Torsten Hass vom Fitness-Studio Tamado bietet der Politik die Stirn

Sein härtester Kampf

Kämpfen mit großem Willen dafür, dass ihre Mitglieder zumindest Outdoor-Training betreiben können: Tamado-Besitzer Marc Bonar und seine rechte Hand Torsten Hass (rechts). Foto: privat

Achim - Von Frank Von Staden. Die Corona-Krise, sie trifft im Sport die zahlreichen Fitness-Klubs – vor allem die in Niedersachsen – besonders hart. Einer, der sich von Beginn an intensiv mit dem Thema und seinen ganzen Problemen beschäftigt hat, ist Torsten Hass. Er ist ehemaliger MMA-Kämpfer, Kampfsport-Trainer, Judge und zugleich Geschäftsleiter des Kampfsport- und Fitnessstudios Tamado in Achim, quasi die rechte Hand des Inhabers Marc Bonar.

„Torsten ist ein wahrer Corona-Krisenmanager“, sagt da Bonar. „Wenn jemand etwas über die Details der Krise weiß oder über Möglichkeiten der Lockerungen, dann ist es er!“ Schon frühzeitig hat Hass alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um einigermaßen gut durch die Pandemie zu kommen und um das Tamado vor gößerem Schaden zu bewahren.

Je länger die Krise aber dauert, umso mehr Fragen der Mitglieder tauchen auf: „Wann wird wieder aufgemacht, was können wir dann machen, wie viele dürfen trainieren, was ist mit Outddor-Angeboten und wieso sind in anderen Bundesländern die Studios schon wieder ganz auf?“ Fragen, die (noch) nicht zu beantworten sind, da die Betreiber auf die politischen Entscheidungen aus Berlin und Hannover angewiesen sind.

„Und da sind wir schon beim Hauptpunkt. Nachdem am 6. Mai weitreichende Lockerungsmaßnahmen auf Bundesebene beschlossen wurden, haben sich die einzelnen Ministerpräsidenten daran gemacht, ihre eigenen Maßnahmen pro Bundesland zu entwickeln. Das führte dazu, dass beispielsweise Sachsen und Schleswig Holstein aber insbesondere NRW Lockerungsmaßnahmen im Fitnessbereich beschlossen haben, die sogar zur Öffnung der Studios reichten“, klärt Hass noch einmal auf.

Niedersachsen dagegen ist mit Abstand das Bundesland, in dem es die wenigsten Lockerungen im Fitnessbereich, insbesondere für Studiobesitzer, gibt. Ganz im Gegenteil, die kürzlich erteilte Erlaubnis zur Wiedereröffnung eines Studios in Osnabrück wurde aufgehoben.

Nachdem der Fußballverband (NFV) als auch der LSB Niedersachsen bereits wieder das Training unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln im Außenbereich erlaubte, führte auch Torsten Hass intensive Gespräche – zunächst mit dem Landkreis in Verden. Ziel war es, eine Genehmigung zu erhalten, um auf dem privaten 10 000 qm-Grundstück, welches dem Vermieter des Tamados gehört, Outdoor-Kurse in Gruppengröße anzubieten. Hass hatte es sogar geschafft, dass ein Mitarbeiter aus dem Landratsamt vor Ort war, um sich die Gegebenheiten anzusehen. Das Ergebnis kam prompt am nächsten Tag. Der Wortlaut: „Leider können wir Ihrem Antrag nicht entsprechen, weil die getroffene Verordnung für den Betrieb und Nutzung öffentlicher und privater Sportanlagen gilt.“ Hass: „Natürlich stellt unsere Fläche nicht eine Sportanlage im Sinne des Paragraphen dar, doch es hätte durchaus eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden können. Aber dazu war man in Verden nicht bereit.“ Weiter hieß es: „Es wäre einem zufällig an der Straße vorbeikommenden Bürgen nicht zu vermitteln.“ Bei Hass rief die nachricht nur großes Kopfschütteln hervor.

Nach dieser Absage legte der Tamado-Geschäftsleiter aber erst richtig los. Er suchte nicht nur den direkten und intensiven Kontakt mit den zuständigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, sondern auch fast jeden Tag mit dem Krisenstab in Hannover und dem Landkreis, führte zudem Gespräche mit Landrat Peter Bohlmann. Darüber hinaus konnte Hass nachweisbare Informationen über Studios selbst in Niedersachsen liefern, die von ihren zuständigen Ordnungsämtern sogar per Telefon die Erlaubnis bekommen hätten, Outdoor-Kurse mit mehr als fünf Personen auf Parkplatz- oder sonstigen Flächen anzubieten. „Eines davon sogar in unserer Landeshauptstadt vor den Türen einer Polizeiwache, wo die Teilnehmer jeden Tag von den Polizisten herzlich beim Sport begrüßt werden, anstatt ihnen das Training auf dem angeschlossenen Parkplatz zu verbieten und womöglich mit einer hohen Strafe zu belegen“, behauptet Hass. So sagt er enttäuscht: „Wenn schon auf Bundesebene unterschiedlich agiert wird, okay. Aber wenn im eigenen Bundesland die Regularien auch noch unterschiedlich ausgelegt werden, ist das sehr bitter und hat nichts mit Gleichbehandlung zu tun. Jeder Verein kann heute schon Outdoor-Training anbieten, nur wir nicht, weil wir naturgemäß über keine eigene Outdoor-Sportanlage im Sinne der Paragraphen verfügen – aber doch über ein 10 000 qm privates Grundstück!“ Der Ottersberger wünscht sich die „Gleichbehandlung aller, Flexibilität und ein Maß an eigener Entscheidungsfreude vom Landkreis. Wir wollen unseren Mitgliedern mehr bieten als nur Live-Online-Kurse – das machen wir seit dem 18. März! Wir veranstalten zehn Kurse pro Woche, bei denen sich jeweils 20 und 60 Teilnehmer registrieren. Dazu gehören Zumba, TaeBo, MAX, DIO, Kickbox-Workout, Pilates, Rückenschule, Pump, Body-Styling und FZH Zirkeltraining.“

Nun aber spüren fast alle Studio-Besitzer, dass das Interesse langsam sinkt. Hass: „Besonders bei dem schönen Wetter.“ So hofft der rührige Sportbegeisterte, dass auch der Landkreis in den nächsten Tagen eine positive Nachricht für all die Studiogänger in Verden zu verkünden hat.

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