65-jähriger Dörverdener seit über 50 Jahren im Turf dabei / Früher Jockey – heute Abwieger

Roland Baresch: Ein Leben für den  Rennsport

Roland Baresch in Aktion als Abwieger. Auf dem linken Bild vor, auf dem rechten nach dem Lockdown. 
Fotos: privat/Wächter
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Roland Baresch in Aktion als Abwieger. Auf dem linken Bild vor, auf dem rechten nach dem Lockdown. Fotos: privat/Wächter

Dörverden – Seit über 50 Jahren ist der Dörverdener Roland Baresch eng mit dem Galopprennsport verbunden. Der gebürtige Berlin-Hoppegartener kam mit zwölf Jahren aus doch sehr tragischen Gründen zum Turf, denn sein Vater war bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt und seine Mutter sehr schwer verletzt worden. Er wurde vorübergehend von einem heimischen Turf-Trainer aufgenommen, wo er in den folgenden Jahren das Reiten lernte und mit 17 Jahren sein erstes Rennen in Hoppegarten als Amateur bestritt. Insgesamt rund 50 Mal stieg er in den Sattel und gewann dabei neun Rennen.

So auch im Mai 1972 in Halle an der Saale mit Amos. „Ich hätte liebend gern noch einen zehnten Sieg gehabt, doch das wollte nicht klappen“, bedauert Baresch. Denn wäre ihm der zehnte Sieg gelungen, hätte er in der damaligen DDR auch Hindernisrennen reiten dürfen, was er sehr gern getan hätte. So aber blieb dieses nur ein Traum. Er arbeitete in den folgenden Jahren bei bekannten ehemaligen Ost-Trainern wie Rudi Lehmann und Heinz Schäfke, machte aber auch eine Lehre als Heizungsbauer. Im Januar 1990 zog Roland Baresch gemeinsam mit seiner Ehefrau Inge und der damals achtjährigen Tochter Lynn in den Westen. Durch puren Zufall kam er nach Dörverden. „Als ich durch Verden fuhr, habe ich plötzlich gesehen, dass es dort eine Galopprennbahn gab. Da war ich natürlich sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Baresch zurück.

In Dörverden fand er einen Job bei der Firma Beck Haustechnik und auch eine Wohnung. Sein erster Rennbahnbesuch folgte in Bremen und schnell war für ihn klar, dass er auch im Westen dem Galopprennsport verbunden bleiben wollte. Baresch hofft, dass die Bremer Rennbahn, die vor zwei Jahren ihre Pforten schloss, noch einmal wieder auflebt: „Bremen gehört zu den schönsten und fairsten Galopprennbahnen in Europa. Es liegt mir sehr am Herzen, dass es dort irgendwann wieder weiter geht!“

Baresch kam 1990 in Kontakt mit dem Rennleitungsmitglied und Beiratsmitglied des Verdener Rennvereins Rainer Wolters (Holtum Marsch), der sich rührend um ihn kümmerte. Der einstige Berliner trat bald in den Verdener Rennverein ein und brachte dort unter anderem erst einmal die desolate Startmaschine auf Vordermann. Auf anderen norddeutschen Rennbahnen wie in Bremen, Hannover und Bad Harzburg war Roland Baresch als Unterstützer der Rennleitung für

In Verden desolate Startmaschine repariert

die Ordnungsmäßigkeit der Startmaschine und als Dopingbeauftragter tätig. Seit 1995 ist er auf den Rennbahnen nun aber hauptsächlich als Abwieger im Einsatz. Seine Aufgabe ist, vor und nach dem Rennen das vorgeschriebene Gewicht der Reiter einschließlich Sattel genau zu prüfen. Das Gewicht sollte vor und nach dem Rennen gleich sein. Ist es nach dem Rennen mehr als 500 Gramm niedriger als vor dem Start, werden Pferd und Jockey disqualifiziert. Ist das Gewicht viel höher nach dem Rennen, muss das der Abwieger sofort der Rennleitung melden. „Beide Sachen kommen Gott sei Dank sehr selten vor“, versichert der 65-Jährige.

Roland Baresch hat zu allen Jockeys einen sehr guten Draht. „Ich kenne allerdings auch meine Pappenheimer, die versuchen, mit einigen Tricks am Gewicht zu arbeiten. Meist haben sie etwas zu viel und das Abkochen in der Sauna hat nicht gereicht. Das durchschaue ich aber schnell. Man muss als Abwieger gerecht sein und auch die nötige Strenge walten lassen“, sagt der Dörverdener, der inzwischen ein 25-jähriges Jubiläum als Abwieger vorweisen kann.

Der Rentner ist hauptsächlich auf den Rennbahnen in Hannover, Bad Harzburg und Hamburg im Einsatz. „Inzwischen werde ich aber auch schon einmal für Rennen in Dortmund und Köln angefordert“, sagt Baresch nicht ohne Stolz. Durch den Kontakt mit den Jockeys bleibt der Rentner auch jung. „Ich hoffe den Job, wenn es die Gesundheit erlaubt, noch bis zum 70. Lebensjahr ausüben zu können, doch dann ist Schluss.“ Bis dahin wird Roland Baresch auf den Rennbahnen weiterhin viele Jockeys wiegen und kontrollieren, damit die vorher festgelegten Gewichte eingehalten werden und stimmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Amateurrennreiter handelt oder um Cracks wie Andrasch Starke, Filip Minarek, Jozej Bojko oder Maxim Pecheur, um nur einige zu nennen.

Baresch hat aber noch ein weiteres Hobby, nämlich den Fußball. Jahrelang hat er bei den Altherren und Senioren seines Heimatortes TSV Dörverden aktiv gespielt und war dort immer als der schnelle und torgefährliche „Jockey“ bekannt. Seine beiden Lieblingsvereine in der ersten Bundesliga sind der SV Werder Bremen und die „Eisernen“ von Union Berlin. „Aber die zweite Bundesliga ist zur Zeit für mich fast interessanter, da dort keine Mannschaft so dominiert wie in der ersten Liga schon seit vielen Jahren der FC Bayern. Da ist der Galopprennsport doch viel spannender“, findet der 65-Jährige.

Nun, gut möglich, dass der Werder-Fan bald noch inniger die 2. Liga im Blick haben wird. Der kommende Sonnabend wird es zeigen.

Von Jürgen Honebein

Als aktiver Jockey feierte Roland Baresch in der früheren DDR neun Siege. Foto: privat

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