Peer Kruse feiert sein EM-Debüt

In der Bucht vor Cadiz musste der 13-jährige Peer Kruse während den Europameisterschaften mit seinem „Opti“ Wind und Wellen trotzen.
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In der Bucht vor Cadiz musste der 13-jährige Peer Kruse während den Europameisterschaften mit seinem „Opti“ Wind und Wellen trotzen.

In der Bucht vor Cadiz (Spanien) wurden die Segel-Europameisterschaften ausgetragen. Mit dabei war auch der 13-jährige Achimer Peer Kruse. Am Ende belegte er bei seinem Debüt Platz 79.

Auch wenn die Entfernung zur Weser nicht so weit ist, dürfte ein Blick in den Garten der Familie Kruse aus Achim wohl für etwas Verwirrung sorgen. Zwar hat es zuletzt einige kräftige Regenschauer gegeben, aber die reichten nicht aus, damit die Weser womöglich über die Ufer tritt und für ein neues Gewässer bei den Kruses sorgt. Dennoch liegen dort gleich zwei Segelboote im Garten.

Achim – Die Aufklärung – sie lässt jedoch nicht lange auf sich warten. „Segeln ist mein großes Hobby“, gibt der 13-jährige Peer Kruse zu verstehen und lässt seinen Worten sofort Taten folgen. Schnell das Segel geholt, wird der Optimist „Opti“ – so wird das Segelboot, das als Einstiegsklasse für den Regattasport gilt, genannt – in kurzer Zeit mit ein paar geübten Handgriffen aufgetakelt. „Das ist überhaupt kein Problem, da es natürlich dazugehört“, erklärt der Achimer, der das Gymnasium am Markt besucht.

Ein prüfender Blick, ob auch alles passt. Der Achimer Peer Kruse im heimischen Garten vor seinem „Opti“.

Vater Lars nimmt seinen Sohn mit acht Jahren erstmals zum Segeln mit

Seine ersten Erfahrungen mit dem Segelsport sammelte Peer Kruse im Alter von acht Jahren. „Daran bin ich nicht ganz unschuldig“, erklärt Vater Lars. „Schließlich bin ich ein leidenschaftlicher Segler und habe Peer dann einfach mit zum Training nach Bremen genommen und ihn dort im Verein angemeldet.“ Allerdings wollte der Funke zunächst noch nicht so ganz auf den Filius überspringen, da Peer doch lieber leistungsmäßig Fußball spielen wollte. Dennoch war das Segeln verständlicherweise immer ein Thema bei den Kruses. Vor rund zwei Jahren sagte der 13-Jährige dann dem Fußball ade und kehrte endgültig zurück ins Boot. Dabei blieb sein Talent nicht unentdeckt, denn mittlerweile hat sich der junge Achimer nicht nur aufgrund der besseren Möglichkeiten einem Verein in Niedersachsen angeschlossen, sondern schaffte auch den Sprung in den Landeskader. Trainiert wird nun immer mittwochs am Dümmer oder Steinhuder Meer. „Das ist allein von der Fahrerei schon ziemlich zeitaufwendig. Zumal dann ja auch noch die Regatten am Wochenende dazukommen. Aber wir tragen das komplett mit und betrachten das als Familienauszeit, zumal wir ja auch Mitglied im Segelclub in Steinhude sind“, sagt Mutter Miriam.

Startete bei der EM: Peer Kruse.

Das Trainingspensum des 13-Jährigen – es hält sich definitiv in Grenzen. Obwohl das Segeln ziemlich anstrengend ist, legt der talentierte Youngster keine zusätzlichen Krafteinheiten ein. „Nein, das mache ich nicht“, gesteht Peer mit einem Grinsen im Gesicht ein. Nur gut, dass ihm Vater Lars zur Seite steht. „Natürlich wäre das sicher förderlich. Auch gegen joggen wäre sicher nichts einzuwenden. Aber die Jungs segeln so viel, sodass die Kraft und Ausdauer dann von alleine kommt.“ Dass es auch ohne ungeliebte Extraschichten geht, demonstrierte Peer Kruse eindrucksvoll in Glücksburg. Bei der dortigen Regatta, die gleichzeitig als Qualifikation zur Welt- und Europameisterschaft diente, belegte der Achimer unter den 60 Teilnehmern den sehr guten zwölften Platz und löste damit das Ticket für die EM in Spanien. „Eigentlich hätten die Ausscheidungen auf drei Regatten verteilt werden sollen. Aber durch Corona gab es nur noch einen möglichen Termin, an denen die 60 besten der Rangliste die Plätze aussegeln konnten“, klärt Vater Lars auf. „Im Vorfeld war ich auf Platz 48 gelistet. Aber da es ein Jahr keine Rangliste gegeben hat, war nicht klar, wo ich denn stehe. Daher habe ich mich natürlich sehr gefreut und war extrem zufrieden, zumal ich damit im Vorfeld nicht gerechnet hatte“, strahlt Peer Kruse. „Dadurch ist er natürlich ohne großen Druck an die Aufgabe herangegangen. Vielleicht war das genau das, was seine guten Leistungen ausgemacht hat“, fügt Mutter Miriam an.

Erfolgreiche EM-Qualifikation in Glücksburg

Viel Zeit zum Feiern blieb jedoch nicht. Denn unmittelbar danach begann die Vorbereitung auf die EM, die nur eine Woche später in der Bucht vor Cadiz ausgetragen wurde. Angefangen mit der Teambesprechung, über das Vermessen des Bootes bis hin zur Versendung aller Dokumente nach Spanien. „Das war richtig stressig, zumal wir nicht nur viel organisieren mussten, sondern die Reise auch mit hohen Kosten verbunden ist, die wir zu tragen haben“, so Vater Lars. Während Peer und seine Teamkollegen die Reise bequem im Flieger absolvierten, wurden die jeweiligen Schiffe von drei Fahrern nonstop nach Spanien gefahren. Darüber hinaus musste auch die Schule mitspielen, da Peer nach der einen Woche in Glücksburg nun gleich zwei Wochen freigestellt werden musste. Miriam Kruse: „Da können wir uns nur bei den betreffenden Personen bedanken, die Peer das ermöglicht haben.“

Leider habe ich den Einzug ins Goldfleet nur um vier Plätze verpasst. Das hat mich schon ein bisschen geärgert, zumal die Motivation danach ein wenig nachgelassen hat.

Peer Kruse

In Spanien angekommen, galt es sich zunächst einmal zu akklimatisieren. „Das war gar kein Problem, da es nicht wärmer als hier war“, befand der 13-Jährige die Temperaturen als sehr angenehm. Was folgte, war eine Trainingswoche von täglich drei bis vier Stunden, ehe die EM endlich mit 160 Teilnehmern gestartet wurde. Dabei wurde die Anzahl der Schiffe gedrittelt, ehe die Teilnehmer dann im Anschluss anhand ihrer Platzierungen in Gold-, Silber- oder Bronzefleets eingeteilt wurden. „Leider habe ich den Einzug ins Goldfleet nur um vier Plätze verpasst. Das hat mich schon ein bisschen geärgert, zumal die Motivation danach ein wenig nachgelassen hat“, gesteht der Achimer ein. Das hatte zur Folge, dass der 13-Jährige im Anschluss so noch einige Plätze verlor und die EM letztlich auf Platz 79 beendete. Gleichwohl verbucht der Schüler das Erlebnis als große Erfahrung und freut sich schon jetzt auf die nächsten Aufgaben. Schließlich ist sein Ehrgeiz ungebrochen. Zwar fällt die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr erneut aus, „doch in der Rangliste will ich schon noch ein paar Plätze nach vorne rücken und mich im nächsten Jahr wieder für die EM oder WM qualifizieren“, blickt der 13-Jährige voraus. Zumal es für ihn die letzte Möglichkeit in der Bootsklasse ist, da der „Opti“ für Jugendliche bis etwa 15 Jahren vorgesehen ist.

Bis es so weit ist, fließt aber noch viel Wasser die Weser herunter. Und sollte es doch einmal über die Ufer treten und den Garten der Achimer erreichen – die Kruses wären definitiv gewappnet.

Von Kai Caspers

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