf führten, sah es nach einem erneuten blau-weißen Wunder aus. „Was danach passiert ist, war für mich die bis dato bitterste Stunde in meinem Fußballerleben“, würde Goerdel die fatalen Minuten der Partie am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen. „Als das 4:2 gefallen ist, hatte ich schon ein komisches Gefühl. Zuvor hatten wir ziemlich anstrengende Wochen, sodass mir bei unserem Aufwand schon in der Pause der eine oder andere fast kollabiert ist. Vermutlich hätten wir in der Phase von Außen noch mehr eingreifen müssen, um für Ruhe zu sorgen. Doch wir waren alle in einer regelrechten Schockstarre“, gestand der Etelser Trainer ein. Nicht von ungefähr nahm das Unheil dann endgültig seinen Lauf, denn Emmendorf glich noch zum 4:4 aus und versetzte den Gastgebern damit nahezu den Todesstoß im Kampf um den Klassenerhalt. Goerdel: „Danach war ich einfach nur komplett leer!“

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