Erweiterung der LPO / Helmpflicht nun auch in der Dressur / Aufgrund Corona: Neues im Springen mit Stechen

Regeländerungen im Reitsport treten ab sofort in Kraft

Auch die in Morsum lebende Top-Reiterin Alexa Staís muss sich an neue Regeln im Springsport gewöhnen. 
Archivfoto: iw
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Auch die in Morsum lebende Top-Reiterin Alexa Staís muss sich an neue Regeln im Springsport gewöhnen. Archivfoto: iw

Verden – Der Beirat Sport der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) hat vor einiger Zeit im schriftlichen Umlaufverfahren über verschiedene Änderungen der Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) abgestimmt. Seit dem 1. Januar 2021 sind die Änderungen bereits in Kraft. Die wichtigsten Änderungen von ihnen hier einmal (ohne Gewähr auf Vollständigkeit) in alphabetischer Reihenfolge.

Außer Konkurrenz

Außer Konkurrenz starten dürfen Reiter, die aufgrund einer zu hohen Leistungsklassen laut LPO in dieser Prüfung nicht startberechtigt wären, sofern der Veranstalter dies in der Ausschreibung zulässt. Um die Teilnahmekriterien besser kontrollieren zu können, ist eine reguläre Nennung oder Nachnennung notwendig. Teilnehmer dürfen künftig nach dem Start außer Konkurrenz auf dem demselben Turnier mit demselben Pferd auch an weiteren Prüfungen der entsprechenden Disziplin teilnehmen. Das war bisher nicht gestattet. Das heißt, dass zum Beispiel ein Reiter der Leistungsklasse vier mit einem Korrekturpferd zunächst außer Konkurrenz in einer A*-Prüfung und später noch regulär im L-Springen starten könnte.

Beinschutz

Ab 2021 gilt im internationalen FEI-Reglement im Springen ein Verbot von Hinterbeingamaschen mit bestimmten Verschnallungsarten, die den Bewegungsablauf an den Hinterbeinen beeinflussen können. Die LPO übernimmt diese FEI-Regeln für Springprüfungen der Klassen E bis S. Die Streichkappen-Regelung für Springpferdeprüfungen bleibt dagegen wie gehabt. Weiterhin gilt – wie schon seit der LPO 2018 –, dass jeglicher Beinschutz nur korrekt angelegt verwendet werden und mit dem Betreten des Vorbereitungsplatzes Springen grundsätzlich nicht mehr verändert werden darf. Welcher Beinschutz ab 2021 erlaubt ist, führt die LPO im Paragraphen 70 im Detail auf.

Auch Dressurreiter müssen nun einen Helm tragen

Generelle Helmpflicht

Sicherheit geht vor. Gerade hat die FEI noch einmal die Helmpflicht bekräftigt. Das Tragen eines Reithelms ist nicht nur im Springen und bei Geländeritten, sondern ab 2021 auch in der Dressur in allen Altersklassen vorgeschrieben.

Nenngeld

Die leider immer häufiger festzustellende schlechte Starterfüllung in Prüfungen bis Klasse S hat bei vielen Veranstaltern zu Mindereinnahmen geführt. Da es gerade in Corona-Zeiten schwierig ist, Veranstalter zu motivieren, sieht die LPO ab 2021 vor, dass der Veranstalter bei einer Dotierung von bis zu 4 000 Euro (statt bisher 1500 Euro) per Ausschreibung festlegen kann, dass ein „Einsatz“ fällig wird – also keine in Nenn- und Startgeld gesplittete Teilnehmergebühr.

Ponyprüfungen

Um den Ponysport zu fördern, ist ab sofort die Teilnahme an Dressurpferde- und Springpferdeprüfungen der Klasse A künftig auch für sechsjährige Ponys ohne Einschränkung hinsichtlich ihrer Vorerfolge erlaubt, sofern die Ausschreibung nichts anderes vorsieht. Dies gilt analog für siebenjährige Ponys in Dressur-und Springpferdeprüfungen der Klassen L und M. Die LPO reagiert außerdem auf ein Schwinden an reinen Ponyprüfungen, indem sie den „Pony-Ausgleich“ in Springprüfungen der Klasse E bis M dringend empfiehlt. Da Ponyreiter immer mehr darauf angewiesen sind, auch gegen Pferde an den Start gehen zu müssen, sollen die Abstände in Kombinationen und/oder Distanzen mit bis zu fünf Galoppsprüngen für Ponys angepasst werden. Bei einer Kombination mit einem Galoppsprung sollte die Distanz um 40 cm verkürzt werden, bei einer Kombination mit zwei Galoppsprüngen um 60 cm.

Punktespringen

Punkte-Springprüfungen werden häufig auch in höheren Klasse ausgeschrieben. Um die Wertigkeit in der jeweiligen Klasse zu erhalten, wurde die Zahl der maximalen Hindernisse von zehn auf zwölf erhöht. Bisher gab es bei Punktespringen keine Regelung zur Platzierungswürdigkeit. Der Beirat Sport war sich allerdings einig, dass jemand mit Minuspunkten auf dem Konto nicht mehr platziert werden sollte. Künftig kommt für eine Platzierung nur noch in Frage, wer mindestens einen Punkt erreicht hat.

Schnupperlizenz

Die Schnupperlizenz ist erforderlich für die Teilnahme an Prüfungen der Klasse E gemäß LPO. Reiter mit einer Schnupperlizenz haben automatisch die Leistungsklasse 7, das Mindestalter für die Beantragung ist sechs Jahre. Die Erstausstellung ist kostenlos. Jede Wiederausstellung kostet 10 Euro und kann ab 2021 beliebig oft wiederholt werden. Diese Regelung gilt auch für das Voltigieren und Fahren. Im § 20 wird nochmals ausdrücklich festgehalten, dass für die Erstausstellung einer Schnupperlizenz kein Reit- oder Fahrabzeichen notwendig ist.

Springen mit Stechen

Eine neue Prüfungsform fürs Springen bereichert die LPO, die sich vor allem unter Corona-Bedingungen bewährt hat. Direkt nach einem fehlerfreien Absolvieren des Normalparcours und ohne Verlassen des Normalparcours erhält der Teilnehmer mit der Glocke das Signal, dass er sich zum Stechen qualifiziert hat. Danach hat er 45 Sekunden Zeit, den Stechparcours zu beginnen. Bei Überschreiten dieser Frist, beginnt die Uhr an zu laufen. Der Stechparcours kann vor Beginn des Normalumlaufs besichtigt werden. Sollte kein Teilnehmer den Normalparcours fehlerfrei überwinden, wird nach der Rangierung im Normalparcours platziert.

Zwei-Phasen-Springen

Die Zwei-Phasen-Springprüfung wird hinsichtlich Ablauf und Bewertung um eine Variante erweitert. Danach sind in der zweiten Phase alle Teilnehmer startberechtigt. Für die Platzierung zählen die Strafpunkte aus beiden Phasen sowie die Zeit aus der zweiten Phase. jho

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