Spielbetriebs-Chef Stebani will Ball rollen lassen / Uphusen fordert erst Einigkeit

Rückrunde auf der Streichliste

Will jetzt noch nicht für 2020 abbrechen: Jürgen Stebani, Vorsitzender des NFV-Spielausschusses.
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Will jetzt noch nicht für 2020 abbrechen: Jürgen Stebani, Vorsitzender des NFV-Spielausschusses.

Verden/Rotenburg – „Wir fahren auf Sicht“, sagt Jürgen Stebani und weiß, dass es nur ein „Stochern im Nebel“ ist. Ob der Spielbetrieb von Niedersachsens Fußballern im Dezember wieder aufgenommen werden kann, ob der coronabedingte Lockdown für den Amateursport dann überhaupt schon endet, ist derzeit auch für den Spielausschussvorsitzenden des Verbandes und des Bezirks Lüneburg nicht vorhersehbar. Viele Vereine plädieren bereits dafür, die Saison erst 2021 fortzusetzen und vorzeitig die Winterpause einzuläuten. Doch davon will Stebani nichts hören.

„Wir werden doch jetzt nicht sagen, dass wir abbrechen“, betont Stebani. Eine vergangene Woche eiligst durchgeführte Umfrage unter den 20 Oberliga-Vereinen ergibt ein ziemlich heterogenes Bild. Der Niedersächsische Fußball-Verband wollte wissen, ob die Teams möglichst sofort wieder trainieren und auch die Saison fortsetzen wollten, ob sie wenigstens den Trainings- und im Anschluss an die Aussetzung den Spielbetrieb wieder zeitnah aufnehmen möchten oder aber in der jetzigen Situation weder ein Training noch Spiele für verantwortungsvoll halten. „Mehrheitlich wollen die spielen“, deutet Stebani das Ergebnis. Ansgar Nieberg, der für die Umfrage zuständige Referatsleiter Spielbetrieb im NFV, erklärt auf Nachfrage: „Das Votum war nahezu gleich verteilt.“ Ob der Verband in Person von Präsident Günter Distelrath nun damit beim Land vorstellig wird, steht noch nicht fest.

Der TB Uphusen hat für sich zwei Möglichkeiten favorisiert. Florian Warmer: „Wir stimmten dafür, dass entweder Variante B mit alleinigem Trainingsbetrieb oder Variante A, die auch den Spielbetrieb einschließt, zur Anwendung kommen sollten.“ Allerdings betont der sportliche Leiter am Arenkamp, sein Verein wolle keine Sonderstellung einnehmen: „Unser Votum setzt voraus, dass sich alle Klubs einig sind und keiner benachteiligt werden darf. Ich möchte nicht gegen ein Team spielen, dass vorher nicht trainieren durfte.“

Denn zahleiche Vertreter hatten Fälle zu verzeichnen gehabt, die eine Quarantäne nach sich gezogen haben – wovon der TB Uphusen gänzlich verschont geblieben ist. „Beim Trainingsbetrieb hatten wir keine Probleme. Hygienekonzepte konnten wir auch bei den Spielen optimal umsetzen“, berichtet Warmer vom Verlauf vor dem zunächst bis Ende November verordneten Lockdown für den Amateursport.

Liga-Rivale Rotenburger SV hingegen hatte sich klar für die Variante C ausgesprochen – kein Training, keine Spiele. Mehr noch: „Mit dem Hinweis, dass man erst im neuen Jahr wieder mit allem beginnt. So wie in Schleswig-Holstein. Das Modell finden wir gut“, erklärt Torsten Krieg-Hasch, der Sportliche Leiter der Rotenburger. Im nördlichsten Bundesland hatte sich das Präsidium dazu entschlossen, den Spielbetrieb in diesem Jahr nicht mehr aufzunehmen. „Wo ist der Unterschied zu Schleswig-Holstein? Warum trifft man keine schnelle Entscheidung?“, fragt auch RSV-Coach Tim Ebersbach. Stebani wiederum bemerkt, Schleswig-Holstein habe im Alleingang entschieden, ohne sich mit den anderen Verbänden abzusprechen und ist von der Anzahl der Mitglieder „so groß wie der Bezirk Lüneburg. Da führen sich manche nicht vor Augen. Bremen hat wiederum gesagt, sie machen das, was Niedersachsen macht – das ist eine vernünftige Lösung.“

Nur wie die Lösung letztlich aussieht, ist unklar. Stebani geht es vor allem darum, vorrangig die ausstehenden Nachholspiele vom Tisch zu bekommen, „damit wir eine halbwegs gerade Tabelle bekommen.“ Schließlich ist nicht auszuschließen, dass es bei weiteren Verzögerungen (auch witterungsbedingt) unmöglich wird, Hin- und Rückrunde sowie Auf- und Abstiegsrunde in geplanter Form durchzubekommen. Unter den Sonderbestimmungen der Oberliga-Ausschreibung findet sich – ähnlich wie in der des Bezirks – zumindest die Passage, die dem Spielausschuss die Möglichkeit einräumt, im Falle „eines erheblich verzögerten Beginns der Saison, bei Unterbrechung sowie bei Abbruch der Saison wegen behördlicher Verfügungslage, abweichenden Beschlüsse bezüglich Spielsystem sowie Auf- und Abstieg zu treffen“. Denkbar wäre also, die Rückrunde zu canceln. „Abwarten“, sagt Stebani.

Skeptisch hinsichtlich einer Fortsetzung noch in diesem Jahr sind auch die Verantwortlichen beim FC Verden 04. Andreas Dreßler, Co-Trainer des Landesligisten erneuerte auf Nachfrage zunächst die Haltung, „dass wir gerne spielen würden, wenn man uns lässt.“ Das sei aber eine aus seiner Sicht nicht zu realisierende Option: „Angesichts der Corona-Fallzahlen ist es eher anzunehmen, dass die Winterpause bereits eingeläutet und erst im neuen Jahr wieder gestartet wird. Wir müssen alle geduldig bleiben.“

Wie bei weiteren Vereinen auch, gibt es bei den Allerstädtern den Wunsch, „wenigstens wieder trainieren zu dürfen.“ Man müsse ja keine Reisen zu Spielen in Kauf nehmen, bei denen sicherlich ein höheres Infektionsrisiko herrsche. Aber auch mit dem Blick in die Zukunft zeigt sich der 62-jährige Dreßler optimistisch, zumal sich die Anzeichen mehren, dass bald ein Impfstoff zur Verfügung stehen könnte: „Die Zahl der positiven Nachrichten wird langsam größer, auch wenn die Infektionen noch nicht signifikant abnehmen.“

Von Matthias Freese Und Ulf Von Der Eltz

Würde gerne spielen, fordert aber eine Einmütigkeit bei den Vereinen: Uphusens Florian Warmer.

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