Sammrey hinterfragt sich selbst

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Erklärt die anhaltende Durststrecke des TV Oyten: Coach Axel Sammrey.

Acht Spiele, kein Sieg, zwei magere Punkte: Fußball-Bezirksligist TV Oyten wandelt nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Abgänge am Abstiegsgrund. Doch sind wirklich nur die personellen Verluste Schuld? Wir sprachen mit Coach Axel Sammrey.

Einst hatte sich der TV Oyten mittelfristig die Landesliga auf den Fahnen geschrieben. Davon ist er derzeit aber mal meilenweit entfernt.

Stimmt, die Tabelle lügt ja nicht! Momentan können wir niemanden dieses Ziel verkaufen, auch wenn wir es nicht aus den Augen verlieren sollten. Wir hatten damals, als wir uns dieses Ziel gesteckt hatten, aber auch völlig andere Voraussetzungen.

Sie meinen personelle Voraussetzungen?

Ja sicher. Die sind ja nicht von der Hand zu weisen. Wir haben im Laufe der letzten Jahre eine komplette Mannschaft verloren. Das aufzufangen ist nicht leicht.

Doch Hand auf’s Herz, ist der momentane Tabellenstand nur dem Weggang von Leistungsträgern wie Bossert, Döpke oder auch Winkelmann geschuldet?

Absolut! Und jeder, der Fußball lebt und spielt, kann das auch nachvollziehen.

Heißt, nur mit jungen Talenten ist auch die Bezirksliga nicht so einfach zu bewerkstelligen?

Man kann es versuchen, klappen wird es aber nicht. Dafür ist die Liga zu stark. Und die Youngster noch zu unbedarft.

Was fehlt denn Ihrem Team vor allem?

Viele glauben noch, es geht wie in der Jugend ohne Körperkontakt. Sie müssen endlich begreifen, dass es im Herrenbereich nur mit vollem Einsatz geht. Wir haben richtig gute Jungs mit viel Talent. Spieler wie Dorian Mothes und Lennart Brand haben schnell erkannt, wie es geht. Andere wie Firat Karaca, Julian Stiehl oder auch Thomas Baumann tun sich da noch etwas schwer.

Viele Klubs bauen Jahr für Jahr A-Junioren in ihre Teams ein. Die meisten Youngster gewöhnen sich recht schnell an das gesteigerte Herren-Niveau.

Weil diese Teams Leitwölfe haben, die ihnen helfen! Ich hatte gehofft, dass nach den Weggängen einige Ältere wie Daniel Aritim diese Rolle übernehmen könnten, doch können sie einfach noch nicht über ihren Schatten springen.

Eine Mannschaft, die Mitte der Halbserie noch keinen Sieg feiern konnte, dürfte mehr und mehr Frust aufbauen. Wie motivieren Sie Ihre Jungs Woche für Woche?

Das ist ja das Gute, ich brauche da gar keine Motivationsschleuder rausholen. Trotz der Rückschläge kommen die Jungs weiter mit viel Lust zum Training. Ich mache ihnen dann immer wieder klar, dass es auch im Training nur mit Vollgas geht. Aber wie gesagt, sie begreifen nur langsam, dass sie sich die Grundlagen für ein erfolgreiches Spiel nur in der Woche auf dem Trainingsplatz und nicht in der Disco holen können.

Ein Trainer wird immer auch am Erfolg gemessen. Haben Sie sich schon selbst die Frage gestellt, ob Sie für diesen Job noch der Richtige sind – oder ob dieser Job für Sie noch das Richtige ist?

Klar. Ich denke aber, ich bin es noch. Sie nicht? Ich hinterfrage mich nach jedem Spiel, vor allem nach Niederlagen. Frage, was ich und nicht was die Mannschaft falsch gemacht hat. Ich möchte nicht überheblich klingen, doch bin ich der Meinung, dass es keiner besser machen kann, keiner mehr aus den Jungs herausholen kann als ich! Nach jeder Niederlage kann ich schlecht schlafen. Wenn ich aber morgens aufwache, bin ich wieder voll motiviert, um mit dem Team an den gemachten Fehlern zu arbeiten.

Gab es bereits erste kritische Töne aus dem Umfeld?

Sicher. Aber nur von Leuten, die der Mannschaft, dem Verein nicht so nahe stehen, die die Lage gar nicht einschätzen können. Die Oytener wissen, was wir hier Woche für Woche investieren.

Kein Hinterfragen aus dem Vorstand?

Nein, noch nicht. Wir tauschen uns immer sehr sachlich aus. Der Vorstand sieht es mit meinen Augen.

Wie würden Sie darauf reagieren, sollten dort Zweifel an Ihrer Person aufkommen?

Ein Vorstand muss immer abwägen. Das ist seine Aufgabe. Wenn dort irgendwann die Meinung vorherrschen sollte, der TV Oyten benötige einen neuen Impuls, klebe ich nicht an meinem Stuhl, obwohl ich meinen Vertrag erst für zwei Jahre verlängert habe. Doch wie gesagt, diese Frage stellt sich gar nicht.

Jetzt steht das Abendspiel in Pennigbüttel an. Was erwarten Sie – schon ein kleines Endspiel?

Ach was! Ich hatte gehofft, dass wir mit derselben Elf hätten auflaufen können, die ein so gutes Spiel gegen den TV Sottrum gezeigt hat, in dem sie sich letztlich nur nicht belohnt hat. Aber in Mothes, Beaßmann, Kone, Krimmer und Aritim werden wieder gleich eine Handvoll Spieler fehlen. Diese ewigen Ausfälle ziehen sich bekanntlich wie ein Roter Faden bei uns durch. Dennoch fahren wir dort hin, um etwas mitzunehmen. Ich denke, in Pennigbüttel können wir endlich das Eis brechen und den ersten Dreier holen.

Spielen wir das worst case szenario durch und Ihre Mannschaft schafft es nicht den Schalter umzulegen: Würden Sie bei einem Abstieg mit in die Kreisliga gehen?

Richtig ist, dass wir langsam schon eine Serie starten müssen, um das Tabellenende verlassen zu können. Aber erst, wenn wir auch in der Winterpause nur ein paar Punkte auf dem Konto haben, beschäftige ich mich mit der Kreisliga. Ich sagte ja bereits, dass ich auch für das nächste Jahr schon zugesagt habe. Aber wenn keine Entwicklung zu erkennen sein sollte, müsste man sich schon zusammensetzen.

Noch einmal: Würden Sie?

Wenn man mich dann noch will. Wenn nicht, wäre der TV Oyten aber nicht meine letzte Station. Ich bin immer noch voll vom Fußball und dem Trainerdasein infiziert. Das Feuer brennt immer noch!

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