Vom Schweinehund, dem am zweiten Festtag gleich drei Geister begegnen

Die Weihnachtsgeschichte der sportlichen Couchpotato

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Die bevorzugten Leckereien der „sportlichen Couchpotato“.

Verden - Von Frank von Staden. Es ist Winter. Norddeutscher Winter. Nicht kalt, aber nass – und windig. Schmuddelwetter. Gemütlich rekelt er sich vor dem Fernseher, lässt sich Bierchen und saftige Frikadellen-Käsehäppchen schmecken. Dabei streichelt er sich mit einem Gemütlichkeitsgrunzen über seinen sichtlich größer gewordenen Bauch. Die hartnäckig an seine Tür klopfende Motivation lässt er nach einem kurzen Versuch des Aufstehens mit dem Hinweis auf das „Schietwedder“ und die damit verbundene Krankheitsgefahr abblitzen. Ja, diese grauen, nasskalten Tage sind wahrlich die beste Zeit für den „Inneren Schweinehund“. Zu keiner Jahreszeit hat er es einfacher, den Körper, in dem er wohnt, vom Sport abzuhalten. Er ist nicht sonderlich beliebt, aber das kümmert ihn schon lange nicht mehr. Er will nur eines: Faul vor der Glotze sitzen und am besten anderen beim Sporteln zuschauen – den ganzen Tag.

Es ist der zweite Weihnachtstag, er sitzt wie gewohnt mit seiner flauschigen Decke bis zu den Ohren gezogen auf dem Sofa vor dem TV, als er draußen mehrstimmiges Gejohle hört. Mit größter Anstrengung hievt er seinen Körper empor, schlurft zum Fenster. Draußen sieht er die Disziplin, Motivation, Bewegungsfreude und das Wohlgefühl. Die eine joggt, die andere radelt und die verbleibenden Zwei „inlinern“ durch den Regen. Sie nähern sich seiner Tür – winken dann aber schnell ab. „Da wohnt doch der Schweinehund“, ruft die Motivation. „Richtig. Diese Couchpotato lassen wir am besten da, wo sie ist“, fügt da das Sport-Wohlgefühl an. Das Quartett zieht mit großer Vorfreude auf das, was es gleich erwartet, weiter.

Sollen sie doch. Er hat ja sein Sofa und die vielen Leckereien. Er lässt sich zurückplumpsen und schlummert kurz darauf ein.

Ein Geräusch lässt ihn kurz darauf hochfahren. Er reibt sich die Augen, dann erkennt er eine leicht verpickelte, mopsige Gestalt, die haucht: „Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht. Komm mit mir. Ich zeige dir, was war.“ Beide stehen Sekunden später in einem dunklen Raum. Dann schnarrt die Stimme: „Das war, bevor es dich gab! Der Körper in dem du gewohnt hast, brauchte dich nicht, weil sein Motto lautete – Sport ist Mord. Er brauchte niemanden, der ihn davon abhielt hinauszugehen, weil er es sowieso kaum tat.“ Der Schweinehund betrachtet die jämmerliche Gestalt, die gekrümmt neben dem Tannenbaum vor dem Computer sitzt und lustlos mit der Maus herumklickt. „Heißt das, wenn er keinen Sport macht, gibt es mich nicht?“ Mit einem Nicken verschwindet der Geist und lässt den Schweinehund verunsichert zurück.

Wenige Minuten später hört er erneut unheimliche Schritte. Er dreht sich um und sieht ein leicht transparentes Abbild seiner selbst auf sich zukommen. „Ich bin der Geist der gegenwärtigen Weihnacht.“ Der Geist greift die Schweinehund-Hand und zieht sie zum Fenster. Plötzlich ertönt wieder dasselbe Lachen wie schon vor einigen Stunden. Kurz darauf kommt die Gruppe um die Ecke, die der Schweinehund schon gesehen hatte. Die Szene spielt sich ab wie schon zuvor. Diesmal hört er jedoch, worüber sie sich weiter unterhalten. „Schade eigentlich, dem Schweinehund würde etwas Bewegung sicher gut tun“, raunt da die Motivation ihren Begleitern zu. Alle verschwinden in der Dunkelheit und ein träger Körper blickt ihnen traurig hinterher. „Hm, ich wusste nicht, dass sie sich so um mein Wohlsein sorgen würden.“ Der Geist ist da schon verschwunden.

Doch wieder dauert es nur kurze Zeit, bis erneut eine wabernde, dieses Mal aber in einem schwarzen Gewand gehüllte Gestalt erscheint.

„Ich bin der Geist der zukünftigen Weihnacht!“

Er reicht dem Schweinehund die Hand – und sofort wird es dunkel und kalt. Kein Zeichen von Leben. Der Schweinehund blickt den Geist sorgenvoll an. „Du wirst nicht mehr gebraucht“, sagt der Geist. „Der Körper, in dem du gewohnt hast, hat wieder mit Sport aufgehört, weil er sich nicht mehr aufraffen konnte.“ Der Schweinehund schüttelt den Kopf. „Das ist die Zukunft?“ „Das entscheidest jetzt du“, flüstert das Schwarzhemd und wabert davon. Mit leeren Augen setzt sich der Schweinehund auf das nun ungemütlich wirkende Sofa, das Bier auf dem Tisch ist schal, die Frikadellen schimmern grünlich. Der Raum ist plötzlich kühl und dunkel. So schläft unser Freund erschöpft ein.

Als er die Augen öffnet, ist alles wie immer. Und es ist immer noch der zweite Weihnachtstag. Das Bier sieht aus wie frisch gezapft, die Frikadellen-Käse-Häppchen duften, im TV kündigt der Kommentator gerade die Partie Stoke City - ManU in der englischen Fußball-Liga an. Es ist Boxing Day. Draußen ertönt im selben Moment das bekannte Gelächter. Es wirkt wie ein Signal. Der Schweinehund springt vom Sofa, hechtet zu seinem schon leicht verstaubten Schrank mit den Sportklamotten. Keine Minute später hat er sich sein Outfit angezogen und steht hinter seiner Haustür. Er atmet tief durch, dann öffnet er sie. Ganz vorsichtig. Die Motivation, Disziplin, Bewegungsfreude und das Wohlgefühl drehen sich schon wieder um, als er ihnen zuruft: „Wartet, ich komme mit!“ Erst mit einem überraschten Blick, dann aber mit Überschwang begrüßen alle Vier den Schweinehund. Langsam setzen sie sich in Bewegung. Schon etwas entfernt hört man den Schweinehund leicht japsend rufen: „Aber gewöhnt euch nicht zu sehr an mich!“ Und dabei soll ein Lächeln über seine schon leicht dicklichen Pausbacken gehuscht sein.

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