Neuhaus & Co. weg / Berlage pfeift nicht mehr / Baucke hört in Riede auf

Rücktritt: Nun steht der NFV ohne Schiri-Ausschuss da

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Rücktritt mit dem kompletten Kreisschiedsrichterausschuss und Kündigung seiner Mitgliedschaft beim MTV Riede: Hubert Neuhaus zog gestern weitreichende Konsequenzen.

Von Ulf von der EltzACHIM/VERDEN · „Alle Mitglieder des Kreisschiedsrichterausschusses treten mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern und Aufgaben zurück.“ Mit dieser kurzen Presseerklärung zogen Hubert Neuhaus und Co. gestern nach den Irrungen und Wirrungen rund um den „Fall Hönisch“ mit den Entscheidungen des Kreissportgerichts (wir berichteten gestern exklusiv) die Reißleine. Mit weitreichenden Folgen: Der Kreisvorstand um seinen Vorsitzenden Horst Lemmermann steht nun ohne dieses wichtige Gremium da.

Das zeigt ein Blick in die Zuständigkeitsbereiche des achtköpfigen Ausschusses. Neben dem Kreisschiedsrichterobmann Neuhaus als Chef und Ansetzer im Herrenbereich sind folgende Posten plötzlich verwaist: Lehrwart (Mehmet Kunc), Kassenwart (Wilfried Strehlau), Ansetzerin für Frauen und Juniorinnen (Christine Sander), Ansetzer für Altherren, Ü40- und Ü50-Senioren (Hans-Jürgen Meyer), Ansetzer für Junioren (Manfred Blank), Schiedsrichter-Datenpfleger und DFB.net (Richard Logies) sowie Schiedsrichter-Jugendkoordinator (Patrick Ziemke).

Der kurzen Mitteilung über den Rücktritt des Ausschusses wollte Neuhaus gestern auf Nachfrage keine Begründung hinzufügen: „Wir lassen das absichtlich einfach so stehen, über die Ursachen kann sich ja jeder selbst ein Bild machen.“ Das Tischtuch zwischen Ausschuss und Kreisvorstand scheint völlig zerschnitten zu sein, nachdem sich die Referees durch die Urteilsfindung und -Begründung des Sportgerichts im „Fall Hönisch“ quasi im Regen stehen gelassen fühlten. Wie berichtet hatte Neuhaus und den Schiedsrichter der Partie zwischen dem MTV Riede III und dem SV Hönisch II (2. Kreisklasse) in erster Linie erschüttert, dass sowohl den Aussagen des Unparteiischen als auch dessen Mutter als Zeugin – sie hatte sogar nachträglich eine eidesstattliche Versicherung abgelegt – kein Glauben geschenkt worden sei. Ein Hönischer Spieler war vom Sportgericht vom Vorwurf der Bedrohung gegen den 17-jährigen Referee mit dem Messer freigesprochen worden.

Doch nicht nur im Ausschuss gibt es personelle Konsequenzen: In Kai Berlage vom TSV Walle legte ein erster Schiri gestern die Pfeife zur Seite und will mit sofortiger Wirkung keine Spiele mehr leiten – eine Reaktion auf die Presseer-

„Nicht in gefährliche

Situationen begeben“

klärungen von Neuhaus und Co, die wir gestern exklusiv in dieser Zeitung abgedruckt hatten. Als Familienvater, Fußball-Spartenleiter und B-Jugend-Trainer hatte Berlage vor etwa einem Jahr noch den Anwärterlehrgang absolviert, war mit gutem Beispiel voran gegangen, „um Vereinsmitglieder zum Ablegen des Lehrgangs zu animieren. Der zeitliche Aufwand war nicht unerheblich, aber das war es mir wert.“

Bei vielen Spielen habe er die Erfahrung gemacht, dass im Schiri der Alleinschuldige für Alles gesucht worden sei: „Anfeindungen oder Beleidigungen wurden zur Tagesordnung, aber da gewöhnte ich mich schnell dran. Die Begebenheiten in Riede waren nicht schön, wie im Nachhinein damit umgegangen wurde, finde ich jedoch ungeheuerlich. Uns wurde beim Anwärterlehrgang beigebracht, dass es sich bei dem Spielbericht um eine Urkunde handelt. Liegt somit eine Urkundenfälschung oder eine Falschaussage des Schiedsrichters vor? Wenn man den Äußerungen des Schiris keinen Glauben schenkt, wäre das die logische Konsequenz.“

Am schlimmsten findet Berlage aber folgende Aussage vom Sportgericht: „Selbst wenn die Mitglieder davon ausgehen, dass ein Messer tatsächlich im Spiel war, hat sich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme eine Bedrohungshandlung gegenüber dem SR nicht mit einer für die Verurteilung hinreichenden Sicherheit verwirklicht.“ Seine Begründung lieferte der Waller prompt: „Als Polizeibeamter kann ich diese Aussage nicht verstehen. Der Tatbestand der Bedrohung ist meines Erachtens erfüllt, wenn sich das Opfer selbst durch das Tun des Beschuldigten bedroht fühlt. Das hat das Opfer in diesem Fall klar bejaht. Kommt es zusätzlich zu Handlungen durch den Beschuldigten, dürfte man sich im Bereich der gefährlichen Körperverletzung befinden!“

Wenn den Äußerungen der Schiedsrichter und den schriftlichen Stellungnahmen kein Glauben mehr schenkt werde, will Berlage seine Freizeit dafür nicht mehr zur Verfügung stellen und nicht riskieren, „mich in gefährliche Situationen zu begeben und hierbei dann selbst als Schuldiger dazustehen. Auf Werbung für dieses Ehrenamt werde ich innerhalb des Vereins auch erstmal verzichten. Mich würde es nicht wundern, wenn es zu weiteren, ähnlich gelagerten Entscheidungen kommt.“

Letztlich ist auch der MTV Riede von personellen Konsequenzen betroffen: Schiedsrichterobmann Timo Baucke legte sein Amt nieder – das bestätigte er gestern Abend auf Nachfrage dieser Zeitung, wollte aber keinerlei Erläuterungen darüber abgeben. Und Neuhaus kündigte sogar seine Mitgliedschaft im MTV: „Nach 30 Jahren, in denen ich auch 1. Vorsitzender und Spartenleiter war, sehe ich mich nach dieser Affäre dazu gezwungen.“

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